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LonDOn calling – BVB-Blogs im Gespräch, Teil 3: Borussia Dortmund im Champions League Finale in Wembley

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Und jetzt gibt es die dritte Runde im Redaktionsgespräch der elf Blogger in schwarz-gelb zum Spiel der Spiele der Dortmunder Borussia.

Mit dabei gewesen sind:

  1. Der BVB hat in dieser Saison in der Champions League zahlreiche Sternstunden gehabt. Welches Spiel in der Champions League ist Dir besonders nachhaltig in Erinnerung geblieben?
    Clemens: Manchester auswärts. Weil ich da das erste Mal das Gefühl hatte: Dieses Jahr geht was. Da waren wir auf Augenhöhe, hätten gewinnen müssen, taten es nicht, zeigten aber eine deutliche Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr. Da habe ich erstmals dran geglaubt, dass wir diese Monster-Gruppe wirklich überstehen können.
    Und es wäre verlogen Malaga zu verschweigen. Dafür lässt sich kein passendes Wort finden. Was an diesem Abend im Westfalenstadion und später in der Stadt passiert ist – davon erzähle ich sicherlich noch mal als alter Mann.
    Ina: Ich war gegen Málaga im Stadion. Diese letzten 90 Sekunden werde ich nie vergessen. Auch, wenn ich nicht mehr genau weiß, was ich in der Nachspielzeit gemacht habe, es war ein einziger Rausch an Emotionen. Am Ende stand ich überglücklich und verheult da, das grauenvolle Spiel zuvor war vergessen. Ich kann bis heute nicht glauben, dass das Spiel noch so ausgegangen ist.
    Jens:  Das Herzschlag-Spiel gegen Malaga!
    Das Doppelherzschlag-Spiel gegen Madrid!
    Kirsten: Das schon erwähnte Spiel gegen Malagá – das werden sicher alle sagen, die dabei waren. Ich kriege immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke oder wenn ich es jemandem erzähle. Dieses Gefühl, schon raus zu sein und es plötzlich doch noch geschafft zu haben – unbezahlbar.
    Von so was zehrt man jahrelang. Wenn ich in Zukunft mal schlecht drauf bin, werde ich an diese Spiel denken und grinsen.
    Mark: Das Rückspiel gegen Malaga natürlich. War im Stadion auch dabei. Das Spiel wird unter Garantie bis an mein Lebensende zu meinen Favoriten gehören.
    Marty: Meiner Meinung nach haben wir bei Manchester City das beste aller Spiele gemacht. Das Spiel gegen Malaga wird immer in meiner Erinnerung bleiben. Im Rückspiel gegen Real mußte ich auch die letzten 10 Minuten raus gehen.
    Nick: Selbst wenn es nicht das beste Spiel war: Das Rückspiel gegen Malaga mit der unglaublichen Schlussphase wird noch lange in den Köpfen bleiben.
    Patrick: Allen voran natürlich das Herzschlagfinale gegen Malaga. Dann das Heimspiel gegen Ajax, was ich selbst im Stadion erleben konnte und bei dem ich im Spielverlauf schon fürchtet die CL-Seuche der Vorsaison setzt sich fort. Bis Robert Lewandowski dann doch den erlösenden, späten Siegtreffer erzielte.
    Philip: Das Malaga-Spiel. Die Dramatik ist nicht zu überbieten. So einen Spielverlauf kann sich keiner vorher ausmalen. Mich hat das ein bisschen an das 4:4 gegen Stuttgart erinnert, bei dem ich im Stadion war. Der Wille, den die Mannschaft in diesen Spielen gezeigt hat, unterscheidet sie von vielen anderen Pseudo-Top-Teams wie z.B. ManCity.
    Hier hat sich eine Einheit gebildet, die immer an den Sieg glaubt. Eine Eigenschaft, die im Finale noch wichtig werden könnte. Ich tippe jedenfalls, dass wir einen Rückstand umbiegen, falls wir mal zurückliegen sollten.
    Sylvia: Besonders nachhaltig ist mir natürlich das Rückspiel gegen Malaga in Erinnerung geblieben. Das Spiel selbst war ja total bescheiden, aber die letzten paar Minuten werde ich wohl niemals vergessen. Nach dem Abpfiff stand ich auf der Süd und habe noch eine ganze Weile gezittert wie verrückt.
    Auch das Rückspiel in Madrid (Halbfinale) war natürlich nervenaufreibend. Alle vier Spiele gegen Madrid werde ich sicher nicht so schnell vergessen, auch wenn ich es leider nicht ins Bernabeu geschafft habe.
    Volker: Wo soll ich anfangen? Beim Auswärtsspiel in Manchester, weil niemand wusste, wie stark der BVB wirklich ist und es hat einfach Spaß gemacht im Emirates, auch weil die Stimmung der Briten nicht so schlecht war? Oder Madrid in der Gruppenphase, weil ich das erste Mal in diesem weltberühmten Stadion war? Oder Amsterdam, weil nie eine deutsche Mannschaft so hoch dort gewonnen hat?
