Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

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My Pockets full of Shit

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My pockets full of shit: Dieser Text ist jetzt sechs Jahre alt und zeigt mir, dass es im Leben immer wieder weiter geht.

Damals habe ich den Text im Spätsommer 2010 geschrieben, aber nie veröffentlicht.

Mit zeitlichem und persönlichem Abstand spricht nichts mehr dagegen, diesen Text öffentlich zu machen. Und wer sich fragt, woher der Titel „My Pockets full of Shit“ stammt, dem sei gesagt, dass ich sich um meine Eigenkreation handelt.

Damals habe ich mich in der geschilderten Situation einfach nur scheiße und hin- und hergerissen gefühlt. Ich konnte mich nur zwischen Option 1 (Scheiße 1) und Option 2 (Scheiße 2) entscheiden. Und egal wie die Entscheidung gefallen ist, so bleiben am Ende nur „Pockets full of Shit“ bei mir übrig.

So einfach ist das.

Mittwoch, 25. August 2010, 17:50 Uhr.

Ein langes und eindringliches einstündiges Gespräch liegt hinter mir. In dem Gespräch sind Tränen geflossen. Nicht wenige Tränen. Und in solchen Situationen kommt mir meine Persönlichkeit zugute. Ich bin mehr der nüchterne Realist und Abgeklärte statt der emotionale Empathiker – wobei Empathie durchaus zu meinen besseren Eigenschaften zählt. Erst vor ein paar Tagen habe ich über die Situation nachgedacht, die sich aber nicht wirklich abgezeichnet hat. Dass meine Gedanken dazu so schnell Realität werden, habe ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt.

Ich bin ohne Chance. Ich kann mehr Geld bieten, es wird keine Wirkung zeigen. Ich kann eine neue Aufgabe bieten, es wird es nicht ändern. Ich fühle mich leer und machtlos. Es sind Schmerzen des Verlusts. Private Treffen werden nicht mehr ohne weiteres möglich sein, die Kinder werden ebenfalls traurig sein und sie vermissen. Das Team wird einer fachlichen Spitzenkraft, eines Antreibers, Kommunikationstalents und einer Frohnatur beraubt. Ich werde eine absolute Vertrauensperson verlieren. Sie wird mir fehlen. Das steht jetzt schon fest. Egal, wann genau das Ereignis eintreten wird.

Es ist keine Entscheidung gegen die Tätigkeit, die Aufgabe, das Team oder den Vorgesetzten. Es ist eine Entscheidung für das private Leben.

Ich möchte ihr in diesem Kontext ein guter Ratgeber und Freund sein und helfen, für sie die beste aller möglichen Entscheidungen zu treffen. Die Rollenkonflikte, die ich aufgrund dieser Aufgabe habe, möchte ich bestmöglich ausblenden.

Absolute Diskretion habe ich zugesichert. Ich werde mit niemandem auf meinem beruflichen Umfeld darüber reden. Während unseres intensiven, eindringlichen und mehr als eine Stunde dauernden Gespräches habe ich mehrmals die Rollen gewechselt: vom Vorgesetzten zum Freund zum Analysten zum Ratgeber zum Psychologen – und wieder zurück.

Sie wirkte erleichtert nach dem Gespräch und befreit. Sie hat einen weiteren Meilenstein in ihrem Entscheidungsprozess erreicht. Das wird ihr gut tun. Ich bin durch das Wissen der Planspiele zum Eingeweihten geworden. Mein Herz ist schwer.

Ich hasse meinen Job in solchen Situationen. Ich liebe meinen Job aber auch in solchen Situationen, weil ich helfen kann. Und das bin ich ihr schuldig.

Time will heal my wounds.

Update Januar 2014

Ich habe diesen Artikel ursprünglich am 26. August 2010 passwortgeschützt veröffentlicht. Inzwischen ist es aus meiner Sicht nicht mehr nötig, den Schutz beizubehalten.

Nun sind beinahe dreieinhalb Jahre nach dem ersten Gespräch ins Land gegangen und es zeichnet sich ab, dass die Kollegin das Team endgültig verlassen wird.

Update Oktober 2016

Die Kollegin hat in der Tat das Team zur Jahresmitte 2014 verlassen.

Es war ein Kampf, den ich nicht gewinnen konnte.

Autor: Marc

Hallo, ich bin Marc. Schön, dass Du bei mir im Blog vorbeischaust. Hier mein Leben in weniger als 140 Zeichen: Google-Fan, Sony Xperia Z5 compact, ipad mini 2, BlackBerry Classic, Android, iPad 4, Social Media, nur der BVB, Reiseblogger, Vater, (Ehe-) Mann, Chef. Ich bin übrigens auch bei Facebook, Google+ und Twitter zu finden.

2 Kommentare

  1. Hallo Marc,

    wie immer schön geschrieben. Aber ehrlich gesagt frage ich mich, ob es Sinn macht, dies hier zu bloggen. Denn ich habe nach dem Lesen viele Fragen, würde gerne verstehen, worum es eigentlich geht. Dass Du hier nicht konkreter werden willst ehrt Dich – aber es hinterlässt beim interessierten Leser ein großes Fragezeichen: Worum geht es eigentlich?

    • Hallo Micha,

      ich weiß; aber ich brauchte gestern ein Medium, um meine Gedanken zu sortieren und niederzuschreiben.

      Da kam mir das Blog gerade recht.

      Und die Geschichte hinter der Geschichte erfährst Du in der S8!

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