Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Cover Rezension Digital Junkies Bert te Wildt Droemer

Rezension: Digital Junkies von Bert te Wildt

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Immer wieder das Gleiche: das böse Internet!

Das war mein erster Gedanke nach dem Lesen der ersten Seiten von Digital Junkies: Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder. Und nach dem ersten Kapitel wollte ich das Buch schon ge- und entnervt zur Seite legen. Zu überzeichnet und zu drastisch waren die Beispiele der digitalen Sucht, die Bert te Wildt wieder und wieder ins Feld geführt hat.

Die World of Warcraft-Spieler, die ihr reales Leben komplett vernachlässigen, die dramatischen Todesfälle von computerspielsüchtigen jungen Menschen, die nur im Suizid den Ausweg finden konnten und die ungeheuerlichen Morde an den eigenen Eltern, weil diese die Internetnutzung unterbrochen haben.

Sollte sich das Buch in die effektheischende Berichterstattung der Boulevard-Medien einreihen, die ich schon lange so satt hatte? Schon zu Beginn kann ich verraten, das dem nicht so ist.

Online-Spiele, Cybersex und soziale Netzwerke

Im zweiten Kapitel clustert Bert te Wildt die Abhängigkeit im Internet in die Sucht nach Online-Spielen, nach Cybersex und innerhalb von sozialen Netzwerken. Erst die Vernetzung der Computer, also das Internet, hat die Sucht nach Online-Spielen, Cybersex und sozialen Netzwerken ermöglicht.

Ein Kapitel mit der These „Smartphones als Einstiegsdroge für Kinder und Jugendliche“ ist schon verdammt provokant und sehr dick aufgetragen. Und nicht nur das. Als ich das dritte Kapitel zu Ende gelesen hatte, musste ich stutzen. Hatte der Autor wirklich eine Parallele zwischen Internet-Sucht und Autisten gezogen und sie teilweise auf eine Stufe gestellt? Von diesem Gedanken verwirrt, habe ich mich dem vierten Kapitel gewidmet.

Cover Rezension Digital Junkies Bert te Wildt DroemerNach knapp 160 Seiten mit bisweilen langatmigen theoretischen Abhandlungen, dem Zitieren von Studien zur Internet-Sucht, dem Überzeichnen vom bösen Internet und einigen Tatsachenbericht aus dem Ambulanz-Alltag geht es in „Wege aus der Sucht. Behandlung“ endlich in medias res.

Der Therapeut erklärt ausführlich die unterschiedlichen Behandlungsmethoden und geht auf ihre Vor- und Nachteile ein. Es zeigt sich, dass die Behandlung von Internetsüchtigen noch sehr stark in den Kinderschuhen steckt und gute Angebote rar gesät sind. Das hängt auch damit zusammen, dass das Feld der Online-Sucht und seinen Ablegern (Cybersex-Sucht und Online-Games) noch ein junges Forschungsgebiet ist.

Unter dem Motto „Wir können etwas tun! Prävention“ geht es um die vorbeugenden Maßnahmen gegen die Sucht im Netz. Und das ist das Kapitel, das mich im meisten interessiert hat. Der Mediziner Dr. Bert te Wildt gibt Tipps zum kontrollierten Medienkonsum für Kinder und schließt auch die Erwachsenen davon nicht aus – im Gegenteil.

Das Medien-Zeitmanagement betrifft Kinder und Eltern und kann als solches auch besprochen und das tägliche Pensum festgelegt werden. Anhand von Checklisten liefert te Wildt Denkanstöße und gibt Tipps für den Konsum der Medien im Alltag.

Schwierig: die finale Bewertung

Beim Resümee zu Digital Junkies aus dem Droemer Verlag fällt es mir schwer, eine ausgewogene Bewertung zu finden. Meine Erwartungshaltung vor dem Lesen des Buches war eine andere, als ich inhaltlich vorgefunden habe. Für mich lag der Schwerpunkt auf der Prävention und dem Erkennen der Sucht. Dieses Thema findet sich erst recht spät gegen Ende des Buches.

Allerdings ist das eher mein Problem als das des Autors. Denn Bert te Wildt hat mit Digital Junkies: Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder ein vollständiges Abbild der aktuellen Situation der digitalen Sucht geschrieben, das meines Wissens in dieser Art derzeit einmalig ist. Betroffene und ihre Angehörige finden auf 380 Seiten umfangreiche Informationen zu einem Krankheitsbild, das im Vergleich zu anderen Suchtarten so gut wie gar nicht erforscht ist und dessen Behandlung erst ganz am Anfang steht.‎

Neben den medizinischen und psychologischen Erläuterungen der Symptome gewinnt das Buch auch aufgrund der Berichte aus dem klinischen Alltag. Während viele Beispiele der Internet- und Cyber Sex-Sucht oft aus dem Ausland stammen – und damit weit, weit weg sind -, erzählt der Oberarzt Alltagsbegegnungen aus seiner Ambulanz und es wird deutlich, dass die digitalen Junkies kein einzelnes Phänomen sind.

Der Autor wedelt nicht permanent mit dem Zeigefinger, sondern klärt auf. Er verteufelt nicht das Internet, das inzwischen ohnehin Teil unseres Alltags geworden ist, sondern weist auf die Risiken hin. Denn wie so oft macht auch hier die Dosis das Gift. In Maßen genossen und genutzt ist alles prima. Doch der übermäßige Gebrauch bringt die Probleme mit sich.

Autor: Marc

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