Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Die Heimfahrt ins Rheinland und die lang ersehnte Operation

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Als ich am Samstag Morgen um kurz nach sechs in Bad Oeynhausen durch den frischen Neuschnee Richtung Bahnhof gestapft bin, hatte ich ein schweres Herz.

Ich fühlte die ganze Anspannung und Sorge der vergangenen 48 Stunden auf mir lasten. Es tat mir leid, dass ich wieder Richtung Rheinland aufbrechen musste und meinen Dad und meine Mum nach der zum zweiten Mal verschobenen Operation allein lassen musste.

Aber ich wusste auch, dass ich im Falle eines Falles in weniger als drei Stunden wieder bei ihnen sein konnte, wenn etwas Unvorhergesehenes passieren sollte. Und der Krankenbesuch mit der gesamten Familie für das kommende Wochenende war schon fest eingeplant.

Den restlichen Tag verbrachte ich mit mehr oder weniger sinnvollen Tätigkeiten. Ich erledigte Dinge, die ein Mann und Vater halt an einem Samstag so erledigt. Immer hatte ich den bevorstehenden Sonntag im Hinterkopf. Den Tag, an dem die Operation am Herzen meines Vaters endlich über die Bühne gebracht werden sollte.

Die Operation am Sonntag, 1. Februar 2015

Ich habe in der Nacht von Samstag auf Sonntag schlecht geschlafen. Anders als in den zwei Nächten in Bad Oeynhausen, als ich in Dads Nähe war, schlief ich am Niederrhein unruhig und bin mehrmals aufgewacht. Ich habe von meinem Vater geträumt, den ich kurz vor der Operation im Vorraum des OPs noch besucht habe und habe von einer Operation des kleinen Sohnes geträumt. Es waren sehr eindringliche, aufwühlende Träume.

Um halb acht teilte uns Dad mit, dass es gleich los ginge. Das war die gute Nachricht. Doch dann begann die nervliche Anspannung von neuem. Tränen stießen mir in die Augen und ich wünschte mir nichts sehnlicher als dass die Operation endlich beginnt und meinem Vater geholfen wird. Wenn wir auch als Familie an vielen unterschiedlichen Orten zu diesem Zeitpunkt gewesen sind, so waren wir im Herzen vereint.

Ich habe kurze Zeit später eine Kerze angezündet. Das Frühstück wollte nicht recht schmecken und war nur eine lästige Pflicht. Meine Gedanken schweiften immer wieder zu meinem Dad, bei jedem Blick auf die Uhr stellte ich mir vor, wie es ihm geht und was gerade im Rahmen der Operation passiert. Es war zehn Uhr.

Arbeit lenkt ab und das gilt insbesondere für Hausarbeit. Unter diesem Motto haben Anne und ich uns abgelenkt. Betten bezogen, Bäder geputzt, Staub gesaugt, aufgeräumt und und und. Halt alles solche Sachen, die sonst eher verpönt sind und nicht wirklich Spaß machen. Hauptsache, die Wartezeit wird verkürzt und die Ungewissheit und Sorge vertrieben. Es war elf Uhr.

Der ultimative Zeitvertreiber ist das Aufräumen der Kinderzimmer. Stundenlange Beschäftigung ist garantiert. Als auch diese Arbeit erledigt war, ging ich weiter auf die Suche nach einer Beschäftigung. Dreieinhalb Stunden nach dem geplanten Operationsbeginn. Es war halb eins.

Dank der Erfahrung vom Freitag Abend, als ich von unserem Kontakt im HDZ schon siebzig Minuten vorher wusste, dass die OP nicht erfolgt ist, war mir zweierlei klar. Erstens schien der Operationsplan an diesem Sonntag eingehalten worden zu sein. Zum anderen ist es kein schlechtes Zeichen, dass wir bislang noch keine Rückmeldung von der Herzklinik erhalten hatten. Also weiter warten.

Um 12:40 Uhr rief mein Krankenhaus-Kontakt an und sorgte für eine erste Erleichterung bei mir. Es lief bislang alles nach Plan und es gibt keinen Grund zur Beunruhigung. Meine aufgestaute Anspannung löste sich ein Stück weit und bahnte sich in Form von Tränen den Weg nach außen. Daddy, alles wird gut!

Minute um Minute und Stunde um Stunde verrint. Im Vergleich zu Anne bin ich nach dem ersten Zwischenstand und meiner kleinen Heul-Attacke entspannter. Die Liebste sorgt sich weiterhin und denkt an alle möglichen Nebenwirkungen und Folgen, während ich im Jetzt hängenbleibe. Ich schaue Anne beim Kochen zu und decke den Tisch. Wein zum Essen ist heute Pflicht. Beruhigung der Nerven und so – ihr kennt das. Es war halb zwei.

Eine Viertelstunde später kam die Erlösung per Handy-Anruf. Schon an der frohmutigen Stimme meines Klinik-Kontaktes wusste ich, dass das Kerze anzünden, das Beten und Hoffen und das Bangen zu einem guten Ende geführt hat. Mein Dad hat die Operation gut überstanden. Eine zentnerschwere Last fiel von meinen Schultern. Dad ist erfolgreich operiert, es geht ihm den Umständen entsprechend gut und wir alle, die mit ihm gebangt haben, sind erleichtert.

Eine weitere Viertelstunde später meldete sich auch die Herzklinik und brachte die frohe Kunde. Es war geschafft! Die schwierigste Etappe war überwunden. Es war 14 Uhr.

Autor: Marc

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