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#deinNRW: Das LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller in Euskirchen

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Nach dem Besuch in Blankenheim ging es am Donnerstag Mittag weiter Richtung Euskirchen. Unser Ziel war das LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller.


Täglich um 11 Uhr, 14 Uhr und 15:30 Uhr beginnt eine Führung durch die Tuchfabrik Müller. Die Führung ist bereits im Eintrittspreis von sieben Euro für Erwachsene (Kinder bis 18 Jahren haben kostenlosen Eintritt) enthalten.

Neben dem Industriemuseum mit der Tuchfabrik gibt es regelmäßig Sonderausstellungen, die für einen Euro Eintritt angeschaut werden können.

Die Sonderausstellung „Das Pepita-Virus“

Die Sonderausstellung „Das Pepita-Virus“ widmet sich dem schwarz-weißen, zackigen Muster, das manchmal auch als Hahnentritt bezeichnet wird. Es gibt Pepita nicht nur auf Kleider, Mänteln, Hüten und Textilien, sondern auch auf Möbeln, Tassen, Tapeten und sogar Fingernägeln.

In der ‎Ausstellung ist der Webprozess bei der Herstellung einer Pepita-Decke anzuschauen, eine Spielfilm-Collage mit Auftritten des Pepita-Musters kann angeschaut werden  und außerdem ist die Herstellung und die Verbreitung des weltberühmten Musters von 1904 bis heute nachzulesen.

Auch „Der Herr mit dem Pepita-Hut“ fehlt nicht. Konrad Adenauer verbrachte von 1957 bis 1966 im Frühjahr und Spätsommer einige Wochen am Comer See und ließ sich dort mit Krawatte und Pepita-Hut sehen. Ein Trend war geboren, der es sogar bis in ein Lied geschafft hat. Der Musiker und Sänger Hazy Osterwald setzte dem Hut mit dem Hahnentritt-Muster ein klingendes Denkmal.

Die Tuchfabrik Müller

Unter der Leitung von Antje Totenhagen begann unsere Führung mit 17 Personen durch die alte Tuchfabrik Müller.

Wir starteten im Kontor für die Verwaltung von Einkauf, Verkauf und Produktion der Tücher. Im Jahre 1894 hatte Familie Müller die Fabrik übernommen, die früher unverkennbar eine Papiermühle gewesen ist. In den besten Zeiten fanden 1917 vierzig Angestellte inklusive zweier russischer Kriegsgefangener Arbeit.

1961 hat die Fabrik für immer die Pforten geschlossen. Schuld waren veraltete Maschinen und umständliche Produktionsprozesse, die für eine unrentable Wirtschaftslage gesorgt und den Niedergang des Unternehmens besiegelt hatten.

Die ehemalige Tuchfabrik Müller ist das einzige Relikt von ehemals 21 Tuchfabriken in der Region, das 1988 in den Besitz des LVR übergegangen ist. Bis dahin war die ehemalige Tuchfabrik eine Blumenladen und Kranzbinderei.

Nach diesen einleitenden Worten ging es zur zweiten Station, der Wolferei. Die Besucher können die Schafwolle vor der Verarbeitung  in die Hand nehmen und begreifen, bevor sie Augenzeugen der Bearbeitung in der Maschine werden. Drei Verarbeitungsgänge sind nötig, um die Schafwolle weich und flauschig werden zu lassen.

Als drittes geht es in die Färberei. Damals wurde hier mit ätzenden Substanzen gearbeitet (Ameisensäure, Essigsäure und Salmiak), um die Wolle farbig zu bekommen. Das Abwasser wurde ohne großes Aufhebens in die Erft geleitet. Das Färben in der losen Flocke war genauso üblich wie das Färben von ganzen Stoffen.

Station 4 ist die Nassappretur und das Turbinenhaus. In der Nassappretur wurden die Stoffe in Waschmaschinen aus dem späten 19. Jahrhundert im Endlostuch gewaschen und in in drei Walkmaschinen gewalkt. Als nächstes geht als in die Krempelei (Station 5), wo der Vorfaden, die Vorstufe des Garns, entsteht. Hier kann auch die Arbeitsweise des Dreikrempelsatzes beobachtet werden.

Der Vorfaden wird an Station 6, der Spinnerei, zu Wolle weiterverarbeitet. Einige der noch erhaltenen Maschinen sind noch heute in Aktion und können während der Führung angeschaut werden.

Weiter ging es im ersten Geschoss mit der Weberei (Station 7). Neben zahlreichen Webstühlen und Webmaschinen finden sich hier auch zahlreiche Gegenstände der damaligen Zeit. Auch hier gibt es es eine Demonstration der Maschinen zu sehen.

Zum Abschluss der Führung haben wir das Maschinenhaus und das Kesselhaus besichtigt. Hier ist die Dampfmaschine beheimatet. Der Heizer und Maschinist war neben dem Walkmeister und dem Chef der wichtigste Mann in der Fabrik, denn ohne ihn lief nichts und ohne ihn standen alle Maschinen still.

Heute wäre die Berufsbezeichnung „Energiemanager“, denn der Heizer hatte Sorge zu tragen, dass alle Produktions-Prozesse am Laufen sind.

Durch den Gang des Heizers ging es wieder zurück ins Freie, wo die „Wellness-Anlagen“ auf uns gewartet haben. Die jüngsten Angestellten hatten zum Feierabend die Aufgabe, die Latrinen zu reinigen.

Mein Fazit: Die Tuchfabrik Müller ist ein Muss beim Besuch in der Nordeifel. Am Ende waren es übrigens beinahe eineinhalb Stunden, die uns Antje Totenhagen unterhaltsam durch die ehemalige Tuchfabrik Müller geführt und uns spannende und interessante Fakten über das Leben und Arbeiten damals vermittelt hat.

Mehr über die Nordeifel

Meine bisherigen und zukünftigen Artikel über den Besuch in der Nordeifel finden sich unter dem Schlagwort #Nordeifel2015 hier im Blog.

Autor: Marc

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