Ein Ostwestfale im Rheinland

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Shinji Kagawa entscheidet das Revierderby im Alleingang: Schalke 04 – Borussia Dortmund 1:3 (0:1)

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Ich bin seit 1990 stolzer Fan von Borussia Dortmund und ich kam mich in den langen Jahren nicht daran erinnern, dass die Vorzeichen vor dem Revierderby jemals so unterschiedlich wie am vierten Spieltag der Bundesliga-Saison 2010/2011 waren. Auf der einen Seite die Gelsenkirchener Gastgeber, die traurige null Punkte auf dem Konto hatten und auch die Champions League-Premiere mit 0:1 in Lyon vergeigt hatten. Und auf der anderen Seite die Dortmunder, die nach der Auftaktniederlage gegen Leverkusen zwei überzeugende Siege in Stuttgart und gegen Wolfsburg feiern durften und außerdem in Lviv ein atemberaubendes Europa League-Spiel abgeliefert hatten, über das noch Monate gesprochen wird.

Die Vorzeichen standen also klar auf Derby-Sieg für den BVB – und genau das war der Punkt, der mich so skeptisch gemacht hat. Schließlich kam es bisher noch nie vor, dass ich meine beiden eingefleischten Schalker Arbeitskollegen so niedergeschlagen vor einem Derby erlebt habe. Und es kam noch nie vor, dass beide so skeptisch und wenig überzeugt von einem Schalker Sieg waren. Die DFL besitzt zudem ein Händchen für die Spielansetzung: am 19.09 spielt der BVB (von 1909) gegen Schalke 04. Sollte das ein gutes Omen sein?

Ich habe das Spiel mit Liam und Luke vor dem Fernseher verfolgt. Das gewohnte Kribbeln, das ich sonst vor einem Derby verspüre, war bereits den ganzen Tag lang einer beruhigten und ausgeglichenen Stimmung gewichen – was sollte das bedeuten? Als dann aber die Berichterstattung bei Sky begann und die Mannschaften in die Arena eingelaufen sind, war sie da, die Spannung, die Nervosität und die Vorfreude auf einen hoffentlich beginnenden Fußball-Leckerbissen.

Borussia Dortmund startete in das Revierderby wiederum mit Mario Götze und Sven Bender – ein Beleg für die jüngste Mannschaft Dortmunds aller Zeiten, denn der Altersschnitt lag bei knapp 23 Jahren. Ob die Youngster im Ruhrgebietsduell bestehen können? Es lief gut an für Dortmund, denn Sven Bender traf schon in der neunten Minute zur Führung. Leider sah der Linienrichter das anders und verweigerte dem Kopfballtreffer die Anerkennung. Drei Minuten später wiederum Pech für Dortmund, als Neven Subotics Kopfball nur an die Latte knallte und nicht ins Tor traf.

Nach 19 Minuten traf Schwarz-Gelb endlich. Mit einer feinen Einzelleistung erledigte Shinji Kagawa den Führungstreffer und freute sich über sein zweites Bundesligator, nachdem er vergangene Woche schon gegen Wolfsburg erfolgreich war. Das war übrigens die fünfte Großchance der Gäste in Gelsenkirchen! Und bereits jetzt hatten sich die Euro 350.000 für den japanischen Neuzugang amortisiert.


Und die Überlegenheit der Klopp-Mannschaft setzte sich fort. Nach 25 Minuten Spielzeit standen bereits 10:1 (!) Toschüsse zugunsten der Gäste zu Buche. So einseitig werden die wenigsten Zuschauer das Revierderby erwartet haben. Das einzige, was ich meinen Borussen nach 30 Minuten vorwerfen konnte, war die mäßige Chancenverwertung, die sich hoffentlich nicht rächen sollte – der BVB war in allen Belangen Schalke überlegen und die klar bessere Mannschaft.

Nach 43 Minuten prüfte Lucas Barrios Manuel Neuer zum zweiten Mal und konnte sich aber nicht durchsetzen. Weitere 60 Sekunden später erneute Auftegung im Schalker Strafraum, aber mehrere Dortmunder brachten das runde Leder nicht im Tor unter. Somit ging es mit einem hochverdienten 1:0 für Borussia Dortmund in die Pause.

Nach der Pause blieb Youngster Mario Götze in der Kabine und dafür durfte Kuba ran. Die Dortmunder begannen die zweiten 45 Minuten nicht so druckvoll – oder war Schalke nicht mehr so schwach? Aber dann war es erneut Shinji Kagawa, der die Schalker quasi im Alleingang erledigte. Auf Flanke von Kuba netzte er zum 2:0 ein (58.) – unhaltbar für Manuel Neuer. Nach 61 Minuten spielten nur noch zehn Gelsenkirchener gegen elf Dortmunder, nachdem Lucas Barrios von Plestan gefoult wurde und mit gelb-roter Karte den Platz verlassen mussten.

Den dritten Lattentreffer der Dortmunder verzeichnete Nuri Sahin nach 65 Minuten, vorher scheiterten Subotic und Großkreutz am Gebälk. Die erste Schalker Chance gab es nach sage und schreibe 73 Minuten, aber Höwedes scheiterte ebenso kläglich wie Matip vor Weidenfellers Kasten. Der Matchwinner Shinji Kagawa durfte nach seinen beiden Toren nach 74 Minuten Platz machen für Robert Lewandowski, der auf sein erstes Bundesligator wartet. Nach 81 Minuten kam Lukas Pisczek für den torlosen Lucas Barrios ins Spiel.

Und vier Minuten vor Schluss war endlich Robert Lewandowski mit seinem ersten Bundesliga-Treffer zum 3:0 erfolgreich. Der Ehrentreffer von Klaas-Jan Huntelaar in der 89. Minute zum 1:3 war da nur noch Ergebniskosmetik und interessierte keinen im Lager der Schwarz-Gelben.

Wie eingangs erwähnt: ich bin seit 1990 Fan des BVB, aber das war bisher eines der genialsten Derbies – fast so gut wie im Mai 2007. Und beide Male endete die Partie mit zwei Toren Unterschied.

Wie war bei Twitter zu lesen? „Derbysieg! Der 19.09. am 04. Spieltag und Dortmund hat nun +04 Tordifferenz und 09 Punkte – und Schalke: NULL“

Der BVB springt mit diesem Sieg auf den dritten Tabellenplatz und freut sich auf das Heimspiel am Mittwoch gegen den 1. FC Kaiserslautern. Die Blau-Weißen hingegen haben mit vier Niederlagen in vier Spielen die schlechteste Bilanz aller Zeiten zu verkraften.

Autor: Marc

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3 Kommentare

  1. Ich oute mich jetzt mal als roter (FCB) und muss ehrlich sagen das mir das Derby sehr sehr gefallen hat 🙂

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