Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

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Auf Wiedersehen, Kloppo

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Es ist Mittwoch Abend. Nach einem in mehrerer Hinsicht bemerkenswerten Tag komme ich langsam zur Ruhe.

Ich habe eben zu Abend gegessen und mir dann auf Sky Sport News HD die Pressekonferenz von heute Nachmittag mit Jürgen Klopp, Michael Zorc und Aki Watzke angeschaut. Noch immer kommt mir das alles ganz surreal vor. Kann mich einer zwicken und aus einem Alptraum wecken? Nein? Geht nicht? Weil ich nicht schlafe? Kacke!

Erst in wenigen Monaten, vielleicht auch erst in einigen Jahren, werden wir feststellen, dass Mittwoch, der 15. April 2015‎ ein ganz besonderes Datum gewesen ist. Der 15. April 2015 war der Tag, als sich ein Gerücht am Morgen im Laufe des Tages als bittere Wahrheit herausstellen sollte: Fußballlehrer Jürgen Klopp wird zum Saisonende nach sieben Jahren nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund sein und seinen Platz räumen.

Jürgen Klopp wird in gut zweieinhalb Monaten die schwarz-gelben Vereinsklamotten – vorerst – ausziehen und nicht mehr tragen. Er wird die gelbe Pöhler-Kappe, die wie die zum Amtsantritt versprochenen „Vollgas-Veranstaltungen“ zu seinem zweiten Markenzeichen geworden ist, für immer an den Nagel hängen und nicht mehr die sportliche Verantwortung bei dem Verein tragen, unter dessen Ägide die Borussia zweimal Deutscher Meister, einmal Pokalsieger sowie zweimal Supercup-Sieger geworden ist und einmal ins Finale der Champions League eingezogen ist.

Jürgen Klopp wird nur noch bis zum 30. Juni 2015 den Verein als Trainer betreuen. Er macht den Weg frei für einen Nachfolger, der noch bestimmt werden muss. Und er möchte der dringend notwendigen Neuaufstellung nicht im Weg stehen, weil er eins weiß: der Verein Borussia Dortmund ist größer als jeder Schwarz-Gelbe. Der Verein überstrahlt alles.

Dennoch: Der 15. April 2015 wird der Tag der Zäsur bei Borussia Dortmund sein. Es ist der Tag, an dem die Ära Klopp ihr finales Ende gefunden hat. Eine Ära, der neben vielen Triumphen und Titeln auch immer der bittere Geschmack der Unvollendung anhaften wird. Denn der Weg mit Klopp hätte nach sieben Jahren nicht zu Ende sein müssen.

Ein persönliches Beispiel: Mein jüngster Sohn ist acht Jahre alt und er ist von klein auf Fan von Borussia Dortmund. Für ihn ist der BVB bislang Zeit seines Lebens immer auch Jürgen Klopp gewesen. Natürlich war der BVB für ihn auch Mario Götze und Robert Lewandowski und Marco Reus – alles Spieler, deren Namen er auf seinen Trikots der Borussia getragen hat. Doch Jürgen Klopp war bislang immer da. Das ist bald anders.

Alles andere als nur Pathos: Authentizität

Auch wenn es für einige Beobachter arg pathetisch war, was sich heute ab halb zwei in der Pressekonferenz abgespielt hat: für mich war es authentisch. Jürgen Klopp hat um die vorzeitige Auflösung seines Vertrages drei Jahre vor dem regulären Ablauf gebeten und der Verein hat ihm diesen Wunsch erfüllt. Dumm vom Verein? Mitnichten.

Wie soll ein Trainer seine Spieler motivieren, wenn er nur widerwillig seine Pflicht erfüllt. Und der BVB ist es nach den zahlreichen Erfolgen in den vergangenen Jahren aus meiner Sicht Klopp auch schuldig, ihn freizugeben und damit den Neuaufbau einzuleiten. Und es ist nur eine Form von Authentizität, wenn der BVB sich nicht als garstiger, eingeschnappter Verein zeigt, der seinen Startrainer halten will – um jeden Preis. Es gilt, so abgedroschen es klingt, nach vorn zu schauen.

