Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Jubel, Double, Heiterkeit: quo vadis, Borussia Dortmund?

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Double-Jubel und Jubel- Double, Heiterkeit – der schwarz-gelbe Freudentaumel des vergangenen Wochenendes hat die sprachliche Phantasie auf vielen Ebenen beflügelt. Nach einer Meister- und Pokalsieger-Sause ohnegleichen am Sonntag ist es ruhig(er) geworden in Dortmund. Und ich stelle mir die Frage: quo vadis, Borussia Dortmund?

Vor einem Jahr habe ich den Vergleich zwischen der deutschen Meisterschaft 2011 mit der Meisterschaft 2002 angestellt. Damals dachte ich, dass eine erneute Dortmunder Meisterschaft eher unwahrscheinlich ist. Nur ein Jahr später komme ich mir vor wie in einem Traum: am Samstag hat Borussia Dortmund den FC Bayern München mit 5:2 im Pokalfinale in Berlin geschlagen und ein deutliches Ausrufezeichen unter eine Saison gesetzt, die nach der Meisterschaft 2011 eigentlich nicht mehr zu steigern war.

Eigentlich nicht. Denken wir an den fünften Spieltag der abgelaufenen Saison. Der BVB hat das Heimspiel gegen Hertha BSC verloren (und wird auch das Spiel in Hannover in letzter Sekunde verlieren) und findet sich im Niemandsland der Tabelle wieder. Nach dem sechsten Spieltag, wir schreiben den 18. September 2011, sollte Borussia kein Spiel in der Bundesliga mehr verlieren. Und am Ende mit acht Punkten Vorsprung auf München zum zweiten Mal in Folge Deutscher Meister werden. Unglaublich, aber wahr: 28 Spiele nach dem 1:2 gegen Hannover hat Schwarz-Gelb kein Spiel mehr verloren und Rekord um Rekord aufgestellt.

Und jetzt als Sahnehäubchen die Deklassierung der Münchener im Finale des Pokals mit 5:2. Der fünfte Sieg gegen den FCB, der mit einem ungeheuren Selbstbewusstsein gegen den westfälischen Verein angetreten war und deutlich machen wollte, dass das Zentrum der Macht im Fußball immer noch die bayerische Landeshauptstadt ist.

Doch es kam anders, ganz anders. Nach dem Sieg sprachen Fußball-Experten von einer Blamage für die unterlegene Elf. Und nicht wenige gaben mehr den individuellen Fehlern der Bayern als der spielerischen Klasse und taktischen Abgeklärtheit der Dortmunder den größten Anteil an dem Triumph.

Doch alle Erklärungsversuche änderten nichts an dem Sieg: der Pokal war hochverdient für den BVB und das Double die konsequente Belohnung für Fußball-Freuden am laufenden Band (auch wenn Trainer Jupp Heynckes, Kapitän Philip Lahm und Bastian Schweinsteiger ob ihrer Äußerungen bezüglich der Überlegenheit der Münchener am Samstag Abend nicht nur da in einem falschen Film gewesen sein müssen).

Deutscher Meister 2011, Deutscher Meister 2012 und DFB-Pokalsieger 2012: Wo soll das noch hinführen? Ist eine Steigerung überhaupt noch möglich? Sind die Spieler langsam nicht satt? Bleibt die Gier, die Spieler und Trainer der Borussia so oft als Grund des Erfolges anführen, schon bald auf der Strecke? Nein, das glaube ich nicht. Eine Steigerung auf nationaler Ebene ist sicherlich nicht mehr möglich – nur noch eine Bestätigung der Erfolge. Aber international hat der BVB noch einigen Nachholbedarf. Das fünfte Jahr als Übungsleiter beim Deutschen Meister wird erneut zur Nagelprobe für Jürgen Kloppp.

Wachablösung in weiter Ferne

So groß der Jubel am Samstag Abend nach dem triumphalen 5:2 gegen den Rekordmeister aus Bayern auch war: die teilweise hasserfüllten Tiraden gegen die Rot-Weißen kann ich weder verstehen noch gutheißen. Im Gegenteil. Ich verurteile solche Äußerungen auf das Allerschärfste. Nicht nur, weil Hass im Fußball nichts zu suchen hat. Sondern auch, weil es für Hass und Häme gar keinen Grund gibt.