    Oder Malaga zu Hause mit dem emotionalsten Tor, was das Westfalenstadion seit 1986 erlebt hat? Oder das Hinspiel gegen Madrid, weil dieser Lewandowski mit dem 3-1 eines der großartigsten Tore erzielt hat, die ich je von einem Stürmer gesehen habe? Oder das Spiel in Madrid, weil es nach Schlusspfiff so eine unglaubliche Erleichterung war, dass mir und vielen anderen die Tränen in die Augen schießen lies? Diese Champions League Saison wird sich für immer eingebrannt haben in meinen Gedanken.
  2. Was war der Erfolgsgarant für diese außergewöhnliche Saison auf der europäischen Bühne mit sieben Siegen, vier Unentschieden und nur einer Niederlage?
    Clemens: Spielerische Überlegenheit endlich in Zählbares umzusetzen: In Marseille hätten wir 2011 schon 2:0 führen müssen, ehe Olympique das erste Mal vor das Tor kommt – am Ende verlieren wir 0:3. Da lief diese Saison alles besser. Defensiv mit mehr Stabilität, besonders auf den Außenbahnen.
    Die Entwicklung von Piszczek dort ist einfach unfassbar. Und dann vorne, wo mit Lewandowski und Reus endlich zwei Leute stehen, die den Ball einfach eintüten, ohne vorher noch zweimal anzustoppen, zu gucken, einen Doppelpass zu versuchen oder sonstigen Schwachsinn fabrizieren. Ohne diese Entwicklung hätten wir schon in der Vorrunde die Segel gestrichen.
    Ina: Das, was gegen Málaga das Spiel noch gedreht hat – Wille & Leidenschaft. Natürlich sind die Jungs echt gute Fußballer, aber sie sind auch wirklich, wirklich hungrig.
    Jens:  Eine kontinuierliche Leistung der gesamten Mannschaft, die Spielkreativität der vergangenen Saison unter Nicht-Berücksichtigung der Fehler der vergangenen CL-Saison.
    Kirsten: Jürgen Klopp. Mit dem fing beim BVB eine neue Ära. Er hat eine Mannschaft gebastelt, die ein Team ist, in der einer alles für den anderen gibt, die mitreißenden Hurra-Fußball spielt, die vor keinem Gegner bange ist.
    Mark: Jürgen Klopp – sein Ehrgeiz und seine Lehren aus der Vorsaison. Und nicht zuletzt natürlich die Chemie in der Mannschaft, der auch die Meisterschaften und der Pokalsieg zu verdanken sind.
    Marty: Die Konzentration auf diesen Wettbewerb. ich glaube, dass der Verlauf der Saison so geplant war.
    Nick: Der BVB hat die vermeidbaren Fehler minimiert, die in den letzten Europapokal-Kampagnen gemacht wurden. Man hatte den Eindruck, dass die Mannschaft aus den Erfahrungen gelernt hat, sich dessen bewusst war und deshalb selbstbewusster aufgetreten ist.
    Zudem hatten wir keine argen Verletzungsprobleme in der Champions League und es gab einige Spieler, die in den Spielen ihre absolute Topform erreicht haben.
    Patrick: Für mich war es Roman Weidenfeller, der mit zahlreichen Weltklasseparaden so manche Partie in der Spur hielt.
    Philip: Die verbesserte Chancenverwertung und die konzentriertere Defensivarbeit. Die Lernkurve dieser Mannschaft verläuft extrem steil. Aus Fehlern wird schnell gelernt. Egal ob die Mannschaft nach einigen Anweisungen des Trainer-Teams eine schlechte erste HZ korrigiert oder im Laufe der Jahre cleverer agiert.
    In Sevilla 2010 hat sich der BVB von Zeitspiel der Spanier nervös machen lassen. Gegen Malaga 2013 wurde bis zuletzt an den Sieg geglaubt und konzentriert, wenn auch mit einem Hochrisiko-Plan in der Schlussphase, vorgegangen.
    Ich habe mir vor kurzem noch mal die DVD der Jubiläumssaison 2009/10 angesehen. Kann ich nur jedem empfehlen. Es ist hochinteressant zu sehen, was damals noch fehlte, um eine Top-Mannschaft zu sein. Die Chancenverwertung war damals viel schlechter. Außerdem fehlte der Mannschaft oft die Konstanz über 90 Minuten hinweg. Da waren hier und da mal gute Phasen, die sich mit sehr schlechten abwechselten.
    In den beiden Meisterjahren spielte man schon konstanter und verbesserte die Chancenverwertung. In dieser Saison wurde vor allem international noch einmal ein großer Schritt in allen Bereichen nach vorne gemacht.
    Sylvia: Zum einen darf man die Wirkung des sang- und klanglosen Ausscheidens in der letzten Saison sicher nicht unterschätzen. Das hat in der Mannschaft eine Gier geweckt, wie sie z.B. in der Liga die Bayern in dieser Saison an den Tag gelegt haben.