Es fällt mir schwer, meine Gemütslage zu beschreiben. Wenn ich schreibe, dass ich mich den ganzen Tag über wie ein Teenager gefühlt habe, der seine erste große Liebe verloren hat, würde das infantil klingen. Wenn ich mein Seelenleben beschreiben würde, als sei ein enger Freund gestorben, würde man mich als fatalistisch abstempeln. Schließlich habe ich Jürgen Klopp nicht einmal in meinem Leben persönlich getroffen.

Sieben Jahre Jürgen Klopp

Doch es ist mehr als das. Von Anbeginn seiner Zeit in Dortmund, seit August 2008, habe ich Klopps Schritte aufmerksam verfolgt. Er ist nicht nur der aktuell dienstälteste Trainer der Bundesliga, sondern auch der dienstälteste Coach von Borussia Dortmund. Unter seine sportliche Verantwortung fallen nicht nur Titel, sondern auch unvergessene Triumphe. Derbysiege, Champions League-Schlachten wie Malaga und weitere Vollgas-Veranstaltungen, die für immer unvergessen sein werden und immer mit dem Namen Klopp verbunden sein werden.

Ich bedanke mich bei einem großen Trainer, der aus bis dato unbekannten Nachwuchsspielern Weltklasse-Spieler geformt hat, die unter anderem auch Weltmeister im vergangenen Sommer geworden sind. Er hat Borussia Dortmund zu einer der Top-Adressen im europäischen Fußball gemacht – mit einer Mannschaft, die nicht wild und teuer zusammengekauft wurde, sondern organisch gewachsen ist.

Es gilt, diese alten Tugenden wiederzuentdecken und das Phlegma, das sich wie eine zu dicke Bettdecke auf die Mannschaft gelegt hat und sie behindert, wegzufegen. Zwar nicht mehr mit Jürgen Klopp ab der Saison 2015/2016. Aber mit einer erfolgshungrigen Mannschaft und einer Mischung aus  jungen, entwicklungsfähigen Spielern und einem Grundgerüst an etablierten und engagierten Leitwölfen.

Wenn dieser Turnaround gelingt, blicke ich nicht pessimistisch in die Zukunft.

Danke, Kloppo, für sieben geile Jahre.

Danke für begeisternde Auftritte in der Bundesliga, im Pokal und in der Champions League.

Danke für Deine Ecken und Kanten.

Einfach Danke für alles.

Und viel Erfolg in der Zukunft.

Du wirst mir fehlen.

Heja BVB!

Jürgen Klopp und der BVB in Zahlen

In der Ära Klopp wurde Borussia Dortmund zwei Mal Deutscher Meister (2011 und 2012), gewann 2012 zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das „Double“ aus Pokal und Meisterschaft. Außerdem stehen zwei Vizemeisterschaften (2013 und 2014), zwei Endspielteilnahmen (UEFA Champions League 2013, DFB-Pokal 2014) und drei Mal der Gewinn des deutschen Supercups (2008, 2013, 2014) als weitere Erfolge zu Buche.

Trotz der sportlichen Delle in der laufenden Saison ist Jürgen Klopp mit einem Punkteschnitt von 1,91 Zählern pro Bundesligapartie der erfolgreichste BVB-Trainer aller Zeiten – vor Ottmar Hitzfeld (1,85) und Matthias Sammer (1,74).

(via)

Autor: Marc

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4 Kommentare

  1. Ich bin zugegeben kein großer Fußballfan. Und doch ist es die Kloppomannschaft, die mich die letzten Jahre immer mal wieder verführt hat, ein Spiel zu schauen – und gegen meine BAYMU – Familie zu wettern. Dieser Mann wirkte nie falsch oder kalkulierend, sondern immer klar heraus. Genauso hat er prima in diese Stadt und in diese Mannschaft gepasst. Ich hoffe er nimmt sich mal ne Auszeit. Und dann schauen wir mal – er könnt auch als Entertainer oder Fernsehfuzzi wirklich gut Karriere machen 😀

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