Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Rezension: Mein Kind ist bei Facebook von Thomas Pfeiffer und Jöran Muuß-Merholz

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Vor einigen Tagen hat mich mein neunjähriger Sohn mit dem Wunsch konfrontiert, auch bei Facebook vertreten zu sein (mehr zu den Hintergründen gibt es hier zu lesen). Von da an wusste ich, dass ich mich tiefergehender mit der Materie auseinandersetzen muss.

Ich selbst zähle mich in Sachen Facebook zu den early adopters, war ich doch bereits schon zu Beginn des Launches von Facebook in Deutschland mit am Start. Wenn auch Facebook hinter Twitter mein soziales Netzwerk Nummer 2 ist, kann und will ich auf den Austausch mit wenigen echten und vielen virtuellen Freunden aus dem Twitter-Universum und der Blogosphäre nicht mehr verzichten. Während ich mir damals vieles selbst beigebracht habe und quasi das Nutzen des sozialen Netzwerkes step by step selbst erlernt habe, muss ich als verantwortungsbewusster Familienvater jetzt die Rolle wechseln. Es gilt, meinem Sohn die Chancen und Risiken von Facebook näher zu bringen.

Weil ich nicht alles wissen kann und es ausreicht, wenn man jemanden kennt, der sich fundiert mit der Materie auseinandergesetzt hat, habe ich mich auf die Suche nach der passenden Lektüre in Sachen Facebook und dessen Nutzung gemacht. Die auf dem Markt erhältliche Literatur zu diesem Thema ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, wie ein kurzer Blick auf die Trefferliste bei amazon.de zeigt. Nicht weniger als 1.064 Bücher (Stand: 09.07.2012) sind dort zu dem Thema Facebook verzeichnet. Der Haken an der Sache: ganz, ganz wenige Autoren wenden sich mit ihrer Lektüre speziell an Eltern.

Mein Kind ist bei Facebook Thomas Pfeiffer Jöran Muuß-Merholz Cover Rezension Addison-Wesley PearsonDiese Lücke wollen Thomas Pfeiffer und Jöran Muuß-Merholz schließen und haben erst kürzlich das Buch mit dem Titel Mein Kind ist bei Facebook: Tipps für Eltern veröffentlicht. Ich war gespannt, ob das Buch hält, was der Klappentext verspricht und ob selbst ich als alter Hase in Sachen Facebook noch etwas dazulernen kann. Vorab sei verraten, dass meine Erwartungen voll und ganz erfüllt worden sind.

Die beiden Autoren haben das Lese- und Lernbuch in sechs Kapitel unterteilt. Zu Beginn wird die Intention und der Nutzen des Bandes erklärt und erläutert, wieso Eltern keine Angst vor Facebook haben müssen. Im zweiten Kapitel wird die Funktionsweise Facebooks anhand einer Kaffeeküche beschrieben und in einem Rundgang ein Blick auf die wesentlichen Funktionen des Netzwerks geworfen. Außerdem erfährt der Leser, welche – ungelösten – Probleme Facebook beheimatet.

Der dritte Abschnitt behebt einen Malus von Facebook: das fehlende Handbuch. Umfangreiche und detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen erklären die wichtigsten Einstellungen beim Gesichtsbuch und insbesondere die Privatsphäre-Stellschrauben werden fundiert beschrieben. Auch den nicht unbeliebten Spielen auf Facebook und der Werbung wird ein Unterkapitel gewidmet. Der vierte Abschnitt hilft den Nutzern, die Probleme und Herausforderungen zu meistern, die im virtuellen Wirken an den User gestellt werden. Themen sind unter anderem Datenschutz und das Respektieren von Urheberrechten inklusiven einem lesenswerten Ausflug in das Recht am eigenen Bild. Auch das Problem der in betrunkenem Zustand geposteten Status-Meldungen wird behandelt. Ebenso ist das unangenehme Feld des Cyber-Mobbings. Stalking und Bullying im Fokus.

