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Aus, Aus, Aus! – Die Weltmeisterschaft 2014 ist für die deutsche Nationalelf beendet. Nicht.

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Wer sich jetzt wundert, was der Rant gegen die Nationalmannschaft bzw. Joachim Löw im speziellen eigentlich soll:

Es war ein Text, den ich am Freitag Morgen VOR dem Viertelfinale gegen Frankreich geschrieben habe. Es war ein Text, der geschrieben wurde, BEVOR Löw mit dem Wechsel von Philip Lahm für eine positive Überraschung gesorgt hat und BEVOR Mats Hummels mit dem Siegtreffer nach dreizehn Minuten das einzige Tor des Spiels erzielt hat.

Während ich diese Zeilen tippe, kämpfen mit Brasilien und Kolumbien unsere beiden potenziellen Gegner im Halbfinale um den Einzug in die Runde der letzten Vier.

Es war nicht alles Gold, was beim Schlusspfiff um 19:54 Uhr (welche Symbolik!) geglänzt hat. Aber es war eine deutliche Leistungssteigerung im Vergleich zum Grotten-Kick gegen Algerien.

Mesut Özil ist weiterhin ein Schatten seiner Arsenal-Zeit, Bastian Schweinsteiger und Semi Khedira haben auch mehr Zweikämpfe verloren als gewonnen und nur die Topform von Manuel Neuer und Mats Hummels hat den Sieg erst möglich gemacht.

Doch Deutschland ist eine Turniermannschaft und hat nach 2002, 2006 und 2010 zum vierten Mal in Folge ein Halbfinale einer Weltmeisterschaft erreicht. Das ist einmalig.

Und das ist auch der Grund, weshalb mein Rant kein echter Rant geworden ist. Dennoch laufe ich nicht Schland, Schland, Schland-rufend durch meinen niederrheinischen Wohnort und habe auch keinen Autokorso angeführt.

Es ist noch nicht alles perfekt. Doch das kann noch werden. Und jetzt freue ich mich noch nicht auf die Bundesliga, sondern auf ein spannendes Halbfinale am Dienstag Abend gegen Brasilien.

Ich kann die Nationalmannschaft nicht mehr ertragen

Hier mein Rant zur Nationalelf. Unzensiert und ungeblümt:

Deutschland ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien ausgeschieden.

Ist das schlimm? Natürlich nicht. Zumindest nicht für mich. Noch nie hat mich ein fußballerisches Ereignis emotional so sehr unberührt gelassen wie das Turnier 2014.

Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen auf der Hand. Joachim Löw hat mir den Fußball der Nationalmannschaft vergrault. Er hat seinen Starrsinn vom Anfang bis zum unrühmlichen Ende durchgezogen und allen Kritikern eine lange Nase gezeigt.

Das begann schon bei der Nominierung des 23 Mann starken Kaders. Nur ein Stürmer, Miroslav Klose, wurde mit nach Südamerika genommen. Etablierte Spieler wie Stefan Kießling von Bayer Leverkusen und hoffnungsvolle Talente wie Max Kruse von Borussia Mönchengladbach wurden einfach links liegen gelassen.

Stattdessen hat Löw personelle Ausfälle wie Marcel Schmelzer (mangelnde Fitness) und Marco Reus (Verletzung im Armenien-Spiel kurz vor der WM) mit Spielern wie Julian Draxler, Benedikt Höwedes und dem bis dahin nur eingefleischten Fans bekannten Shkodran Mustafi aufgefüllt.

Die Nationalmannschaft in Brasilien

Im ersten Spiel gegen Portugal, das mit einem eindrucksvollen 4:0-Sieg endete, ließ der Bundestrainer mit vier gelernten Innenverteidigern in der Defensive spielen. Leistungsstarke Spieler für die rechte und linke Außenbahn wurden bewusst unberücksichtigt gelassen.

Der auf seiner Position weltbeste rechte Außenverteidiger Philip Lahm musste – ohne personelle Not – im defensiven Mittelfeld ran und Erik Durm und Kevin Großkreutz, im Verein auf den Außen etabliert und anerkannt, blieb nur der Platz auf der Ersatzbank.