Sicherlich hat Borussia Dortmund mit drei – nationalen – Titeln in zwei Jahren beinahe das Optimum erreicht. Doch so beeindruckend die Spiele und Leistungen auf nationaler Ebene waren, so enttäuschend war das Abschneiden in der Europa League und Champions League. Ich wünsche mir von den schwarz-gelben Fans mehr Demut und weniger Arroganz – schließlich sind das Attribute, die wir auch von anderen Vereinen stetig einfordern. Die sportliche und wirtschaftliche Führung des BVB ist in dieser Hinsicht gute Vorbilder für die Anhängerschaft.

Auch diejenigen, die nach dem fünften Sieg in Serie gegen München von einer Wachablösung im Fußball sprechen, haben aus meiner Sicht nichts verstanden. Denn Bayern München ist in sportlicher und wirtschaftlicher Hinsicht meilenweit vorn. Erst wenn es Borussia Dortmund gelingt, die jüngsten Erfolge dauerhaft zu bestätigen, kann ein Duell München vs. Dortmund analog dem spanischen Kräftemessen Real Madrid vs. FC Barcelona in dieser Dekade maßgeblich werden.

Am 24. August 2012 startet die Bundesliga in ihre neue Saison. Ich bin sicherlich nicht der Einzige, der voller Spannung auf den Anpfiff wartet. Jetzt gilt es allerdings, den Augenblick zu genießen und die Leistungen der rekord- und geschichtsträchtigen Mannschaft zu realisieren. Wir haben erneut eine grandios Saison erlebt, die mit dem ersten Double in der Vereinsgeschichte gekrönt worden ist.

Danke an Jürgen Klopp, danke an die Mannschaft und Danke an Borussia Dortmund für diese wunderbare Spielzeit 2011/2012. Ich freue mich auf die nächsten Jahre schwarz-gelber Fußball-

Autor: Marc

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6 Kommentare

  1. Von einer Wachablösung kann keine Rede sein. Ich denke auch, dass die meisten von uns das ganz gut einordnen können. In den Medien ist dies selbstverständlich etwas anderes. So schön der Gedanke auch sein mag sich die nächsten Jahre an weiteren Titeln zu berauschen. Wir sollten wie unsere Jungs auf dem Boden bleiben und den Moment genießen. Es war eine unfassbare Saison. Ich bin schon zufrieden, wenn wir nächstes Jahr die CL Gruppenphase überstehen und uns hoffentlich wieder für die CL qualifizieren! Heja BVB!

  2. Naja, auf der einen Seite stellt der Artikel richtig fest, dass man wirtschaftlich noch meilenweit von den Bayern entfernt ist, auf der anderen Seite springt man auf diesen unsäglichen Zug auf, dass das abschneiden in der CL ja sooo enttäuschend war. Dortmund ist damals in der Europa Liga mit 9 Punkten sehr unglücklich ausgeschieden und hat in der CL in dieser Saison sicherlich Lehrgeld bezahlen müssen. Das allerdings mit einer sehr jungen und verhältnismäßig günstigen Mannschaft, in der der Großteil zum ersten mal in seinem Leben CL gespielt hat. Also was erwartet man? Dass die sofort den Titel holen? Auch national hat man 2 Jahre gebraucht, bis man oben angekommen ist. International brauchts eben auch seine Entwicklungszeit. Das schöne ist aber, dass sie die in Dortmund bekommen werden und mit dieser Mannschaft irgendwann mit Sicherheit auch internationale Erfolge möglich sind. Vielleicht schon nächstes Jahr und wenn nicht, dann störts mich ehrlich gesagt auch nicht. Wichtiger ist für UNS nach wie vor eine gute Platzierung in der Bundesliga und eine regelmäßige CL Qualifikation als finanzielle Grundbasis. Davon haben wir mehr, als von einen Cl Viertelfinale und einem 10. Platz in der Bundesliga!

    Fakt ist zudem, dass der BVB zwei Titel geholt hat, mit denen vor der Saison keiner wirklich rechnen konnte. Wir haben so viele begeisternde Spiele des BVB gesehen und die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte gespielt. Warum man sich nicht einfach mal daran freuen kann und sich ständig an den paar unglücklichen Spielen in der CL aufhängen muss wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben…

