Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Weihnachtsmarkt der guten Taten Düsseldorf Nordstadt 2012 Weihnachten

Die Vorweihnachtszeit beginnt erst nach Totensonntag. Nicht früher.

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Alle Jahre wieder bin ich zum Ende des Jahres genervt. Aber so etwas von genervt. Und es wird jedes Jahr schlimmer.

Ich lasse mich nicht über das Entern des Weihnachtsgebäckes im August in den Supermärkten aus. Daran habe ich mich inzwischen gewöhnt (und knabbere auch gern an Dominosteinen im Oktober).
Nein, ich rege mich über festlich beleuchtete Häuser und Tannen auf, die bereits Anfang November im hellen, kalten LED-Licht immer häufiger das Straßenbild „schmücken“. Muss so etwas sein?

Billiger Glühwein, großer Andrang

Muss so etwas sein? Das frage ich mich auch, wenn ich Mitte November den Konrad-Adenauer-Platz in Düsseldorf betrete.

Auch in diesem Jahr schwappt mir ein Schwall von billigem Glühwein entgegen. Vor dem Hauptbahnhof sind einige Buden aufgestellt, die neben der roten Plörre auch Heißen Hugo, Lebkuchen und kandierte Äpfel unter das Volk bringen. Die Stände sind gut besucht und auch bei plus zehn Grad Außentemperatur scheint das aromatisierte, alkoholisierte Heißgetränk vielen Leuten zu schmecken.
Nennt mich konservativ oder traditionell: Weihnachten fängt erst nach Totensonntag an! Schließlich bleibt auch dann noch genügend Zeit, sich auf das Fest einzustimmen und die vorweihnachtliche Stimmung zu genießen. Und so halte ich es auch im Kreis der Familie.

Entgegen des öffentlichen Drucks kramen wir erst an Totensonntag die Kisten mit dem Advents- und Weihnachtsschmuck aus dem Keller. Wir wundern uns, dass die Deko-Artikel jedes Jahr mehr werden und erfreuen uns an den gesammelten Werken von 1997 bis heute.

Das Haus wird weihnachtlich geschmückt

Wieso ausgerechnet 1997 bis heute? Ganz einfach. Seitdem leben Anne und ich zusammen und seitdem haben wir eine gemeinsame „Weihnachts-Schmückungs-Geschichte“.

Viel vom Weihnachtsschmuck aus den 1990ern schafft es zwar nicht mehr ins Wohnzimmer und bleibt im Keller – doch trennen wollen wir uns von den Devotionalien auch nicht.
Ein ganz besonders wertvoller Schatz ist ein kleiner Engel. Der Engel stand viele Jahre lang bei meiner Omi in Recklinghausen auf dem Fernseher. Nach ihrem Tod habe ich das Kleinod geerbt und seitdem steht der Engel auf unserer Fensterbank und erinnert mich an Großmutter, die viel zu früh gestorben ist.

Und so verbringen wir den Totensonntag gemütlich und entspannt mit dem Schmücken des Hauses. Und weil wir es bewusst ruhig und gelassen angehen lassen, schaffen wir es natürlich nicht, das Tagwerk zu vollenden. Stattdessen lassen wir uns Zeit.

Wohlwissend, dass bis zum ersten Advent alle Arbeiten erledigt und die besinnliche Vorweihnachtszeit beginnen kann.

Autor: Marc

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2 Kommentare

  1. Wenn wir jetzt mal ganz genau sind, oder wie Du sagst, traditionell oder konservativ: Die Weihnachtszeit beginnt am 1. Advent. Der Totensonntag dient dazu, sich an die Verstorbenen zu erinnern und ihnen zu gedenken. Dementsprechend… Aber lassen wir das. 😉 Haarspalterei.

