Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

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Rezension: Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand von Harald Welzer

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Nachhaltigkeit ist eines der Buzzwords unserer Zeit. Doch was bedeutet das überhaupt? Und was kann ich in Sachen nachhaltig leben tun?

Wie sieht unsere Zukunft aus mit Blick auf Finanzmarktkrisen, Konsumrauch und Nahrungsmittelknappheit auf der einen und Nahrungsmittelüberfluss auf der anderen Seite? Und was ist mit der ständigen Überwachung von Facebook & Co., der wir uns freiwillig aussetzen?

Harald Welzer, deutscher Soziologe und Sozialpsychologe, hat sich dieser Themen angenommen und ein Buch geschrieben. Er verspricht uns zu Beginn von Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand, dass unser seit Jahrzehnten aufgeschichteter Tunnelblick therapiert wird. Dabei verweist er auf das kantische Programm des „Ausgangs des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ und fordert zum Denken und vor allen Dingen zum Selbst Denken auf. Er verlangt, sich im Dschungel der medialen Überfütterung zurecht zu finden und sich von den allgegenwärtigen konsumistischen Verführungen zu widersetzen.

Cover Rezension Harald Welzer Selbst denken Eine Anleitung zum Widerstand AmazonSelbst denken ist keine „Anleitung zum Glücklichsein“. Es versteht sich auch nicht als Handbuch für Gutmenschen, das ihre positiven Taten und Grundhaltung pro Nachhaltigkeit rechtfertigen soll. Es ist vielmehr eine Reise durch unsere Geschichte in politischer, gesellschaftlicher, pädagogischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Welzer stellt Verbindungen zur Psychologie und Verhaltensforschung her, die zu einem Wissensteppich verwebt werden, der zahlreiche Facetten tangiert. Die formulierten Thesen münden in einer Logik und Einfachheit, die den Leser mehrmals zu einem „Wieso bin ich da nicht selbst drauf gekommen?“ verleiten.

Gegen Ende von Selbst denken werden exemplarisch Menschen und Unternehmen genannt, die den Weg des Selbst denken erfolgreich gegangen sind. Mit dabei sind bekannte Unternehmen wie die Schweizer Bahn und das ehemalige Kultgetränk Bionade. Denn auch wirtschaftlich agierende Unternehmen können das Selbst denken als „mission statement“ vorleben.

Als Beispiel nennt der Autor die GLS Bank, die sich nachhaltigen Investments verschrieben hat und der lebendige Gegenbeweis dafür ist, „dass auch ein Unternehmen der Finanzindustrie nicht den vorgeblich systemischen Logigen ‚der Märkte‘ folgen und Renditevorgaben von 25 Prozent und mehr aufrufen muss, um erfolgreich zu sein.“

Mein Fazit

Als ich die ersten Seiten von Selbst denken gelesen hatte, kam mir in den Sinn: All das Gelesene klingt vom Ansatz recht radikal. Doch Harald Welzer versteht es, den Leser zu provozieren und zur Reflektion anzuregen. Er macht das nie in einem belehrenden Ton oder mit erhobenem Zeigefinger. Stattdessen überzeugt er mit Argumenten und Beispielen, die selbst für Laien der Materie gut nachzuvollziehen sind. Welzer tritt für nachhaltiges Wirtschaften ein, das allein unserer nachfolgenden Generationen gegenüber unsere Pflicht sein sollte.

Welzers Buch rüttelt auf und macht mich nachdenklich. Wir sind inzwischen so saturiert, dass wir die Zerstörung unserer Erde kritiklos akzeptieren – weil wir gleichzeitig wissen, dass unser Konsum – der bekanntermaßen von der Industrie permanent geweckt wird und Bedürfnisse stillt, von dessen Existenz wir lange Zeit gar nicht wussten – den Raubbau an der Natur und der Tierwelt immer weiter vorantreibt.

Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand ist kein einfaches Buch. Es dient nicht dem schnellen Lese-Konsum, sondern beschäftigt den Leser auch nach dem Lesen. Und es ist ein Buch, das polarisieren wird. Denn die Positionen, die der Autor aufbaut, sind in einigen Ansätzen drastisch, aber niemals unlogisch.

Ein bemerkenswerter Satz steht im Kapitel Mentale Infrastrukturen: „Ich selbst bin das Problem, das gelöst werden muss, wenn unsere Welt zukunftsfähig werden soll.“ Und genau dort liegt der Knackpunkt. Wer von uns ist bereit, auf das Smartphone, den Urlaub im Süden, die unzähligen Gadgets, kurzum den Luxus des Lebens zu verzichten und sich zu mäßigen, um die Welt auch für die nachfolgenden Enkel und Urenkel noch lebenswert zu halten?

„Es findet sich kein plausibles Argument dafür, nichts zu tun. Das Fehlen eines Masterplans gibt Ihnen sogar die Freiheit, Fehler zu machen und Misserfolge zu haben“, das schreibt Harald Welzer den Skeptikern und Pessimisten ins Stammbuch, die der Meinung sind, ein Mensch allein könne nichts ausrichten und bewegen.

Also raus aus der Komfortzone und los geht’s mit dem Selbst denken. Es ist noch nicht zu spät!

Autor: Marc

Hallo, ich bin Marc. Schön, dass Du bei mir im Blog vorbeischaust. Hier mein Leben in weniger als 140 Zeichen: Google-Fan, Sony Xperia Z5 compact, ipad mini 2, BlackBerry Classic, Android, iPad 4, Social Media, nur der BVB, Reiseblogger, Vater, (Ehe-) Mann, Chef. Ich bin übrigens auch bei Facebook, Google+ und Twitter zu finden.

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