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Der vierte Stern: 1:0 gegen Argentinien – Deutschland ist Weltmeister!

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Nach 1986 und 1990 kam es am Sonntag Abend im Endspiel der 20. Weltmeisterschaft in Brasilien zum dritten Aufeinandertreffen von Deutschland und Argentinien in einem Finalspiel.

Während Deutschland im Halbfinale den Gastgeber mit 7:1 deklassiert hat, mussten die Argentinier erst das Elfmeterschießen erfolgreich mit 4:2 abschließen, um die Niederländer aus dem Wettbewerb zu werfen.

GER vs. ARG Finale WM 20141986 musste sich das deutsche Team den Gauchos in Mexico City mit 2:3 geschlagen geben, um vier Jahre später in Rom dank Andreas Brehmes Elfmetertor mit 1:0 zu triumphieren.

Für die Deutschen war nach WM-Siegen 1954, 1974 und 1990 der vierte WM-Stern in greifbarer Nähe, die Argentinier wollten nach 1978 und 1986 die dritte Krönung erleben.

Dabei war die Statistik auf Seiten der Deutschen, denn die 24-Jahres-Regel ist Gesetz! Sowohl der Rekordweltmeister Brasilien als auch die Italiener haben ihren vierten Titel jeweils 24 Jahre nach dem dritten Gewinn geholt: Brasilien 1970 und 1994, Italien 1982 und 2006 in Deutschland. Das DFB-Team gewann die WM zuletzt 1990 in Italien – also vor 24 Jahren.

Vorbereitung auf das WM-Endspiel 2014

Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass Deutschland das WM-Finale verlieren könnte.

Dennoch ließ sich eine gewisse Anspannung vor dem Anpfiff um 21 Uhr bei mir nicht verbergen. Am frühen Morgen habe ich die Nervosität mit einem kleinen Lauf durch die Felder bekämpft und nachmittags über den einen oder anderen WM-Song gebloggt. Auch das Waffel backen mit dem Jüngsten ließ die Anspannung ein wenig verschwinden.

Und dann begann um kurz nach sechs die Übertragung in der ARD. Ich habe von kurz vor sechs bis zum Anpfiff das erste Mal während des Turniers die komplette Vorberichterstattung angeschaut. Ich wurde Zeuge eines wunderbaren Rückblicks, durfte alle deutschen Tore in Brasilien verfolgen und über Matthias Opdenhövel schmunzeln.

24 Jahre Warten auf den vierten Stern

Ich kann mich noch gut an das WM-Finale 1990 in Rom erinnern. Ich war mit meinen Eltern in Cuxhaven an der Nordsee im Sommerurlaub und wir haben das Spiel am 8. Juli mit meinem vier Jahre jüngeren Bruder zu viert in der Ferienwohnung geschaut.

Damals war ich fünfzehneinhalb Jahre alt. Heute bin ich 39 1/2 und habe das Spiel gemeinsam mit meinen beiden Söhnen und meiner Liebsten geschaut.

Das Endspiel im Estádio do Maracanã

Schon Tage vor dem Spiel waren sich Laien und Experten einig: Deutschland wird Weltmeister. Ausschlaggebend sei die Tatsache, dass die Südamerikaner nur eine Ansammlung von Einzelspielern, aber – im Gegensatz zur deutschen Elf – kein echtes Team sei. Frei nach dem Motto: ein Lionel Messi macht noch keinen Weltmeister.

Die wichtigste Nachricht gab es vor dem Anpfiff: Mats Hummels, gegen Brasilien zur Halbzeit wegen einer Sehnenreizung ausgewechselt, konnte von Beginn an auflaufen. Joachim Löw hatte somit der exakt gleichen Elf vertraut, die Brasilien im Halbfinale mit 7:1 deklassiert hat. Doch kurz vor dem Anpfiff gab es eine Schrecksekunde: Sami Khedira hatte sich beim Warmmachen verletzt, musste wegen Wadenproblemen passen und wurde von Christoph Kramer auf der Doppel-Sechs ersetzt.

