Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Der Schutzengel und eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit

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Das Warten ist das Schlimmste – das ist mir nicht erst seit dem Besuch meines Dads in Ostwestfalen eine Woche vor seiner Operation bewusst geworden.

Auch die weiteren Tage bis zum geplanten OP-Termin am 29. Januar 2015 haben sich für mich wie eine Unendlichkeit angefühlt.

Der Schutzengel spendet Kraft

Am Samstag vor der Operation hat mein Vater unsere Überraschung geliefert bekommen. Bei einem meiner Läufe ist mir die Idee gekommen, ihm einen Schutzengel mit ins Krankenhaus zu geben, der ihn behütet und auf ihn aufpasst. Der kleine Bär sieht wirklich putzig aus und wird seinen Job erfolgreich erledigen.

Teddy Bär SchutzengelWenige Tage vor der Operation sind meine Gedanken ständig um diesen Tag gekreist. Wie mein Vater schlafe auch ich schlecht und ertappe mich immer wieder dabei, wie sich meine Gefühle und Gedanken auf diesen Tag fokussieren. Mein Kopf steht nicht still mit dem fiesen Spielchen „Was wäre wenn….“ und bringt alle erdenklichen Optionen zur Sprache. Zwischen „alles ist gut gelaufen“ bis hin zum Unaussprechlichen ist alles mit dabei.

Es ist so zermürbend. Es ist so zermürbend für mich und gibt mir eine ungefähre Vorstellung davon, was sich im Kopf meines Vaters abspielen mag. Es wird Zeit, dass es Donnerstag wird und sich die Anspannung endlich lösen wird.

Die Konzentration im Büro ließ auch bei mir in den letzten drei Tagen vor der Operation meines Vaters zu wünschen übrig. Immer wieder schweiften meine Gedanken ab zu meinem Dad, immer wieder habe ich mir die Operation im Kopfkino angeschaut und mir das Wiedersehen nach dem Eingriff ausgemalt: Ich habe meinen Vater von der drei- bis fünfstündigen OP ausgemergelt, aber bei guter Gesundheit vor mir im Bett liegen. Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken und ich spüre, wie mir Tränen in die Augen schießen.

Eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit

Meine Gedanken springen unweigerlich mehr als fünf Jahre zurück in den Oktober 2009. Meine Omi liegt im Sterben und ich erinnere mich an die intensiven letzten gemeinsamen Stunden mit ihr. Ich erinnere mich an die Tränen, die ich auch Tage nach ihrem Tod vergossen habe und die nicht mehr aufhören wollten.

Doch dieses Mal ist es anders. Mein Vater ist nicht unheilbar krank, ganz im Gegenteil. Er muss operiert werden, damit sein Herz wieder stark sein kann und nach der Operation wird es ihm besser, viel besser gehen. Deshalb ist die Situation im Oktober 2009 nicht mit der Situation im Januar 2015 zu vergleichen.

Und doch habe ich eine scheiß Angst vor den nächsten Tagen, insbesondere vor dem bevorstehenden Donnerstag. Und auf was für Gedanken ich komme! Ich habe allen Ernstes daran gedacht, meinen Flachmann mit Wodka zu füllen und bei mir zu haben. Einfach, um meine Nervosität zu bekämpfen. Einfach einen Schluck aus der Pulle und der klare Hochprozentige wird es schon richten. Unfassbar.

The Power of Love von Gabrielle Aplin

Am Montag Abend, drei Tage vor der Operation, habe ich mit meinen Eltern telefoniert. Kurz nach dem Telefonat mit Mum und Dad habe ich am Rechner gesessen. Im Hintergrund lief ein Radio-Stream. Plötzlich wurde The Power of Love als Cover von Gabrielle Aplin aus dem Jahr 2012 gespielt.

Ich musste die Tränen zurückhalten, weil mich der Song so berührt hat. Und ich wusste zu diesem Zeitpunkt: alles wird gut. Mit Sicherheit wird alles gut.

Am Abend im Bett galten meine Gedanken auch meinem Vater. Ich musste daran denken, dass er an diesem Abend die vorerst letzte Nacht in seinem eigenen Bett verbringt. Am Dienstag Nachmittag fährt er mit Mum bereits nach Bad Oeynhausen, weil am Mittwoch Morgen um halb zehn die Aufnahme im Herzzentrum angesetzt ist.

Wie sich mein Vater wohl zu diesem Zeitpunkt gefühlt hat?

Autor: Marc

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