Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

DSDS 2011: Deutschland sucht den Superdepp

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Es gab eine Zeit, da habe ich “Deutschland sucht den Superstar,” kurz DSDS, gern geschaut.

Das Format war neu auf der Mattscheibe und die Kandidaten, die auf RTL gezeigt worden sind, zeigten überwiegend ihre musikalischen Fähigkeiten.

Auch damals gab es Kandidatinnen und Kandidaten im Casting, die talentfrei gewesen sind. Diese Sorte von “Künstlern” wurden aber nur in kurzen Zusammenschnitten gezeigt und damit nur für wenige Sekunden der Lächerlichkeit preisgegeben. Kurzum: die Musik und die Entwicklung der jungen Menschen vom Amateuer-Sänger stand im Vordergrund. Aber: das war im vergangenen Jahrzehnt.

Im Jahre 2011 ist alles anders. Nach zwei Castings, die am vergangenen Mittwoch und Samstag zur Prime Time im Privatfernsehen gelaufen sind, habe ich das Gefühl, dass nicht die entwicklungsfähigen Gesangstalente im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die bedauernswerten Mädchen und Jungen, die weder von ihren Familien noch von ihren Freunden auf ihre absolute Talentfreiheit hingewiesen worden sind, und deshalb zur medialen Schlachtbank geführt werden.

Das führt dann dazu, dass mehr als zehn (!) Minuten Sendezeit verschwendet werden, um weder lustige noch amüsante oder einigermaßen gesangstarke junge Menschen einem Millionenpublikum zu opfern. Die Folgen, denen sich diese Darsteller nach ihrem Auftritt im Fernsehen ausgesetzt sehen, werden dabei billigend in Kauf genommen.

Denn nicht jede Website geht so zurückhaltend mit der Beurteilung der vermeintlichen Schlechtleistung um wie Jens und Marco von laester.tv. Stattdessen dominieren Schmähungen, Verunglimpfungen und Beleidigungen auf allen Kanälen der “sozialen” (welch Euphemismus in diesem Zusammenhang!) Medien: Twitter, Facebook und Blogs sind genauso vertreten wie das bekannte Boulevard-Blatt mit den vier Buchstaben.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: ich bin davon überzeugt, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wissen, worauf sie sich bei einem Casting von Deutschland sucht den Superstar einlassen. Aber es gibt ebenso nicht wenige Menschen, die vor sich selbst geschützt werden müssen. Dieser Schutz muss spätestens dann einsetzen, wenn der Cutter im Schneideraum von RTL das Rohmaterial sichtet und die Sendung zusammenschneidet.

Aber es passiert nichts. Getreu dem Motto “Schlimmer geht immer” muss sich RTL in jeder neuen Staffel von DSDS mit neuen Superlativen übertreffen. Angefangen über den überlangen “Wir feiern uns selbst, weil wir so cool sind”-Vorspann vor jeder Sendung über das Einspielen von Appetizern, was in der heutigen Sendung passiert, bis zur finalen telemedialen Exekution der stimmlich und gesanglich schwachen Sängerinnen und Sänger ist alles perfekt durchgeplant.

Die Zuschauer des Unterschichtenfernsehens danken es dem Kölner Sender bei jeder neuen Folge auf’s Neue mit rekordverdächtigen Einschaltquoten. Und solange die Quote stimmt, wird sich an der Mischung aus Gesangeskunst, Diffamierungen und Beleidungen sowie Fleischbeschau nichts ändern.

Verantwortlich sind neben dem Sender, der Jury und den Zuschauern aber auch die Unternehmen, die bereit sind, horrende Werbepreise für ihre 30-Sekunden-Spots zur besten Sendezeit zu bezahlen.

Es mag Menschen geben, denen das Verunglimpfen, Verletzen und Bloßstellen von anderen Menschen gefällt. Die Einschaltquoten der ersten DSDS-Folgen belegen dies. Doch für mich ist das nichts. Ich boykottiere Deutschland sucht den Superstar und werde meine Freizeit sinnvoller nutzen.

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Autor: Marc

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