Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

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Wenn der Briefkasten dein Feind wird

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Früher habe ich gern den Briefkasten geöffnet. Seitdem die Abmahnungen an Blogger mehr die Regel als die Seltenheit sind (siehe auch: Wenn der Briefkasten zu deinem Feind wird), ist der Briefkasten zu meinem Feind geworden.

Allerdings hat es einige Zeit gedauert, bis ich wieder dieses miese Gefühl in der Magengegend gehabt habe, das meinen Puls in ungeahnte Höhen getrieben und die Erinnerung an längst vergessene Zeiten freigesetzt hat.

Es war vor einiger Zeit an einem Samstag Mittag im Herbst 2012. Frühmorgens sind wir zum Tag der offenen Tür am Gymnasium Korschenbroich aufgebrochen, um uns die potenzielle weiterführende Schule für unseren ältesten Sohn anzuschauen. Nach einem informativen Vormittag kehrten wir mittags heim und mein erster Weg galt dem Briefkasten.

Neben einigen Zeitschriften und Briefpost sowie zwei Spielen für die Playstation 3 spuckte der silberne Blechkasten auch eine gelbe Abholkarte der Deutsche Post aus. Ich habe erst vermutet, dass es sich um ein Paket handelt. Doch weit gefehlt. Es war die Benachrichtigung über ein Einschreiben, das ich am darauffolgenden Werktag ab 9 Uhr in meiner örtlichen Filiale abholen könne. Damals war es Samstag, also hieß es zwei lange Tage warten.

Mir wurde heiß und kalt gleichzeitig, denn ich wusste, dass ich keine wichtige Post, die als Sonderdienstleistung ein Einschreiben verlangt, erwarte. Ich wusste auch, dass mir kein wertvoller Brief (Geldpost, Gutscheine oder was auch immer) zugestellt werden sollte. Es konnte sich also nur um eine Gemeinheit handeln, die auf dem postalischen Weg zu mit gelangen sollte.

Meine Befürchtungen wurden aufgrund der unzähligen Abmahnungen genährt, die uns Blogger seinerzeit in den vergangenen Wochen heimgesucht und deren perfider Inhalt für zahlreiche schlaflose Nächte der Hobby-Schreiber gesorgt haben.

Die Deutsche Post schweigt am Telefon

Screenshot Ein Ostwestfale im Rheinland BlogAm darauffolgenden Montag Morgen musste ich bis neun Uhr warten, ehe ich die Filiale der Deutsche Post in meinem Heimatort kontaktieren konnte. Ich erläuterte, dass ich beruflich bedingt in dieser Woche voraussichtlich keinen Filialbesuch hinbekomme und erkundigte mich nach dem Absender des Schreibens. Ich wollte mich vergewissern, ob sich meine böse Vorahnung bestätigen sollte.

Doch vom Angestellten des Gelben Riesen bekam ich eine Abfuhr. Eine Auskunft sei telefonisch nicht möglich, da dies nicht zulässig sei. Auch meine größten Überredungskünste beließen es beim gleichen Ergebnis – der Absender wollte sich erst entpuppen, wenn ich das Schriftstück persönlich vor Ort abholen komme.

Also musste ich weiter warten und meine dunklen Gedanken meinen Kopf bevölkern lassen. Mir sind viele potenzielle Absender eingefallen – andererseits sprach dagegen, dass ich seit einiger Zeit nur persönliche und rechtlich unbedenkliche Fotos veröffentlicht und auch ansonsten aus meiner Sicht rechtlich unbedenklich gebloggt habe. Und wer sonst sollte mir ein Einschreiben senden?

Die Auflösung war dann doch eine große Überraschung: es handelte sich weder um ein Schreiben vom Anwalt mit einer Abmahnung, noch gab es ein behördliches Schreiben. Am Ende war es nur ein Warenmuster, das der Absender aus Sicherheitsgründen und vor der Angst aus Verlust auf dem Postweg als Einschreiben gesendet hatte.

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben – doch diesen zwei Tage währenden Nervenkitzel hätte ich mir gern erspart.

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Autor: Marc

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