    Zudem sind einfach ein paar Prozentpunkte Reife dazu gekommen – sowohl bei den Spielern als auch beim Trainerteam – die letztes Jahr einfach noch nicht da sein konnten. Einen einzelnen Spieler möchte ich eigentlich nicht hervorheben, das Kollektiv ist erneut sehr stark – und zudem mit sehr viel individueller Klasse gespickt.
    Volker: Ich glaube, man hat uns zunächst unterschätzt, während sich die Mannschaft in einen unglaublichen Rausch gespielt hat. Und die Mannschaft schien sich schon früh auf die CL konzentriert zu haben, spätestens nach dem 1-1 in München im Dezember als eigentlich klar war, dass die Meisterschaft nach München geht.
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  3. Soll Mario Götze – sofern er einsatzbereit ist – am Samstag Abend auflaufen?
    Clemens: Natürlich.
    Ein starker Fußballer, ein professioneller obendrein, der uns gegen die schnellen, technisch so unglaublich guten Bayern enorm helfen kann. Mario Götze wird bis zum 30.6. beim BVB angestellt sein und solange alles für unseren Verein geben. Davon bin ich überzeugt. Und wenn er das nach 45 Minuten nicht beweisen konnte – dann kommt Kevin und kann es mit dem ihm ganz eigenen Eigenschaften immer noch drehen.
    Ina: Klar. Es ist Mario Götze. Der packt das schon.
    Jens: Klar. Wechsel wird es immer wieder geben. Wenn der Verein einen Vertrag mit Ausstiegsklausel unterschreibt, dann muss er auch damit leben, dass diese genutzt wird.
    Kirsten: Jetzt hätte ich fast geschrieben „Soll der verzogene Bengel doch machen, was er will“, aber das wäre blöd. Ich denke, dass Götze, obwohl er aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen zu dem Verein geht, der für mich alles Hässliche im Fußball repräsentiert, so viel Sportsmann ist, dass er alles für das Team gibt, für das er zurzeit noch spielt.
    Und er ist wichtig für die Mannschaft, für Reus und überhaupt. Es wäre sportlich unklug, ihn nicht spielen zu lassen, da muss man den menschlichen Ärger mal  runterschlucken.  Zumal ich ja eh keinen Einfluss auf die Aufstellung hab. 😉
    Mark: Ja. Ich hoffe nur, dass er nicht zum Elfmeter schreiten muss.
    Marty: Ja, denn ich glaube er wird den Ausschlag geben.
    Nick: Wenn er im Mannschaftstraining alles mitmachen kann und den Trainer überzeugt, sollte Götze spielen. Wir könnten ihn gut gebrauchen. Was er auf keinen Fall tun sollte: Elfmeter schießen.
    Patrick: Wenn er 100%ig fit ist ja! Ich glaube nicht dass er für den BVB, gegen seinen zuküftigen Verein, nicht nochmal alles geben würde. Wie würdest du das erste Mal auf die neuen Mitspieler treffen wollen? Als Verlierer, der sofort ein paar Sprüche gedrückt bekommt oder als Sieger, der selbst einen lockeren Flachs auf den Lippen hat? Jeder, der etwas Ehrgeiz hat wird es den neuen Kollegen zeigen wollen!
    Philip: Natürlich. Er selbst wird alles geben um den Titel zu holen. Dazu kann er den Unterschied ausmachen. Mario ist mit seinen 20 Jahren so abgezockt, den interessiert das Gerede um den Wechsel zumindest an diesem Abend gar nicht. Er könnte, glaube ich der einzige Spieler  im Bayern-Kader der nächsten Saison sein, der dann schon mal die Champions League gewonnen hat.
    Sylvia: Tja, schwierig. Darauf habe ich eine vernünftige Antwort und eine emotionale Antwort. Die Vernunft-Antwort lautet: auf einen Spieler seiner Klasse kann man im CL-Finale nicht verzichten, also sollte er spielen.
    Die emotionale Antwort ist: lass den Söldner auf der Bank und gib den Platz in der Startelf Kevin Großkreutz. Es gibt keinen Spieler, dem ich ein CL-Finale so sehr gönnen würde wie ihm.
    Volker: Natürlich. Mario Götze geht zum FC Bayern, was sein gutes Recht ist. Und es gehört zum Geschäft, dass jemand andere Pläne hat und wechselt. Und Mario Götze hat einen nicht geringen Anteil an dem, was in den letzten 3 Jahren in Dortmund passiert ist. Wir können in einem Finale nicht auf einen fitten Götze verzichten, nur weil der Gegner sein neuer Arbeitgeber ist.

Und morgen gibt es den vierten und letzten Teil zu LonDOn Calling.

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Autor: Marc

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