Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

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… dann fahre ich zu meiner Mutter auf’s Land

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Wir kennen diese Szene aus mehr oder weniger dramatischen Liebes- und Familienfilmen. Ein Mann und eine Frau streiten sich, es fallen heftige Worte und die Situation eskaliert.

Plötzlich schluchzt die Frau und sagt mit tränenerstickter Stimme diese schicksalshaften Worte: „… dann fahre ich zu meiner Mutter auf’s Land!“

Genau so ist es mir ergangen. Allerdings ging dem Ganzen kein Streit oder eine Auseinandersetzung voraus, sondern vielmehr der Wunsch nach Ruhe, Entspannung und einer gemeinsamen Zeit mit meinen beiden Söhnen im wunderbaren Ostwestfalen.

Bereits vor einem guten halben Jahr reifte der Gedanke dazu in mir. Liam und Luke lieben das Bahnfahren und was lag da näher, als mit der Bahn in gut vier Stunden vom Rheinland nach Westfalen zu reisen?

Ortsschild Amelunxen Ostwestfalen Beverungen Nordrhein-Westfalen WestfalenGesagt, getan. Dank BahnCard 50 kostete mich das Ticket für die Hin- und Rückfahrt günstige Euro 43,20 – inklusive der Fahrkarten für die beiden Kinder. An einem Donnerstag ging es los.

Und bereits am Dienstag Abend, nach fünf Tagen in der alten Heimat, setzte bei mir die erste melancholische Stimmung ein. Nur noch drei Tage sollte unser Urlaub auf dem Land dauern.

Bereits am Samstag stand nach dem Mittagessen die Heimfahrt auf dem Programm. Wenn es nach Luke gegangen wäre, würden wir „hundert Tage bei Omi und Opi bleiben“. Und auch Liam fühlte sich sehr wohl.

Jeden Ort, jede Stadt und jede Straße, die ich während unseres neuntägigen Urlaubs besucht habe, ist für mich mit ganz besonderen Erinnerungen meiner Kindheit und Jugend verbunden gewesen.Das kann sich nur derjenige vorstellen und nachvollziehen, der seine Heimat verlassen hat.

Ich habe Gott sei Dank das Glück, dass ich meine alte Heimat jederzeit besuchen kann und dass mein Elternhaus mir jederzeit offen steht und die Vergangenheit damit zurückgeholt werden kann. Anders als beispielsweise Anne, deren Wurzeln in Thüringen liegen und die traurigerweise nicht mal eben so den Duft der Vergangenheit schnuppern kann.

Was mir besonders aufgefallen ist: in Ostwestfalen geht es deutlich ruhiger zu als im Rheinland. Während ich mich am Rhein oft gehetzt und getrieben fühle, geht es im östlichen Teil unseres Bundeslandes gemächlicher und ruhiger zu. Es fällt mir leicht, in den Tag hinein zu leben.

Ebenso bemerkenswert war die Erfahrung, dass ich ohne exzessives Twitter- und Facebook nutzen durchaus passabel und gut leben kann. Im Gegenteil: es langweilte mich förmlich, Twitter-Statusmeldungen und Facebook-Updates zu lesen. Sicherlich hat meine Mum auch ihren Beitrag dazu geleistet, indem sie mich mehrmals aufgefordert hat, mein Smartphone an die Seite zu legen.

Obwohl aus der ursprünglich nur sechs oder sieben Tage lang geplanten Reise am Ende sogar neun Tage geworden sind, war ich am Samstag Morgen beim Frühstück wehmütig. Wie schnell war die Zeit vergangen!

Und obwohl wir so viel Zeiten hatten, haben wir nicht alle Unternehmungen geschafft: wir waren weder im Kino, noch hat es zum Ponyreiten gereicht oder zum Besuch des Wildparks im Solling bei Neuhaus. Aber diese Ausflüge sind nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Es war eine schöne Zeit in der alten Heimat, die leider viel zu schnell vergangen ist. Ich komme aber zurück. Und freue mich auf ein Wiedersehen.

P.S. Dieser Beitrag stammt aus dem Herbst 2010, als ich das erste Mal mit den Kids allein in Ostwestfalen zu Besuch gewesen bin. Inzwischen ist es zu einer Tradition geworden, dass ich im Oktober mit meinen beiden Kids diesen Trip unternehme.

So auch in diesem Jahr, denn just in diesem Augenblick sind wir als „Männer-Runde“ wieder in Ostwestfalen zu Besuch – jetzt bereits zum viertel Mal!

Autor: Marc

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