Ein Ostwestfale im Rheinland

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WM 2010: Vuvuzela – Totengräber der Fußball-Stimmung im Stadion oder afrikanisches Kulturgut?

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Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ist gerade wenige Tage alt und schon ist der erste Skandal perfekt. Ich rede nicht über das dröge 0:0 zwischen Uruguay und Frankreich am Freitag. Ich meine auch nicht die mal bessere und mal schlechtere Berichterstattung in der ARD, auf RTL oder sky. Ich denke auch nicht an den endlos nervenden Waldemar „Waldi“ Hartmann und seinen WM-Klub am Abend im Ersten.

Mir geht es um die Vuvuzela. Die Vuvuzela (übrigens „Vuvusela“ ausgesprochen oder auch „UweSeela“ genannt) entzweit die Fußball-Fernsehgucker-Nation Deutschland.

Quelle: bild.de

Als ich gestern spätnachmittags in die Schlussphase des Eröffnungsspiels Südafrika gegen Mexiko (1:1) gezappt habe, fühlte ich mich an einen Bienenschwarm erinnert, der mein Wohnzimmer invasiert und okkupiert hat. Aber als ich mich hektisch in meinen eigenen vier Wänden umgesehen habe, stellte ich fest: da waren gar keine Bienen in meinem Wohnzimmer. Das ohrenbetäubende Geräusch kam aus meinem Flachbildfernseher. Und es waren von Menschen erzeugte Geräusche. Diese Geräusche stoppten aber nicht nach einiger Zeit, sondern legten sich wie klebriger, zähflüssiger Sirup über die gesamte Spielzeit der Partie und klangen mir tinitus-ähnlich noch Stunden später in den Ohren.

In verschiedenen sozialen Medien (Twitter, Facebook) entsprang umgehend eine emotionale Diskussion über den Sinn oder Unsinn dieser Tröterei. Ich bin ebenfalls in meiner Meinung gespalten. Zum einen nervt mich der sonore, nicht endende Vuvuzela-Ton, zum anderen ist es Teil der südafrikanischen Kultur.

Schade finde ich, dass die eigentliche Fußball-Stimmung im Stadion aufgrund der südafrikanischen Blaserei nicht durch die Lautsprecher des Fernsehers nach Deutschland dringt. Und insbesondere diese Stimmung, diese Freude, dieser Jubel ist es ja, der ein Fußballspiel ausmacht und ihm seine Faszination verleiht.

Die Vuvuzela wird auch die restlichen 29 Tage während der 19. Fußball-Weltmeisterschaft die Diskussionen beherrschen – hoffentlich bald abgelöst von begeisternden Partien, spektakulären Toren und beeindruckenden Einzelaktionen von Spielern der 32 Mannschaften.

7 Kommentare

  1. Mich nervt das getröte auch, es hört einfach nicht auf. Ich hoffe nur das die Deutschen das in unseren Stadien verbieten.

  2. Ich gucke nicht mehr.

    Ich bekomme von dem unterschwelligen Gedröhne ernsthaft Kopfschmerzen. Ich find das sehr schade. Als südafrikanisches Kulturgut fänd ich das richtig klasse, wenn sie von südafrikanischen Fans bei nem Südafrika-Spiel getrötet würde. Wird sie aber nicht.

    Die Vuvuzela in den Stadien dieser Meisterschaft hat rein gar nichts mit dem Kulturinstrument der Kuduzela gemein – außer vielleicht, dass sie eine für den Massenmark taugliche Abwandlung, besser Vereinfachung ist. Die Plastiktröten sind schnöde Replikationen und als aggressive Einwanderer gefährden sie die heimische Art. Ein reines Konsumprodukt.

    Schade, denn ich hab mich auf das eine oder andere schöne Spiel gefreut. Völlig tonlos mag ich die Spiele aber auch nicht gucken und mit nem Radioton hab ichs auch schon probiert – leider bekomme die Signale nicht synchron da das radio schneller ist bringt ne timeshift Anpassung auch nix.

    Egal. Ich werd das Ergebnis in den Nachrichten sehen.

  3. Die Vuvuzela gehört aber gerade mal seit ein paar Jahren zum südafrikanischen Fußball. Da jetzt von einem Kulturgut zu reden, halte ich etwas überzogen, vor allem wenn es dermaßen nervt…

  4. Eben im Aldi in Korschenbroich hat so`n kleiner Knirps immer "Lass die Finger von der Vuvuzela" (nach Emanuela von Fettes Brot) gesungen 😉 http://www.radiobremen.de/bremenvier/media/player

  5. Pingback: WM 2010: Lass die Finger von der Vuvuzela! | Ein Ostwestfale im Rheinland

  6. Ich finde das Getröte einfach nur klasse, so macht sogar mir eine Fußballübertragung großen Spaß! Die Stimmung kommt supi rüber, und die Afrikaner rasten total beim Tuten aus, toll! Tröööööt forever!

  7. Pingback: Das war die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika | Ein Ostwestfale im Rheinland

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