Doch der Erfolg gab dem Trainer bis dahin recht. Dann kam das zweite Spiel gegen Ghana und die Diskussionen haben an Fahrt aufgenommen. Ohne den angeschlagenen Mats Hummels leistete sich die Mannschaft einige grobe Schnitzer und war am Ende mit dem 2:2-Unentschieden gut bedient.

Die Unzufriedenheit über die Personalpolitik wuchs und wuchs. Doch Löw lebte fröhlich in seiner Filter-Fußballwelt weiter und ließ Kritik erst gar nicht zu. Gegen die USA gab es im letzten Vorrundenspiel einen knappen 1:0-Sieg, doch die Unzufriedenheit über das wenig begeisternde Offensivspiel blieb.

Die Dünnhäutigkeit der Nationalspieler brach das erste Mal nach dem knappen 2:1-Sieg im Achtelfinale gegen Algerien aus. In Person von Per Mertesacker, der ZDF-Journalist Boris Büchler telemedial abgekanzelt hat. Auch wenn das Spiel Rumpelfußball mit extrem glücklichem Ausgang gewesen ist.

Wenige Tage später legte Torjäger Thomas Müller nach und forderte gegenüber der Presse Verständnis für die Spielweise ein („Aber man sollte sich nicht nach einem Sieg, für den wir uns alle den Arsch aufgerissen haben, entschuldigen müssen.“).

Dann kam das Viertelfinale gegen Frankreich und alle Welt schaute auf die deutsche Nationalelf. Sollte Joachim Löw erneut auf Philip Lahm im Mittelfeld setzen? Gab es erneut eine Nibelungentreue zum durchschnittlich spielenden Mesut Özil und mussten die Zuschauer Mario Götzes mittelmäßige Leistung im offensiven Mittelfeld ertragen?

Die Antwort lautet NEIN (denn Lahm spielte als rechter Außenverteidiger), JA und NEIN und als Folge gab es einen 1:0-Sieg gegen Frankreich.

Hurra-Stil versus Ergebnisorientierung

Natürlich darf nicht erwartet werden, dass die deutsche Nationalmannschaft jeden beliebigen Gegner im Hurra-Stil vom Platz fegt. Die WM hat bislang gezeigt – so abgedroschen das auch klingen mag -, dass es keine kleinen Mannschaften mehr gibt.

Fragt nach bei den Spaniern, den Engländern und Italienern, die mehr oder weniger als Titelaspiranten gegolten haben und schlussendlich schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten mussten.

Auch ich erwarte keine spektakulären Spiele am Fließband. Ich erwarte eine Mannschaft, mit der ich mich identifizieren kann und einen Trainer, der mir das Gefühl gibt, den – leider viel zu inflationär verwendeten -Matchplan zu besitzen.

Leider kann mir das weder die Nationalelf noch der Bundestrainer bieten. Deshalb hat mich dieses Turnier das erste Mal im Hinblick auf unsere Mannschaft emotional überhaupt nicht berührt, geschweige denn begeistert.

Auch wenn es andere anders sehen und argumentieren, Löw habe seiner Mannschaft einen nüchterneren Stil angeeignet, der eben nicht spektakulär, aber sehr erfolgsorientiert ist.

Das mag sein. Und natürlich ist Löw in der Pflicht, nach dem mehrfachen Scheitern in EM und EM seit 2006 endlich für Titel zu sorgen.

Sowohl in der Vorrunde als auch in der K.O.-Phase habe ich zwar die Tore der Deutschen bejubelt, doch Gegentore haben mich erstaunlich unberührt zurückgelassen. Es war einfach nicht „meine“ Mannschaft. Das war ganz anders als bei der EM 2012 und 2008 oder der WM 2010 und 2006.

Das noch nicht erfolgte Ausscheiden der oft zitierten „Goldenen Generation“ dieser Weltmeisterschaft nehme ich deshalb zur Kenntnis. Mehr aber auch nicht.

Deutschland bleibt bis zum Endspiel weiterhin titellos und wartet auf einen neuen Anlauf bei der EM 2014 in Frankreich.

Na und? Ich freue mich wie wild auf die neue Bundesliga-Saison, die leider erst in eineinhalb Monaten beginnt.

Und dann kam Mats Hummels

Autor: Marc

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