Kapitel fünf vermittelt wichtiges Grundlagenwissen und gibt Anleitungen zur Hand, die erfahrenen Anwendern überflüssig vorkommen mögen. Doch neue Nutzer sind nicht zwangsläufig mit dem Anlegen eines Facebook-Kontos oder dem Erstellen von Screenshots vertraut. Das Buch endet mit dem Schlusswort in Kapitel sechs und einem Glossar (von  A wie Avatar über G wie wie Geo-Tagging bis hin zu W wie Web 2.0) sowie einem Index zum schnellen Nachschlagen von Themen.

Der große Feind des Buches ist die wahnsinnige Geschwindigkeit, mit der Facebook stetig Innovationen in seinem Service anbietet. Das, was gestern noch up to date gewesen ist, ist morgen bereits überholt. Funktionen von Facebook, die gestern noch stetig genutzt worden sind, sind morgen bereits nicht mehr existent und wurden durch andere Anwendungen ersetzt. Somit ist das Buch möglicherweise in einem halben Jahr bereits fachlich veraltet. Damit die Käufer und Leser von heute aber auch morgen und übermorgen noch up to date sind, gibt es die Seite www.facebook-fuer-eltern.net. Dort werden nicht nur alle Neuerungen aus dem Universum von Mark Zuckerberg präsentiert, sondern auf der Seite gibt es auch noch Bonus-Kapitel, die auf den mehr als 200 Seiten keinen Platz mehr gefunden haben.

Die Autoren Thomas Pfeiffer sind übrigens auch bei Twitter (@codeispoetry und @jmm_hamburg), bei Facebook (https://www.facebook.com/webevangelist und https://www.facebook.com/jmm.hamburg) sowie als Blogger (www.webevangelisten.de und http://www.joeran.de) vertreten.

Mein Fazit

Mein Kind ist bei Facebook: Tipps für Eltern ist ein lesenswertes Buch für alle Eltern, die sich ernsthaft mit der Materie Facebook für ihr Kind auseinandersetzen wollen. Auch vermeintlich alte Hasen auf dem Gebiet der Social Networks werden nach der Lektüre den einen oder anderen Aha-Effekt für sich verbuchen können.

Doch eins ist nach dem Lesen des Buches auch deutlich geworden: es reicht nicht aus, das theoretische Wissen über Facebook zu haben. Auch im Internet wenig geübte Eltern fahren gut damit, sich selbst mit der Materie am Monitor auseinanderzusetzen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Nur so werden sie als Gesprächspartner ihrer Sprößlinge anerkannt und können fundiert diskutieren.

Darüber hinaus ist es ein Trugschluss, dass ein Facebook-Verbot für Kinder das Problem löst. Vielmehr löst erst das Verbieten das noch größere Verlangen nach Ausprobieren aus. Deshalb gilt wie bei vielen anderen Themen zwischen Eltern und Kind: reden, reden, reden. Wenn neben den Chancen und zahlreichen Möglichkeiten von Facebook auch die dunklen Ecken und Gefahren von Facebook erkannt und erörtert werden, können die Erziehungsberechtigten sicher sein, medienerfahrene und medienkompetente Kids erzogen zu haben, die mit ein wenig Übung sicher und bewusst die ersten Schritte in den sozialen Netzwerken unternehmen können.

Autor: Marc

Hallo, ich bin Marc. Schön, dass Du bei mir im Blog vorbeischaust. Hier mein Leben in weniger als 140 Zeichen: Google-Fan, Sony Xperia Z5 compact, ipad mini 2, BlackBerry Classic, Android, iPad 4, Social Media, nur der BVB, Reiseblogger, Vater, (Ehe-) Mann, Chef. Ich bin übrigens auch bei Facebook, Google+ und Twitter zu finden.

3 Kommentare

  1. Pingback: Buchtipp: Mein Kind ist bei Facebook Thorsten Ising - Social Media Marketing

  2. Danke für die ausführliche Rezension des Buchs! Was hat denn der Sohnemann zum Buch gesagt? Waren die Beschreibungen auch für ein Kind verständlich?

    PS: Bei der Verlinkung zu der Seite facebook-fuer-eltern.net ist fehlt „http://“ 🙂

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