Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Seid gut zu euren Eltern!

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Wer die Überschrift dieses Textes liest, wird sich erst einmal am Kopf kratzen und sich fragen, was diese altmodische Aufforderung bedeuten soll.

Seid gut zu euren Eltern? Na klar, das bin ich doch. Ich telefoniere mehr oder weniger regelmäßig mit ihnen, kümmere mich und so weiter und so fort. Aber ist das wirklich so? Ich kann es für dich nicht beurteilen, das steht mir auch nicht zu. Ich kann es nur für mich beurteilen.

Und mein Urteil ist in dieser Hinsicht nicht immer positiv. Denn mehr machen geht immer. Doch der Reihe nach. Jede Beziehung zu den Eltern ist anders. Ich lebe seit 1998 im Rheinland (siehe auch: Amelunxen ist meine erste, Kleinenbroich meine zweite Heimat), meine Eltern sind in Ostwestfalen beheimatet. Gut und gerne 250 Kilometer trennen uns – eine verdammt weite Entfernung (denn: Zurück in die Vergangenheit: meine Kindheit in Ostwestfalen).

Die Eltern sind weit weg – zu weit

Ich habe nicht das Glück, meine Eltern im gleichen Haus, nebenan oder im gleichen Ort wohnen zu haben. Nicht einmal um die Ecke wohnen meine Mutter und mein Vater. Wenn wir uns sehen wollen, steht mindestens eine zweieinhalbstündige Autofahrt oder eine dreieinhalbstündige Zugfahrt zwischen uns. Das ist nicht schön.

Anders geht es Arbeitskollegen, Freunden und Bekannten von mir. Dort sind die Eltern in unmittelbarer Nähe wohnhaft. Sie kümmern sich um die Kinder, helfen im Haushalt und sind einfach da, wenn sie gebraucht werden. Und was höre ich von meinen Arbeitskollegen, Freunden und Bekannten? Ihre Eltern nerven sie.

Leute, seid froh, dass ihr eure Eltern bei euch habt. Genießt die Zeit und seid dankbar dafür, dass es so ist. Denn wie schnell kann es vorbei sein. Und ich weiß, wovon ich rede. Ich wünsche niemanden die Erfahrung, Todesangst um den Vater zu haben, so wie es mir Anfang dieses Jahres ergangen ist. Ich wünsche niemanden die Angst um die Mutter, deren Asthma und Bluthochdruck sie regelmäßig quält.

Sie meinen es gut mit euch

Auch wenn Eltern bisweilen nerven oder anstrengend sind, bin ich mir sicher, dass sie es nie böse, sondern immer gut mit euch meinen. Wie sagt meine Mum immer so treffend: Egal wie alt du bist, du bist und bleibst immer mein Sohn.

Mir bedeuten die Gespräche mit meinem Vater über Gott und die Welt verdammt viel. Gleiches gilt für die Unterhaltungen mit meiner Mutter. Ich genieße es, wenn sie beide in meiner Nähe sind und wünsche mir, dass ich dieses Gefühl noch lange haben darf.

Und dann ist es Freitag Abend, ich liege im Bett und fühle mich melancholisch, weil die sieben Tage in der alten Heimat mit meinen Eltern morgen Mittag schon wieder vorüber sind. Wo ist die Zeit geblieben?

Morgen im Zug auf der Rückfahrt werden mir meine Eltern schon wieder fehlen. Und ich werde wieder neidisch auf diejenigen sein, die ihre Eltern im gleichen Haus, in der gleichen Straße, im gleichen Ort oder in der näheren Umgebung wohnen haben.

Ihr wisst gar nicht, wie gut ihr es habt. Oder ihr bemerkt es erst, wenn ihr eure Eltern nicht mehr habt und es zu spät ist.

Anmerkung: Als ich diese Zeilen am 10. Oktober 2015 auf der Rückfahrt vom Herbsturlaub mit den Kids in Ostwestfalen im Zug geschrieben habe, konnte ich noch nicht ahnen, dass nur drei Wochen später die Familie einen schlimmen Schicksalsschlag erleiden sollte.

Umso wichtiger ist mein Appell im Rückblick geworden.

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Autor: Marc

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