Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Sonne Wolken Natur Bäume Niers Herbst Abend

Und plötzlich steht die Welt einen Augenblick lang still

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Es begann wie ein kleiner Infekt, steigerte sich zu einer chronischen Krankheit und gipfelte in einem Verdacht auf Krebs.

Vor meinem geistigen Auge ging alles ganz schnell. Die unaussprechliche Diagnose mit der wenig hoffnungsvollen Aussicht, der Verfall des Körpers, die Traurigkeit, die nicht enden will, die Tränen in den Augen meiner Lieben, die sich wie ein Sturzbach ausbreiten, das Begräbnis und die dann folgende Einsamkeit.

Eine Einsamkeit, die sich nicht nur wie eine böse Krankheit im gesamten Haus ausbreitet, sondern auch eine Einsamkeit, die ich spüre, weil sich Menschen von mir abwenden und ich ganz allein bin. Allein mit den Kindern, allein mit mir, allein mit meiner Einsamkeit.

Diese rasante Achterbahnfahrt der Gefühle erlebte ich kürzlich an einem Wochenende und das war alles andere als eine schöne Erfahrung. Allerdings hatte es auch etwas Gutes: ich gehe inzwischen wachsamer und aufmerksamer durch das Leben.

Doch der Reihe nach.

Krankheiten googlen macht wahnsinnig

In einem ersten Reflex habe ich auf Google nach Informationen über die Krankheit gesucht.

Zahlreiche Informationen sind auf mich niedergeprasselt. Medizinische Fachbegriffe schwirren seitdem in meinem Kopf herum und konkurrieren mit schrecklichen Fotos, die Googles Bildersuche ausspuckt. Jeder neue Informationshappen ließ die Panik in mir wachsen und meine Angst größer werden.

Ein wenig Entspannung stellt sich erst ein, als fachlich versierte Menschen aus dem Umfeld um Rat gefragt worden sind. Der Rat, einen Facharzt zu konsultieren, war uns auch schon in den Sinn gekommen – am Wochenende macht das aber auch nicht schlauer.

Sonne Wolken Natur Bäume Niers Herbst AbendAlso hieß es warten.

Dieses Warten setzte sich auch am Montag Morgen fort. Zwar gab es relativ kurzfristig einen Termin beim Spezialisten, doch handelte es sich um eine offene Sprechstunde, bei der eine große Portion Geduld von Nutzen sein konnte.

Ich habe im Büro auf heißen Kohlen gesessen und jeden Augenblick auf eine rettende Rückmeldung gewartet. Doch das Smartphone blieb lange Zeit stumm und kündete nicht mit einem Staccato-artigen Vibrieren von dem Eintreffen eines Lebenszeichens. Wobei Lebenszeichen in diesem Kontext im wahrsten Sinne des Wortes selten eine bessere Bedeutung als an diesem Tag hatte.

Doch dann war es endlich soweit und die beruhigende und entspannende Entwarnung kam. Puh. Selten hat sich Erleichterung besser angefühlt.

Was es mich gelehrt hat

Die Umarmung meines Partners ist seitdem nicht mehr etwas Selbstverständliches für mich, sondern etwas Besonderes.

Denn es kann schneller vorbei sein, als wir es uns in unseren kühnsten Träumen ausmalen. Viel zu schnell.

Und dann das Gefühl zu haben, viel zu wenig für den Partner und die gemeinsame Zeit getan zu haben, ist ein verdammt beschissenes Gefühl.

Jeder Tag ist ein Geschenk.

Und jeder Tag kann der letzte gemeinsame Tag sein.

Update Ostern 2014:
Als ich diese Zeilen im März 2014 geschrieben habe, konnte ich mir nicht ausmalen, dass kurze Zeit später zwei weitere Angehörige vom Schicksal arg gebeutelt worden sind und ich erneut schlimme Befürchtungen hatte.
Gott sei Dank hat das Schicksal auch hier nicht so heftig zugeschlagen wie befürchtet.
Dennoch ist dieses ‘ständig den Katastrophenmodus als Begleiter zu haben’ sehr, sehr kräftezehrend.

Autor: Marc

Hallo, ich bin Marc. Schön, dass Du bei mir im Blog vorbeischaust. Hier mein Leben in weniger als 140 Zeichen: Passionierter Läufer, Bücherfreund, iPhone 12, ipad mini 2, Social Media, nur der BVB, Reiseblogger, Vater, (Ehe-) Mann, Chef. Ich bin übrigens auch bei Facebook, und Twitter zu finden.

3 Kommentare

  1. Oh weh das liest sich alles schrecklich. Ich bin ja auch so ein “ich schaue vorher bei Google Mensch” aber es ist wirklich falsch sich so verrückt zu machen. Schön das alles zum Guten ausgegangen ist! Man soll wirklich für jeden Tag im Leben glücklich sein.

    Liebe Grüße

    Manu

  2. Ich war heute wieder am Grab meiner Freundin, die im März den Kampf gegen den Krebs verloren hat und einmal mehr ist mir bewusst geworden, dass es doch sch… egal ist, dass die Kinder mal wieder trödeln und wir irgendwo hin zu spät kommen oder dass sie ihr Zimmer nicht aufgeräumt haben, wichtig ist, dass ich sie aufwachsen sehen darf, was meiner Freundin verwehrt ist. Und nun sitz ich schon wieder hier mit Tränen in den Augen und weiß genau, dass wir die Gesundheit als viel zu selbstverständliches Gut ansehen.

    Lg
    Daggi

  3. Zuerst einmal bin ich froh, dass du fir und gesund bist. Und eines musste auch ich schon einmal lernen, um 2009/2010… dass man nicht auf Onkel Google vertrauen sollte und sich Selbstdiagnosen stellt. Denn in dem Fall passen sicherlich die schlimmsten Krankheiten. Daher weg vom Internet, ab zum Arzt und Spezialisten und in den meisten Fällen sollte es dann hoffentlich gut gehen! 🙂
    Alles Gute und genieße das Leben.

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