    Was die „hasserfüllten Tiraden“ angeht habe ich ehrlich gesagt so keine vernommen. Die Bayern snd nun mal ein Verein, der pausenlos die Angelegenheiten anderer Vereine in der Öffentlichkeit kommentieren muss. Dann brauchen sie sich auch nicht wundern, wenn sie an so einem Tag ihre Aussagen auch mal retour bekommen. Mit Arroganz hat das nichts zu tun. Ich habe jedenfalls keinen Dortmunder vernommen, der sich hingestellt hat und getönt hat, dass man jetzt auf Jahre unschlagbar sei. Im Gegensatz zu den Freunden aus dem Süden der Republik, deren Spieler sich teilweise ja allen ernstes nach einer 2:5 Niederlage noch hinstellen und meinen, dass sie die bessere Mannschaft gewesen seien. DAS empfinde ich als Arrogant! Anstatt einfach mal anzuerkennen, dass in diesem Jahr eben eine andere Mannschaft mal besser war, wird von einem Großteil der Fans und einigen Verantwortlichen des FCB pausenlos versucht die erfolgreichste Saison in der 103 jährigen Vereinsgeschichte des BVB kleinzureden, da man ja in der CL ach sooo versagt hat!

  3. Sehe ich weitgehend auch so, auch das was David schreibt. Wenn die Feierlichkeiten abgeklungen sind, wird die große Mehrheit der Fans im August hoffentlich wieder mit realistischen Erwartungen in die Saison gehen.
    Zu den Bayern: Ich glaube gar nicht, dass die mit einem „ungeheuren Selbstbewusstsein“ ins Pokalfinale gegangen sind. Das wurde so behauptet, das muss man in München so machen, aber das war eher bayrische Folklore. Die vier Niederlagen in Folge gegen den BVB hatten Spuren hinterlassen und die Nervosität war in der Defensive zu sehen. Zumindest fällt mir keine überzeugendere Interpretation der gravierenden Fehler ein.

  4. Nein.. Eine Wachablösung war das noch lange nicht. Ich denke das der FCB wirtschaftlich einfach in der besten Verfassung ist um immer wieder einen rauszuhauen. Sportlich sowieso, wer sich seit den 70ern ständig Duelle um die Meisterschaft mit immer wieder verschiedenen Mannschaften liefert ist absolut top und in Deutschland unerreicht. Was mir aber so ein bissel fehlt ist einfach die Titelkonstanz, die die Bayern die letzten Jahrzehnte meist immer ausgemacht hat. Sie haben in den letzten zehn Jahren (seit 2002) meiner Meinung nach nur noch auf die Stärken der anderen reagiert anstatt sich einen eigenen Stil anzueignen und diesen dann fortzuführen. Wie viele Mannschaften in dieser Zeit den Titel sich „ausgeliehen“ haben ist schon erschreckend und für die Bayern ein Zeichen das Sie unbedingt was ändern müssen.
    Aus Dortmunder Sicht muss ich sagen das es besser als diese Saison eigentlich nicht geht. Rekorde über Rekorde und das nach so einem „schlechten“ Start. Einfach nur geil was die Borussia uns da abgeliefert hat und mit dem Pokalsieg hat das ganze einen absoluten Höhepunkt bekommen. Na klar war die Punkteausbeute in der CL nicht dolle, aber die Spiele die unsere Mannschaft da gespielt hat waren stellenweise richtig gut. Und nach Meinung aller sogenannten „Experten“ haben unsere Borussen Leichtsinnsfehler gemacht die einfach auf hohem Niveau bestraft werden. Übrigens müssten nach dieser Definition wir nun eine Spitzenmannschaft sein, weil ja der Tenor der Bayernspieler nach dem Pokalfinale war, das Sie nur aufgrund Ihrer eigenen Leichtsinnsfehler verloren haben. Und in Ihrem Ansinnen spielen Sie ja absolute Weltklasse 😉

  5. Ich glaube auch nicht dran, das das die Wachablösung war.
    Aber zumindest ordentlich „ärgern“ konnten wir den Rekordmeister. Es ist einfach sagenhaft, was da in Dortmund in den letzten Jahren passiert ist und gekrönt wurde das ganze mit 2 fantastischen Meisterschaften und dem sagenhaften Pokalsieg.
    Das das Ergebnis im Pokalfinale dann noch so deutlich ausfiel, war noch das i-Tüpfelchen. Der BVB war einfach deutlich stärker, hat die Bayern überrannt und auch der Torwartwechsel hat dem ganzen keinerlei angetan. Die Bayern hingegen wirkten zunehmend nervös, kamen nicht wirklich ins Spiel oder waren Überrascht vom Dortmunder Angriffsspiel.
    Jetzt bleibt abzuwarten, wie der BVB mit den Erfolgen der letzten beiden Jahre umgeht. Ob man über Jahre hinweg mal oben mitspielt…. Es wäre Wünschenswert.

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