Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

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Rezension: Wenn wir vom Fußball träumen von Christoph Biermann

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Das Herz des Fußballs schlägt im Ruhrgebiet. Diese Feststellung gilt nicht erst seit den goldenen Neunziger Jahren, als Borussia Dortmund als erste deutsche Mannschaft den Champions League-Titel gewinnen konnte und Schalke 04 mit den Eurofightern im UEFA-Cup den Pokal kassiert hat.

Doch wie kam es zu dieser grenzenlosen Identifikation der vom Strukturwandel gebeutelten Region zwischen Kamp-Lintfort im Westen und Unna im Osten?

Aus einem sehr persönlichen Anlass besucht Christoph Biermann nach Jahren der Abwesenheit wieder das Ruhrgebiet und erlebt eine Welt, die zwischen zwei Extremen pendelt. Zum einen der Welt des Aufbruchs in Städten, die den Strukturwandel als Chance begriffen und zur Metamorphose genutzt haben. Zum anderen als Welt der Ewiggestrigen, die der Vergangenheit nachtrauern, als harte Maloche noch das Nonplusultra gewesen ist.

Eine Reise zu den Wurzeln des Fußballs

Um den Fußball der heutigen und damaligen Zeit zu verstehen, wirft Christoph Biermann in Wenn wir vom Fußball träumen: Eine Heimreise einen Blick auf sein soziales, politisches und wirtschaftliches Umfeld. Nur so gelingt es, seine Bedeutung für die Menschen und die Gesellschaft an sich entsprechend einordnen zu können.

Cover Rezension Wenn wir vom Fußball träumen Christoph Biermann KiWiBiermann möchte der Frage auf den Grund gehen, was den Fußball und seine Faszination ausmacht und zu dem gemacht hat, was er heute ist – und wie es zu dem Spannungsfeld zwischen Tradition und Kommerz in der heutigen Zeit gekommen ist.

Aus diesem Grund reist der Journalist zu den Wurzeln seiner Jugend zurück. Zurück ins Ruhrgebiet und an die Orte, die er als Kind mit seinem Vater und seinem Bruder besucht hat und an denen heute noch die Faszination des runden Leders spürbar und greifbar ist.

Es ist eine Reise in die eigene Kindheit, eine Reise in längst vergangene Zeiten, ein Besuch von Lokationen, in denen Fußball tief in den Alltag der Menschen verankert ist und Fußball gelebt wird. Nicht nur in den Profiklubs der ersten und zweiten Liga, sondern bis weiter herunter in die Amateur-Ligen.

Christoph Biermann schreibt prosaisch und autobiografisch. Seine Reise ins Ruhrgebiet ist nicht nur eine Reise zu seinem Ich, sondern auch eine literarische und historische Reise zu bekannten und weniger bekannten Fußballvereinen des Ruhrpotts. Borussia Dortmund, Schalke 04 und den VfL Bochum kennt jeder. Aber bei Westfalia Herne, Schwarz-Weiß Essen und dem SV Sodingen müssen viele Menschen passen und mit den Schultern zucken.

Wenn wir vom Fußball träumen: Eine Heimreise ist nicht nur eine Geschichte des Fußballs im Ruhrgebiet von dem Beginn der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bis heute, sondern auch eine Geschichte des Ruhrgebiets selbst. Vom Sterben der Zechen über die einsetzende Arbeitslosigkeit bis hin zur Dienstleistungsgesellschaft der Neuzeit führt die Reise Biermanns auf 250 Seiten.

Wovon träumen wir eigentlich, wenn wir vom Fußball träumen? Diese fast schon philosophisch anmutende Frage stellt sich der Fußball-Fachmann gegen Ende des Buches und gibt darauf keine Antwort. Denn es gibt nicht die eine Antwort. Jeder Freund des runden Leders hat andere Motive und Sehnsüchte, die ihn mit seinem Verein verbinden.

Fantastisches Buch, schlampiges Lektorat

So wunderbar sich Wenn wir vom Fußball träumen liest, so ärgerlich sind drei handwerkliche Fehler, die mir beim Lesen direkt ins Auge gefallen sind.

Gleich zu Beginn wir der BVB als Meister des Jahres 1992 proklamiert. Borussia Dortmund wurde allerdings nicht 1992 Deutscher Meister, sondern durfte sich damals nur lange Zeit an jenem 34. Spieltag als solcher fühlen. Bis Guido Buchwald vom VfB Stuttgart den Siegtreffer seiner Elf erzielte und die Schwaben zum Meister gemacht hat.

Auch auf Seite 47 wiederholt sich dieser Fehler, als Biermann den BVB als letzten Meister vor der Einführung der Bundesliga 1963 nennt und anschließend die nächste Dortmunder Meisterschaft knapp dreißig Jahre später, 1992, anführt. Mitnichten, denn der Doppel-Meistertitel der Schwarz-Gelben wurde erst 1995 und 1996 gefeiert.

Und weil aller guter Dinge drei sind, berichtet Christoph Biermann in der Mitte des Buches von einem Schalker Pokalsieg im Jahre 2012. Ausgerechnet Schalke. Im Jahre 2012, als Borussia Dortmund bekanntermaßen das erste Mal das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg eingefahren hat.

Für einen Fußballliebhaber, dessen Wurzeln seit jeher das Ruhrgebiet sind, habe ich etwas mehr Sachverstand erwartet. Oder zumindest vom Lektorat 🙂

Autor: Marc

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Ein Kommentar

  1. Ich wusste, dass der Autor auf der Buchmesse sein soll, aber ich habe ihn leider verpasst, hätte mich sehr interessiert 🙂

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