Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Cover Rezension Gebt mir etwas Zeit Hape Kerkeling

Rezension: Gebt mir etwas Zeit von Hape Kerkeling

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Bislang sind die literarischen Erzählungen von Hape Kerkeling amüsant und teilweise nachdenklich gewesen.

Mit seinem neuesten Werk „Gebt mir etwas Zeit“ zeigt sich ein reifes, sehr persönliches Buch, in dem der Autor seine eigene Lebensgeschichte mit der seiner Vorfahren verknüpft und daraus eine vielschichtige Familienchronik formt.

Anstelle einer reinen Prominenten-Autobiografie entsteht beim Lesen ein Panorama aus seiner Kindheit in den 1970ern in Recklinghausen, seinem Karrierebeginn im Fernsehen, einer großen Liebe in Amsterdam und der bewegten Geschichte der Kerckrings im Goldenen Zeitalter der Niederlande.

Sprünge in den Zeitebenen

Cover Rezension Gebt mir etwas Zeit Hape KerkelingKerkeling springt dabei zwischen mehreren Zeitebenen hin und her, führt von den Anfängen seiner TV-Karriere zurück bis ins 17. Jahrhundert und lüftet nach und nach ein Familiengeheimnis rund um seine geliebte Großmutter Bertha. Das klingt auf den ersten Blick nach einer mühsamen und schwierigen Ahnenforschung, liest sich aber dank vieler lebendiger Miniaturen, skurriler Figuren und pointierter Dialoge erstaunlich leicht und unterhaltsam.

Der Schwerpunkt des Buches handelt von Herkunft, Zugehörigkeit, familiärer Prägungen und dem queeren Leben in einer Zeit, in der ein offenes Coming-out im Showbusiness noch als Risiko galt. Besonders eindrücklich sind die Passagen über seine tragisch endende Beziehung sowie seine Erfahrungen im miefigen Klima der 1980er-Jahre, in denen Kerkeling seine Verletzlichkeit zeigt, ohne ins Kitschige abzurutschen.

Selbstironie und Melancholie

Stilistisch überzeugt der Mann aus dem Ruhrgebiet mit der bekannten Mischung aus trockenem Witz, Selbstironie und feiner Melancholie. Auf komische Szenen folgen immer wieder leise, nachdenkliche Momente, wenn es etwa um Krankheit, Verlust oder Einsamkeit geht. Diese Balance macht das Buch emotional glaubwürdig und sorgt dafür, dass ich Kerkeling als Mensch näherkomme und in ihm nicht nur den Entertainer vor mir sehe.

Ein wenig anstrengend und den Lesefluss hemmend, habe ich die ausführlichen genealogischen und historischen Exkurse empfunden. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau.

„Gebt mir etwas Zeit“ ist ein klug konstruiertes, berührend-komisches Buch über Identität und Familie, das Fans des Autors ebenso anspricht wie Leserinnen und Leser, die eine tiefere, literarischere Form der Autobiografie suchen. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.

Autor: Marc

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