Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Eltern-Kind-Blogparade: Aufgabe 9

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Die neunte Auflage der Eltern-Kind-Blogparade widmet sich einem Thema, das mich regelmäßig in den Rage-Modus versetzt: „höher, schneller, weiter“ – Konkurrenzdruck und Leistungsdenken.

Eltern-Kind-Blogparade-Woche-Olympia-Vergleiche

Höher, schneller, weiter – ich bin der Beste

Der Konkurrenzkampf beginnt bei manchen frischgebackenen Eltern bereits vor der Geburt. Wie läuft Deine Schwangerschaft? Welchen Kinderwagen habt Ihr gekauft? Habt Ihr nicht das teure Modell gekauft? Kauft Ihr keine Markenklamotten für das Frischgeborene? Wie sieht es aus mit dem Kinderzimmer? Wie, Ihr kauft gebrauchte Sachen auf dem Trödel? Diese Zusammenstellung von Fragen aus dem Kreis angehender Eltern macht deutlich, was zählt: das sich Profilieren wollen und das Angeben. Die anstehende Geburt, das Baby und die anderen angenehmen Begleiterscheinungen rücken in den Hintergrund.

Nach der Geburt ist es nicht anders – im Gegenteil. Bei Mutter-Kind-Gruppen geht der Wettstreit weiter. Welches Kind bekommt zuerst die Zähne? Welches Kind beginnt als erstes zu krabbeln, welcher Stepke läuft am frühesten? Welches Kind ist nachts das erste Mal trocken und und und. Im Kindergartenalter sieht es nicht anders aus. Welches Kind kann seinen Namen schon schreiben, wer kann als erstes lesen und und und…

Aber wenn Du denkst, es geht nicht mehr schlimmer, wird es schlimmer. Schon die Wahl der passenden Grundschule ist eine Wissenschaft für sich. Wo wird mein Kind am besten gefördert, welche Schule hat den höchsten Kuschelfaktor, an welcher Einrichtung werden die meisten Hausaufgaben gestellt? Es gibt nichts, was es nicht gibt.

Konkurrenzdenken? Ohne mich!

Mich nervt so ein Verhalten. Sowohl in Bezug auf mein Baby, mein Kleinkind, mein Vorkindergartenkind, mein Kindergartenkind, mein Vorschulkind und auch mein Schulkind. Ich hasse diese ständigen Vergleiche: welches Kind ist besser / schlauer / weiser / sportlicher / geschickter / größer / empahthischer etc.

Und ich habe da einfach keine Lust drauf. Sobald im Freundes- oder Bekanntenkreis die alte Leier beginnt, werde ich schlagartig stiller. Und werde dann irgendwann sogar schweigsam und ziehe mich komplett zurück. Denn Druck werden unsere kleinen Mäuse noch früh genug zu spüren bekommen. In der Grundschule geht es doch schon los. Dann kommt die weiterführende Schule und anschließend die Ausbildung und das Studium.

Verbiesterte Eltern, die nur das Beste wollen

Dazu passt eine Szene, die ich während eines Spielplatzbesuches beobachtet habe. Zwei erstgebärende Enddreißiger (!) tauschen sich ambitioniert über die bevorstehende Kindergartenwahl aus. Anstelle den geografisch gesehen nächsten Kindergarten auszuwählen (den auch die Nachbarskinder besuchen), geht es um Kindertagesstätten im Umkreis von bis zu dreißig Kilometer Entfernung, die ja „so tolle pädagogische Konzepte haben.“ Geht es noch? Wir reden hier von heranwachsenden Kleinkindern, deren Spiel- und Bewegungstrieb in erster Linie befriedigt werden muss. Und nicht um Kids, die möglichst mit zwei Jahren schon bi- oder trilingual aufwachsen, damit es Noah-Pascal oder Leonie-Mira später im Berufsleben einfacher hat.

Oftmals glaube ich auch in dem fortgeschrittenen Alter der Eltern eine Hauptursache für dieses ausgeprägte Konkurrenzdenken und -verhalten auszumachen. Diese Eltern sind oftmals jenseits der Dreißig, super (aus-)gebildet und meinen, damit alle Erfahrungen der Welt zu besitzen. Doch dabei wird eins oft vergessen: Eltern sein ist oft auch viel Intuition und Erfahrungen sammeln. Viele Dinge kann ich mir zwar anlesen und trainieren, doch der Alltag mit Kindern ist immer wieder auf’s Neue von Überraschungen geprägt, in denen ich nicht schnell nachlesen kann, wie ich mich verhalte und was ich passenderweise zu tun habe.

Immer mit der Ruhe

Mir ist wichtig, dass meine beiden Söhne entspannt aufwachsen. Das bedeutet nicht, dass sie keinen Druck spüren sollen. Insbesondere der Große bemerkt schon, dass es in der Schule nicht nur auf gutes Benehmen, sondern auch auf gute Noten ankommt. Doch ich treibe ihn nicht permanent zu Höchstleistungen an. Mir ist wichtig, dass er mit dem Stoff in der dritten Klasse gut mithalten kann und seine Hausaufgaben gewissenhaft erledigt. Es gibt aber keinen Stress zuhause, wenn er keine gute Note bei einer Klassenarbeit oder einem Test mit nach Hause bringt.

Vielen Dank an die Sponsoren der neunten Runde, die hier, hier und hier besucht werden können.

Autor: Marc

Hallo, ich bin Marc. Schön, dass Du bei mir im Blog vorbeischaust. Hier mein Leben in weniger als 140 Zeichen: Google-Fan, Sony Xperia Z5 compact, ipad mini 2, BlackBerry Classic, Android, iPad 4, Social Media, nur der BVB, Reiseblogger, Vater, (Ehe-) Mann, Chef. Ich bin übrigens auch bei Facebook, Google+ und Twitter zu finden.

3 Kommentare

  1. Ich mag deine Einstellung zu dem Thema, auch wenn ich eine dieser schrecklichen Mütter fortgeschrittenen Alters bin 😉

  2. Oh man wie erfrischend und ich hab mich beim lesen echt wohl gefühlt 🙂 ist selten, aber ich unterschreibe alles ohne ausnahme 😉

    Liebe Grüße
    Elli

  3. Vielen Dank für deinen Beitrag 🙂
    Ich bin auch ein Mittdreißiger-Papa, teile aber eher deine Einstellung 🙂

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