Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

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Abschied nehmen auf Zeit – die eigenen Kinder werden groß

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Montag Morgen, kurz nach sechs. Ich bin in der Küche, genieße den ersten Kaffee des Tages und bereite gleich das Frühstück vor.

Von Genießen kann aber eigentlich keine Rede sein, denn ich bin aufgeregt und hibbelig. Um halb neun werde ich mit Anne und Liam nach Korschenbroich fahren und den großen Sohn zum Bus bringen. Gemeinsam mit siebzig Schülerinnen und Schülern geht es für sechs Tage nach Brighton zum Schüleraustausch.

Über Calais geht es mit der Fähre nach Dover und dann in den Süden Englands. Neben dem Aufenthalt in der Gastfamilie fahren die Kinder am Mittwoch und Freitag auch zwei Tage nach London und sind in Gruppen in der Metropole unterwegs.

Ich habe die Coolness des Großen vor der Abfahrt bewundert. Während wir seine Tasche gepackt haben und bisweilen wehmütig geworden sind – ohne es uns anmerken zu lassen -, war es für ihn ein Wochenende wie jedes andere. Routine. Insbesondere in solchen Augenblicken bewundere ich Kinder und ihre Sorglosigkeit.

Andererseits: wieso mache ich mir Sorgen?

Es kommt der Augenblick, an dem du lernst, loszulassen. Der Augenblick, wenn du lernst, deinem Sohn die Freiheit zu gönnen und es zu genießen, dass er die Möglichkeit hat, etwas von der Welt zu sehen. Ich kann ihm vollkommen vertrauen, das ist nicht die Frage. Aber die Sorge und das mulmige Gefühl bleibt doch bestehen, auch wenn er im April bereits dreizehn Jahre alt wird.

Erinnerungen an 1989

Unweigerlich denke ich an April 1989. Ich war damals zarte vierzehn und bin mit der Schule nach Wales gereist. Bei Peter Evans und seiner Familie habe ich eine Woche verbracht und hatte eine tolle Zeit. Ich wünsche Liam eine mindestens genauso schöne Zeit mit vielen spannenden Eindrücken und Erlebnissen.
Als wir am Montag gegen halb neun am Gymnasium Korschenbroich angekommen sind, war gleich die wuselige Reise-Atmosphäre spürbar. Mich hat aber eins überrascht. Es war erstaunlich, wie viele Eltern Kinder hatten, die noch nie einige Tage von daheim gewesen sind. Es war wirklich das erste Mal, dass die Zwölf- und 13-jährigen Schülerinnen und Schüler das erste Mal ohne Eltern unterwegs gewesen sind.

Meine Kids kennen diese Situation schon länger. Als wir damals unser Haus gebaut haben, war Liam beispielsweise als Zweijähriger ohne Probleme zwei Wochen bei meinen Eltern in Ostwestfalen. Und auch der kleine Sohn war bereits ohne seine Eltern in OWL in den Ferien. Wieso auch nicht? Die Großeltern haben Spaß, die Kids genießen es und auch die Eltern freuen sich über ein wenig Zeit zu zweit.

WhatsApp aus England

Zurück zum Montag. Um kurz nach neun haben sich die beiden Reisebusse mit vier Lehrkräften und mehr als siebzig Schülern auf den Weg gemacht und zum ersten Mal war da ein kleines Gefühl der Leere.

Doch die Arbeit im Büro sorgte bei mir für Ablenkung und Zerstreuung. Bis zum Abend, als ich nach Hause gekommen bin und anstelle von zwei Jungs nur einen vorgefunden habe. Liam hatte sich bis dato auch noch nicht gemeldet und das trug nicht zu meiner Entspannung bei. Eltern-Sorgen halt 🙂

Das Tisch decken für das Abendessen brachte mich auf andere Gedanken und dann saßen wir zu dritt am Tisch. Mit den Worten „Jetzt sind wir alleine“, hat der kleine Sohn das gemeinsame Abendessen am Montag Abend zu dritt eröffnet. Ein Platz blieb leer.

Um Punkt halb neun kam sie dann endlich, die langersehnte Nachricht per WhatsApp: Liam ist gut angekommen, trotz stürmischer See gab es keine Probleme auf der Fähre und die Gastfamilie ist klasse. Neben zwei Katzen (Liam liebt Katzen) ist auch ein Hund an Bord. Alles gut.

https://twitter.com/Ostwestf4le/status/694244879375941632

Als ich abends bei Luke am Bett gesessen habe, konnte ich ein weiteres Kapitel im Buch „entspanntes Denken lernen“ aufschlagen. Er meinte trocken: „Jetzt haben wir Liam bis zum Samstag nicht – aber ein Tag ist ja schon vergangen.“

Kindermund tut Wahrheit kund!

Autor: Marc

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