Die erste Viertelstunde war schon nervenzehrend, denn so locker und leicht wie im Halbfinale lief es erwartungsgemäß nicht. Argentinien hatte viel Platz, denn die Deutschen ließen dem Gegner zu viel Räume. Nach zwanzig Minuten stand es nach Chancen 0:2 aus deutscher Sicht. In der 30. Minute klingelte es im deutschen Tor, als Argentinien zur Führung einnetzen konnte. Doch die deutsche Abseitsfalle schnappte zu und der italienische Schiedsrichter versagte dem Treffer zu Recht die Anerkennung. Es blieb beim nervenaufreibenden, torlosen Unentschieden.

Christoph Kramers Debüt in der Startelf war anschließend beendet. Der Gladbacher hatte mehrfach böse von den Gauchos auf die Socken bekommen und musste Andre Schürrle weichen. Mesut Özil wechselte jetzt in das zentrale offensive Mittelfeld und Deutschland agierte noch einen Tacken offensiver. Ob das die richtige Taktik war, sollte sich erst noch zeigen. Vor allem Messi konnte sich mehrfach in der Offensive überfallartig durchsetzen und für Torgefahr sorgen.

Anja und Tanja in der Schockstarre

Besonders für die zahlreichen Schland-Eventfans musste das Spiel der deutschen Elf auf den zahlreichen Public Viewings im ganzen Land ein Schock gewesen sein: Deutschland so unter Druck zu sehen, das kannten sie bislang nicht – oder zumindest nur selten. Anja und Tanja waren schockiert. Die Party blieb noch aus.

Mit dem Schlusspfiff der ersten Halbzeit war Benedikt Höwedes fett im Pech. Nach einem Eckstoß von Toni Kroos knallte sein Kopfball nur an den rechten Pfosten. Jetzt war erst mal Durchatmen angesagt. Die ersten 45 Minuten waren ein Finale auf Weltklasse-Niveau, das keine Zeit zum Innehalten geboten hat. Die Liebste und ich brauchten erst mal einen Schnaps, um die Nerven zu beruhigen.

Auch direkt nach dem Wiederanpfiff in der zweiten Halbzeit war es erneut Messi, der sich kurz nach dem Seitenwechsel freispielen konnte, doch sein Schuss ging rechts am Tor vorbei. Es war ein taktisch geprägtes Spiel, das zwar nicht viele eindeutige Torchancen bot, aber niemals langweilig war. Der neutrale Zuschauer wird seine helle Freude an diesem Endspiel gehabt haben.

Als subjektiver Fan, als Deutschland-Fan, war es aber eine regelrechte Tortour. Als nur noch zehn Minuten in der regulären Spielzeit auf der Uhr standen, schwankte meine Zustand zwischen Optimismus und Pessimismus. Denn ein Gegentor so kurz vor dem Abpfiff kann jederzeit das Ende aller Pokalträume bedeuten. Und das zerrt an den Nerven. Das zerrt an meinen Nerven.

Entscheidung in der Verlängerung

Dann kam die Verlängerung. Direkt nach dem Anpfiff drückte Deutschland aufs Gaspedal und spielte sich kurz hintereinander mehrere Torchancen heraus. Doch Argentiniens Tor blieb wie zugenagelt. Es folgte die Halbzeit der Verlängerung und die letzten 15 Minuten dieser Weltmeisterschaft waren angebrochen.

Argentinier und Deutsche gingen zu diesem Zeitpunkt auf dem Zahnfleisch. Wadenkrämpfe bei den Blauen waren genauso wie bei den Weißen an der Tagesordnung. Und mittendrin Jogi Löw, der sein Team zum letzten Aufbäumen motivieren wollte. Und wir als Zuschauer vor dem Fernseher mittendrin – und auch dabei.

Es wurde 23:25 Uhr und dann war er da: der epische Moment. Ich hatte mich gerade über den unfähigen Schiedsrichter aufgeregt, der das brutale Spiel der Argentinier nicht unterbinden wollte, da bekommt der für Miro Klose eingewechselte Mario Götze den Ball auf der linken Seite von Andre Schürrle aufgelegt und markiert in der 113. Minute in Weltklasse-Manier den 1:0-Führungstreffer.

Jaaaaaaaaaaa!

Um 23:36 Uhr ertönte der Schlusspfiff und Deutschland hatte den vierten Stern sicher.

Deutschland ist Weltmeister!

