Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Cover Rezension Wir Kassettenkinder Anne Weiss Stefan Bonner

Rezension: Wir Kassettenkinder von Anne Weiss und Stefan Bonner

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Die achtziger Jahre waren etwas Besonderes. Sie waren der Beginn des Übergangs von analog zu digital, echt zu künstlich und Original und Kopie. Anders als die Siebziger, die gefährlich und anders als die Neunziger, die glatt waren, sind die Kinder der Achtziger eine Schwellengeneration, die mit dem Alten aufwuchs und das Neue spielerisch entdeckte.

Anne Weiss und Stefan Bonner sind Kinder der Achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts und sie sind damit auch Mitglieder jener Gruppe, die sich Wir Kassettenkinder nennen dürfen und in ihrem Buch“Eine Liebeserklärung an die Achtziger“ abgeben.

Die beiden Autoren nehmen uns mit auf eine Reise in unsere eigene Kindheit und Jugend und erinnern uns an längst vergessene Musik, Fernsehsendungen und Kinofilme. An Eis-Sorten, die schon lange aus dem Sortiment genommen worden sind und an ein Werbefernsehen, das mit der Dauerbeschallung in den privaten Sendeanstalten wenig gemeinsam hat.

Eine Reise in die Vergangenheit

Cover Rezension Wir Kassettenkinder Anne Weiss Stefan BonnerIm ersten Kapitel geht es auf die Reise in die Schule, die Freizeit und das Familienleben der damaligen Zeit. Wie haben wir gelebt, was und wie haben wir gelernt und was haben wir gespielt? Das zweite Kapitel widmet sich den Fernsehen – ein weites Feld – und den Ferien, insbesondere den Sommerferien.

Wo und wie wurden die großen Ferien verbracht? Wie lief die Planung, wie war die Fahrt mit dem Auto in den Süden? Außerdem handelt es vom Essen aus fernen Ländern und Sankt Martin, Nikolaus und das Fest der Feste, Weihnachten, mit allem Drum und Dran.

Deutlich düster wird es im dritten Kapitel. Tschernobyl, das Wettrüsten im Kalten Krieg, das Waldsterben, die Umweltverschmutzung und die Angst vor einem Atomkrieg und die Friedensbewegung finden Berücksichtigung und belegen, dass nicht alles super, nicht alles toll damals war. Auch Robin Wood und Greenpeace konnten damals nicht all die Unbill heilen. Ganz zu schweigen vom Dauerkonsum an Nikotin, die Immunschwäche AIDS und die Sorge um Drogen á la „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“.

Das letzte Kapitel dreht sich um die Unterhaltungselektronik, Computer und Walkman der damaligen Zeit. Über die Hörspielkassette im Mono-Rekorder über das Mixtape in der Kompaktanlage führt die Reise zu der Langspielplatte, die wenig später von der Compact Disk, kurz: CD, abgelöst worden ist, und die Stereo-Anlage. Vom Atari VCS 2600 geht es über den Commodore C64 bis hin zum Amiga 500 und Atari ST und auch an die heute oft verschwundenen Videotheken und den Videorekorder wird erinnert.

Flashbacks am laufenden Band

Weiss und Bonner gelingt es dank ihres präzisen und detailreichen Erzählstils, die Vergangenheit zum Leben zu erwecken. Oft habe ich mich während des Lesens um 25 bis dreißig Jahre zurückversetzt gefühlt und konnte quasi meine Kindheit und Jugend dieser Zeit fühlen, riechen und schmecken.

Es ist verblüffend, welche Erinnerungen die beiden Schriftsteller in Wir Kassettenkinder mit dem bloßen Erwähnen von Wörtern wie TRi TOP und Quench aus meinem tiefsten Gedächtnis hervorkramen lassen. Sofort sehe ich die orange gefärbte Verpackung des TRi TOP Getränks vor mir und sofort spüre ich den Geschmack des aus kleinsten Kristallen gemischten Quench Erfrischungsgetränkes auf meiner Zunge.

Und nicht nur bei Lebensmitteln gelingt das den beiden. Auch bei Spielzeug, Büchern (Michael Ende mit seiner Unendlichen Geschichte), Musik (Camouflage und Pet Shop Boys) und technischem Schnickschnack (wie die Stereoanlage, die ich zur Konfirmation 1989 geschenkt bekommen hatte oder den Amiga 500 zu Weihnachten 1987) hatte ich unzählige solcher Flashbacks, die einfach Freude machen und an eine Zeit und Unbeschwertheit erinnern, die nie mehr wiederkommen wird.

Zu guter Letzt

Und noch etwas Wichtiges habe ich gelernt. Falco singt in seinem Hit Der Kommissar mitnichten „Dadideldum, der Kommisssar geht um“, sondern stattdessen „Drah di net um, der Kommissar geht um“.

Dreißig Jahre später ist dieses Missverständnis damit auch aufgeklärt.

Danke Anne, danke Stefan!

Autor: Marc

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