Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Cover Rezension Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich! Markus Morgenroth

Rezension: Sie kennen dich! Sie haben dich! von Markus Morgenroth

| 1 Kommentar

Das Sammeln von Daten ist inzwischen zu einem Milliardengeschäft avanciert. Egal in welchem Lebensbereich – die Datenjäger sind immer aktiver und werden in ihren Methoden immer versierter.

„Der Informationskapitalismus ist ein massiver Angriff auf unser Recht auf Selbstbestimmung“, stellt Markus Morgenroth fest und erklärt in Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich!: Die wahre Macht der Datensammler auf welchen Wegen und auf welchen Kanälen der Mensch, der Kunde, der Nutzer und der Verbraucher heute mehr oder weniger bewusst die Preisgabe seiner Daten unterstützt.

Unsere digitale Akte wächst jeden Tag und wird dicker und dicker.

Denn wer glaubt, er könne den Daten-Sammlern mit digitaler Abstinenz ein Schnippchen schlagen, ist gehörig auf dem Holzweg. Auch wer kein Navigationsgerät oder Smartphone nutzt, dessen Daten werden gesammelt: Beim Arbeitgeber, beim Arzt, beim Finanzamt, bei der Bank, beim Einkaufen.

In der Ära des Informationskapitalismus ist das Speichern von Informationen spottbillig geworden und auch vermeintlich wertlose Daten lassen sich in Verbindung mit den richtigen Algorithmen zu Geld machen. „Daten sind das neue Gold“, weiß Markus Morgenroth und warnt insbesondere die Generation der heutigen Kinder und Jugendlichen, die im Zeitalter von Social Media posten und auf Fotos posen, was das Zeug hält.

Die auf den ersten Blick trockene Thematik des Daten Sammelns wird mit Beispielen aus dem täglichen Leben begreifbar gemacht. Während das Direktmarketing ein alter Hut ist, ist das Stalking mit Kundenkarten ungleich erfolgreicher. Der Autor nennt exemplarisch Paypack mit seinen millionenfach in Deutschland ausgegebenen Karten als Platzhirsch.

Die Datensammler sind überall

Die totale Überwachung illustriert Morgenroth anhand der Smartphone-Nutzung, bei dessen Benennung er anstelle ‚Telefon‘ den Begriff ‚Spion‘ bevorzugt. Auch die Apps, jene kleinen digitalen Helferlein, die erst in Kombination mit dem Smartphone funktionieren, werden als potenzielle Datenschnüffler enttarnt.

Auch im Berufsleben ist die Überwachung an der Tagesordnung. Neben der klassischen analogen Personalakte wird immer häufiger eine zweite digitale Akte geführt. Privat und beruflich geschriebene E-Mails sind ein wahrer Schatz für Datenanalysten. Kein anderes Medium bietet so viel Stoff für die Analyse des Nutzers.

Cover Rezension Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich! Markus MorgenrothDie Auswertung von Meta Daten aus E-Mails und Telefonaten in Verbindung mit dem privaten Facebook- und Twitter-Profil zeichnen ein erschreckend genaues Bild des Nutzers und machen deutlich, wie einfach unser Leben zu durchleuchten ist.

Doch künftig kein Social Media mehr zu nutzen, ist übrigens auch keine Lösung. Denn das Nicht-Nutzen der digitalen Möglichkeiten lässt den potenziellen Bewerber auch in einem schlechten Licht erscheinen.

Auch und besonders Facebook ist eine wahre Goldgrube für Informationssammler. Jeder „Like“ eines Statuses, jedes „Gefällt mir“ auf einer Webseite hinterlässt digitale Spuren. Die bislang nicht in Deutschland verfügbare „Graph Search“ gibt bereits einen Vorgeschmack auf den unglaublich großen Datenschatz, den Facebook beherbergt.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Datenschützer die „Graph Search“ mit einer polizeilichen Rasterfahndung vergleichen. Denn eine Suche nach „zeig mir alle Single-Frauen im Umkreis von zehn Kilometern, die sich gern betrinken“ ist genauso möglich wie auskunftsreich für interessierte Nutzer.

Der Datenstaubsauger ist unersättlich

Markus Morgenroth schreibt und erklärt in verständlichen Worten eine Materie, die so vielschichtig wie undurchschaubar ist. Und er beraubt den Leser der Illusion, dass es einen Ausweg aus der Datenfalle gibt.

Insbesondere das siebte Kapitel „Aus dem Leben eines Datenanalysten“ hat mir erschreckende Erkenntnisse geliefert. Die E-Mail-Kommunikation in Verbindung mit Kalender- und Social Media-Einträgen liefert Ergebnisse, die selbst nicht Datenschutz-freudigen Nutzern Sorgenfalten auf die Stirn treiben sollten.

Der Datenstaubsauger saugt und saugt unaufhörlich und sein Datenhunger ist unstillbar – das ist eine der Erkenntnisse aus Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich!: Die wahre Macht der Datensammler.

Die andere, genauso erschreckende Erkenntnis ist, dass es wenige Möglichkeiten gibt, sich vor dem Datenstaubsauger zu schützen und sich zu immunisieren. Selbst das Leben als digitaler Abstinenzler bringt wenig Nutzen und kann am Ende sogar nachteilig sein.

Autor: Marc

Hallo, ich bin Marc. Schön, dass Du bei mir im Blog vorbeischaust. Hier mein Leben in weniger als 140 Zeichen: Google-Fan, Sony Xperia Z5 compact, ipad mini 2, BlackBerry Classic, Android, iPad 4, Social Media, nur der BVB, Reiseblogger, Vater, (Ehe-) Mann, Chef. Ich bin übrigens auch bei Facebook, Google+ und Twitter zu finden.

Ein Kommentar

  1. Ich lese momentan „Zero“ von Marc Elsberg, der Roman befasst sich auch mit Datensammlung und das ist richtig beängstigend, denn eigentlich möchte man an ein Horrorszenario glauben, weiß aber, dass das recht nah an der Realität ist.

    LG
    daggi

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