Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Der Abschied am Telefon und der ewig lange Donnerstag

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Nach dem angespannten Wochenbeginn näherte sich die Anspannung zur Mitte der Woche mit der bevorstehenden Operation ihrem Höhepunkt zu.

Am Dienstag hieß es erst einmal Abschied nehmen per Telefon. Mein Vater und ich versinken in dem Gespräch nicht in Selbstmitleid, sondern machen uns gegenseitig Mut. Wir freuen uns gemeinsam auf die Zeit nach der Operation, wenn das Herz gestärkt ist und alles wieder gut ist. Das Gespräch gibt meinem Vater Kraft – das hoffe ich zumindest. Und es gibt mir Kraft – das bilde ich mir zumindest ein.

Dann ist es Mittwoch. Am Mittwoch Morgen um halb zehn ist die Aufnahme im Herzzentrum. Vorher habe ich mich nochmals von meinem Dad verabschiedet und ihm die Worte geschrieben, die mir wichtig gewesen sind. Ab jetzt beginnt die Wartezeit erst richtig. Diese ewige Wartezeit. Und es kommt noch schlimmer: Ich habe erfahren, dass am Tag der Operation keine Besuche beim Patienten erlaubt sind und wir nur telefonisch über die Ergebnisse der Herz-Operation informiert werden sollen.

Dennoch bleibt es bei meinem Plan. Ich fahre am Donnerstag mit dem Zug nach Bad Oeynhausen und bleibe über Nacht bei meiner Mum.

Laufen gegen die Angst

Der 29. Januar 2015 wird sich auf ewige Zeiten in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Es war der – allerdings nur vorläufige – Höhepunkt einer emotionalen Ausnahmesituation, die ich in dieser Form in meinen vierzig Lebensjahren noch nicht erlebt habe. Und auch hoffentlich nicht so schnell wieder erleben werde. Sorge und Angst um einen Herzmenschen zu haben, das ist eine der schlimmsten Erlebnisse im Leben.

Schon am Mittwoch Abend hatte ich erfahren, dass die Operation am Donnerstag erst um 16 Uhr beginnt. Im Herz- und Diabetes-Zentrum Bad Oeynhausen werden die Operationen um acht Uhr, zwölf Uhr und um 16 Uhr in jeweils acht OP-Sälen durchgeführt – allein die Vorstellung ist Wahnsinn! Also hieß es weiter Warten.

Aus diesem Grund habe ich den Donnerstag Vormittag im Büro verbracht. Arbeiten lenkt ab und mein Zug sollte mich um 11: 48 Uhr Richtung Ostwestfalen bringen, so dass ich um 14:18 Uhr in der Kurstadt ankommen werde.

Die Nacht auf Donnerstag habe ich schlecht geschlafen. Wieder und wieder bin ich aufgewacht und bevor mein Wecker um 4:50 Uhr auf sich aufmerksam machen konnte, stand ich bereits im Badezimmer und hatte mir die Laufsachen übergestreift. Ich hatte die Hoffnung, dass mir ein Zehn-Kilometer-Lauf ein wenig den Kopf freipustet und meine Gedanken ordnet.

Zehn Kilometer zum Auspowern. Das hat auch einigermaßen geklappt, doch immer wieder spielten meine Gedanken die positiven Hoffnungen und die negativen Ängste durch. Nicht umsonst habe ich meinen einstündigen Lauf meinem Vater gewidmet, der an diesem Tag vor einer seiner größten Herausforderungen stand und dessen Herz mit meinem Lauf ein Extra-Kick Kraft und Ausdauer geben sollte.

Esoterischer Quatsch? Mag sein. Mir war es wichtig und mir tat es gut. Und meinem Dad sicherlich auch.

Alles wieder auf Start?

Auf dem Weg ins Büro dann ein kleiner Schock: der Operationstermin um 16 Uhr war in Gefahr. Ein Notfall-Patient wirbelte die Tagesplanung in der Klinik durcheinander und ließ offen, ob Dad spät am Abend oder erst am Freitag operiert werden sollte. Das bedeutete weiterhin warten, warten und warten. Mein Vater berichtete von zahlreichen Einlieferungen neuer Patienten mit dem Hubschrauber und dem Krankenwagen – es war einiges los im HDZ.

Doch unabhängig von der terminlich nicht fixierten OP habe ich schon mittags die Zugfahrt angetreten. Meine Bahn-Tickets ließen mir die Freiheit, die Rückreise ins Rheinland flexibel zu gestalten – egal ob am Freitag oder erst am Samstag.

Das Arbeiten für ein paar Stunden im Büro und die intensiven Gespräche – auch im Job ist im Moment einiges los und im Umbruch – hat mich von meiner Nervosität in Bezug auf die Operation ein wenig abgelenkt. Doch um kurz nach elf ging es Richtung Hauptbahn Düsseldorf und dann in den Regionalexpress nach Ostwestfalen.

Autor: Marc

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2 Kommentare

  1. Uff. Das sind so die Tage, die man nicht noch einmal erleben möchte. Alles Gute für deinen Pa und die ganze Familie.
    LG
    Sabienes

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