Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Cover Rezension Befreit Wie Bildung mir die Welt erschloss Tara Westover

Rezension: Befreit – Wie Bildung mir die Welt erschloss von Tara Westover

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Schockiert, erstaunt, traurig, beeindruckt und ungläubig – dieses Wellenbad der Emotionen habe ich während des Lesens von Tara Westovers Biografie mit dem bezeichnenden Titel Befreit: Wie Bildung mir die Welt erschloss durchlebt.

Schockiert – weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass heutzutage Menschen so aufwachsen wie Tara. Erstaunt – weil mir das Buch Einblicke in eine Welt gewährt hat, die ich nicht für möglich gehalten habe. Beeindruckt – weil das Durchhaltevermögen der Autorin größer als das Bergmassiv in ihrer Heimat Idaho zu sein scheint. Und ungläubig, weil ich mir mehrfach bei der Lektüre vor Augen führen musste, dass es sich nicht um Fiktion, sondern reale Begebenheiten handelt.

Taras Geschichte

Tara Westover wächst als eines von sieben Kinder in einer radikal-fundamentalistischen Mormonen-Familie auf, bei der ein obligatorischer Schulbesuch nicht auf dem Lebensplan steht. Stattdessen werden die Geschwister mehr schlecht als recht daheim unterrichtet und ansonsten schon in jungen Jahren als günstige Arbeitskräfte im elterlichen Betrieb beschäftigt.

Cover Rezension Befreit Wie Bildung mir die Welt erschloss Tara Westover

Die elterliche Bildung beschränkte sich in erster Linie auf die Vermittlung religiöser Inhalte – Naturwissenschaften und Sprachen standen nicht im Fokus. Als erstes Kind der Familie schaffte es Westover, pädagogischen den Fesseln des Vaters und der Mutter zu entkommen. Mit Fleiß und Durchhaltevermögen begann sie im Alter von 17 Jahren ihre schulische Laufbahn, die sie unter anderem an die University of Cambridge sowie die Harvard University geführt hat. Die Krönung dieser beispiellosen Laufbahn mündet in ihrer Dissertation, in der sie sich (sic!) mit radikalen Utopien im 19. Jahrhundert beschäftigt hat.

Die Fesseln der Familie

Die Fesseln der pädagogischen Erziehung hatte Tara Westover erfolgreich gelöst. Nicht lösen konnte sie sich von den familiären Fesseln. Trotz zahlreicher Demütigungen, physischer und psychischer Verletzungen und erlebten Aggressionen schafft es die Frau nicht, sich komplett von ihrer Familie zu lösen.

Ihr bisheriges, junges Leben lang dominiert das schlechte Gewissen zu ihrer Familie das Denken und sorgt für einige schulische und akademische Rückschläge. Dennoch schafft es Westover, sich weiter und weiter von den Familienbanden zu lösen, auch wenn der Preis dafür ein hoher ist.

Beeindruckend und beängstigend

Nach der Lektüre von Befreit: Wie Bildung mir die Welt erschloss habe ich mich alles andere als befreit gefühlt. Ich war aufgewühlt und beeindruckt. Aufgewühlt ob der seelischen Grausamkeiten, die Westover jahrelang erleiden musste und mit denen sie sicherlich auch künftig kämpfen wird. Beeindruckt ob der inneren Stärke der Frau, die sich nie von ihrem Weg abbringen ließ und sich bis zum Doktor-Titel nach oben gekämpft hat.

Tara Westover hat nicht nur eine Autobiografie geschrieben. Sie gibt dem Leser Einblicke in eine Welt, die vielen unbekannt ist. Die praktizierte Religion der radikal-fundamentalistischen Eltern scheint so gar nicht in unsere heutige Zeit zu passen. Wer sich näher mit dem Thema beschäftigt, erkennt aber, dass diese Art der Religion durchaus nicht unüblich ist.

Autor: Marc

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