Und was für ein Weltmeister! Spieler des Spiels sind für mich eindeutig Jerome Boateng, der unfassbar gut verteidigt hat und Bastian Schweinsteiger, der Weltklasse im defensiven Mittelfeld gespielt hat und, obwohl er ohne Ende auf die Socken bekommen hat, nie aufgesteckt hat.

Die Metamorphose der öffentlichen Meinung

Es ist erstaunlich, welche Metamorphose die öffentliche Meinung während des Turniers durchgemacht hat. Nach dem 4:0-Auftaktsieg gegen Portugal schwebten alle im siebten Himmel und wurden nach dem 2:2 gegen Ghana auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Das 1:0 gegen die USA zum Abschluss der Vorrunde wurde emotionslos zur Kenntnis genommen und nach dem 2:1-Sieg im Achtelfinale gegen Algerien hatte die öffentliche Empörung ihren Höhepunkt erreicht. Erst mit dem 1:0-Viertelfinalsieg gegen Frankreich drehte sich die Stimmung und mit dem 7:1 gegen Gastgeber Brasilien war der vorläufige Stimmungshochpunkt erreicht.

Joachim Löw war zum Liebling der Massen avanciert und mit ihm Manuel Neuer, Mats Hummels, Thomas Müller & Co. Die Nation hat sich mit ihrer Elf identifiziert und die Kritiker verstummten weitestgehend.

Von Generation Halbfinale zur Generation Weltmeister

Ich gebe zu, dass ich Jogis Leistung als Nationaltrainer während des Turniers auch kritisch gesehen habe. Insbesondere meine schwarz-gelbe Brille hat es mit Traurigkeit gesehen, dass nur Mats Hummels in der ersten Elf gesetzt war.

Ich konnte nicht verstehen, wieso Löw vier gelernte Außenverteidiger aufgestellt hat und Kevin Großkreutz und Erik Durm das Nachsehen gegenüber Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi hatten. Doch der Erfolg hat Bundes-Jogi Recht gegeben.

Und wer das Finale einer Weltmeisterschaft erreicht und sogar den Titel holt, hat verdammt viel alles richtig und verdammt wenig falsch gemacht.

Joachim Löw ist es gelungen, die Generation Halbfinale, die seit 2006 regelmäßig bei Europa- und Weltmeisterschaften gescheitert ist, zur Generation Weltmeister aus- und fortzubilden.

Presse- und Bloggerschau zum vierten Weltmeister-Titel

Und das schreiben die anderen über den Triumph von Rio:

Weltmeister! Gratulation an Hummels, Weidenfeller, Großkreutz und Durm!

DEUTSCHLAND IST WELTMEISTER!

WM 2014: Was man wissen muss #wmwmwm (25)

Deutschland – Argentinien 1:0 n.V.

Weltmeister 2014

WM-Noten: Alle Wege führen zu Jérôme

Deutschland ist Weltmeister!

Löw: „Glücksgefühl wird für alle Ewigkeit bleiben“

Danke, Mario Götze! Deutschland ist Weltmeister 2014

Ein Party-Marathon von Rio de Janeiro bis Berlin

Deutschland ist Weltmeister!

Der vierte Stern

Der perfekte Mix aus Hurra und Hauruck

Bilder für die Ewigkeit

Deutschland ist Weltmeister! So wurde das WM-Finale auf Twitter gefeiert – ein paar Zahlen, Fakten und sehenswerte Tweets

Deutschland im Jubelrausch: «Oh wie ist das schön»

Löws Vollendung, Deutschlands Triumph

Das WM-Endspiel in der Analyse

Das högschde der Gefühle

Der perfekte Mix aus Hurra und Hauruck

Da ist das Ding!

“Mannschaft” neu definiert

Kapitän ohne Binde

Als Deutschland das letzte Mal Weltmeister wurde…

Die Sache mit der Fußballweltmeisterschaft

Haltung

Die “Gaucho-Affäre” – Da ist er wieder, der hässliche Deutsche

Schland – oder wie ich lernte, ein Event-Fan zu sein…

Sorry, Jogi!

Schalke ist Weltmeister!

Torresgate? So gingen die Deutschen 2008

Weltmeistertränen

WELTMEISTER! „Ein Hoch auf uns!“

Die Auflistung wird laufend ergänzt.

Autor: Marc

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