    Ich sehe das etwas anders als Du. Aber das ist nur meine subjektive Meinung. Meine Wahrheit. Ich persönlich finde es schön, wenn Menschen in Weihnachtsstimmung kommen. Gerne auch schon im November. Wenn Menschen in Weihnachtsstimmung sind, dann sind sie oft so, wie sie eigentlich das ganze Jahr sein sollten. Weihnachten ist für mich ein Gefühl von Frieden, Familie und Zusammenhalt. Weihnachten bedeutet, dass es egal ist, woher Du kommst, wer Du bist und was Du magst.

    Und auch wenn der Ursprung des Weihnachtsfestes im Grunde genommen ein anderer ist und ich mit der Kirche mittlerweile nicht mehr unbedingt auf einer Höhe bin – Weihnachten bedeutet auch, dass ein Kind in einer Krippe lag. In einem Stall. Und das die Hirten zu diesem Kind kamen. Ganz losgelöst von allem Religiösen, ist dieses Bild für mich ein Bild der Einfachheit und Zufriedenheit. Ohne Tam Tam. Einfach nur glücklich sein. Zufrieden. Mit dem was man hat. Und was kostbarer ist, als alles auf der Welt. Zeit.

    Ich will mich gar nicht darüber aufregen, dass im November Menschen an einer Glühweinbude stehen und Glühwein trinken. Wenn ich mir die Menschen anschaue und sehe, wie sie lachen, zusammen Spaß haben und sich über das freuen, was ihnen da angeboten wird – was will man mehr? Sollte das nicht viel mehr ansteckend sein? Brauchen wir sowas nicht viel mehr, als die Aufregung darüber, dass vielleicht noch nicht die richtige Zeit ist?

    Die Welt ist ein Scheißhaufen geworden. Wenn Du Dir die Nachrichten anschaust, wirst Du die Bestätigung für meine These finden. Trump Sieg. Nordkorea. ISIS. Keine Ahnung. Und das, was wir gar nicht mehr mitbekommen, weil es längst Alltag geworden ist, will ich gar nicht erwähnen. Und auf dem Weg zur Arbeit? Jeden Tag? Wieviele Leute ziehen da eine Fresse? Weil sie unzufrieden sind. Unglücklich?

    Und wenn ich jetzt damit beginne, all das aufzuzählen, alles schwarz zu malen – welchen Grund gäbe es denn, nicht gleich zu sterben?

    Vielleicht sind es die Menschen an der Glühweinbude im November. Die lachen, weil sie sich freuen, Glühwein trinken zu können. Vielleicht sind es die Augen meiner Kinder, weil sie schon im Oktober fragen, wann sie das erste Türchen des Adventskalenders öffnen dürfen. Vielleicht sind es die kleinen Dinge, die immer wieder passieren. Ja. Ich glaube, es sind die kleinen Dinge, die die besten Antidepressiva in den Schatten stellen.

    Wenn es draußen dunkel wird, und die Nacht sich finster über die Stadt legt, sind es die Lichter, die die Stadt erhellen. Und jedes kleine Licht in der Dunkelheit erzählt von Hoffnung. Auf eine bessere Welt. Auf eine schönere Welt. Das ist es – glaube ich – was die Menschen antreibt und warum die Beleuchtung jedes Jahr früher hängt. Für mich ist das kein Problem. Ich mag die Hoffnung. Denn sie ist das, was wir alle dringend brauchen. In einer Welt, die eigentlich ein Scheißhaufen ist.

    Sei doch ehrlich. Du freust Dich auf die Weihnachtszeit. Auf die Lichter. Auf den Glanz. Auf das, was Weihnachten ausmacht. Und warum nicht damit beginnen, wenn man Lust darauf hat? Warum nicht das Haus schmücken, wenn es einen glücklich werden lässt?

    Die Weihnachtszeit, die Du ansprichst, ist im Grunde genommen nur ein vorgesteckter Rahmen, den sich irgendjemand ausgedacht hat. Ein irreale Größe. Ein Gedankenkonstrukt. Eine Regel. Eine auferlegte Regel. Man kann glauben, dass man sich daran halten muss. Muss man aber nicht.

    Manchmal muss man einfach die Regeln umgehen um glücklich zu sein. Und wenn es nur das Trinken eines Glühweins im November ist… 😉

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