Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

EM-Abseits – Thema 12: Wir sind Bundestrainer

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In sechs Wochen geht es wieder los: Männer und Frauen und auch Kinder versammeln sich zum Rudel gucken vor dem Fernseher, um die EM 2012 zu verfolgen.

Und dann sind sie wieder in Rudeln anzutreffen: Millionen von Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft. Sie diskutieren intensiv die Aufstellung unserer Nationalelf („Wieso stellt der Löw den Badstuber auf? – Wieso ist der Cacau im Sturm und nicht der Hanke?“), proklamieren fällige Einwechslungen („Wieso bringen wir keinen dritten Stürmer?“) und monieren den Einsatz der Akteure auf dem Feld („Kerr, den hätte selbst meine Oma reingemacht!“).

Es sind unsere TV-Bundestrainer, die der Meinung sind, alles besser zu wissen als unser Bundes-Jogi, der seit Jahren erfolgreich die Geschicke unserer Nationalmannschaft leitet und im Sommer sein sechstes Jahr als Bundestrainer absolviert hat. Und die Diskussionen der zahlreichen TV-Trainer beginnt bereits lange vor den alle zwei Jahre stattfindenden Turnieren. Während der Qualifikationsspielen zur Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft wird ausgiebig über den Kader diskutiert, werden die Einsatzchancen der zahlreichen Nationalmannschaftsaspiranten erörtert und die Siegeswahrscheinlichkeit vor den Länderspielen ermittelt.

Die Bundestrainer in unserem Land gibt es überall. Bereits bei den Kids auf dem Schulhof werden DFB-Personalien diskutiert, Länderspiele analysiert und kommende Gegner inspiziert. Das setzt sich später im Arbeitsleben auf der Baustelle oder im Büro fort und findet des Abends beim Stammtisch oder beim gemütlichen Treffen auf ein Bier seinen Abschluss. Im Idealfall sitzen mehr als zehn Millionen Bundestrainer vor dem Fernsehgerät, wenn ein Länderspiel angepfiffen wird.

Ich bin kein Bundestrainer

Ich bin kein Bundestrainer. Ich mag das ewige Diskutieren und Lamentieren nicht. Wenn ich Fußball-Länderspiele unserer Nationalmannschaft schaue, bin ich selten emotional. Ich gucke gern das Spiel – aber ich möchte dabei in Ruhe gucken und genießen. Mir käme es auch nicht in den Sinn, ständig zu Labern und sogar Spieler zu beschimpfen…

Im vergangenen Jahr habe ich beispielsweise im Rudel das Relegationsspiel VfL Bochum gegen Borussia Mönchengladbach geschaut. Bei dieser Partie war ein eingefleischter Borusse mit dabei, der permanent auf eine „sehr volkstümliche Art“ sein fußballerisches Fachwissen in die Begegnung hat einfließen lassen. Das war für mich eine absolut grausame Erfahrung und ich spürte, dass ich mit jeder Spielminute innerlich aggressiver geworden bin. Ich war froh, als der Abpfiff ertönte und die Brabbelei ein Ende hatte.

„Wir sind Bundestrainer“ gilt sicherlich für viele Fußball-Fans und vermeintliche Experten. Für mich definitiv nicht.

Autor: Marc

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6 Kommentare

  1. Sehr sehr schöner Beitrag. Und auch toll, dass Du schreibst, wie Du dich dabei fühlst, wenn einer so „angibt“.
    Fleißkärtchen geb.
    LG Mella

  2. Versteh ich. Dieses Gequatsche hat bei mir dazu geführt, dass ich Fußball am liebsten nur alleine schaue, mein Mann, mein Vater, meine Brüder … ständig muss alles ausdiskutiert werden. Und wenn es nicht der Trainer ist, ist der Moderator dran.

    LG
    Daggi

  3. Dem kann ich mich nur anschließen!
    Ein echter Scheiß-Job …

    LG
    Sabienes

  4. Ich gestehe, ich sitze auch lieber neben meinem Herr und Meister beim Fußball, wenn nicht gerade „seine“ Mannschaft der FCB spielt sondern irgend ein – in seinen Augen – belangloses Spiel. (deswegen bin ich wahrscheinlich langsam Fan des englischen Fußballs, den kann ich in Ruhe und Frieden anschauen hehe)- Hey vielleicht würde ich viel mehr Fußball gucken, wenn ich den in Ruhe angucken könnte!? – Marc, schön,d ass du auch lieber in Ruhe gucken willst, kann ich nachvollziehen.
    Danke für Deinen Beitrag! Grüßle Susanne

  5. Pingback: Timm's Blogwelten

  6. Der schwerste Job liegt sich noch vor Jogi Löw. 4 Spielern jetzt noch sagen zu müßen das Sie doch nicht mit zur EM 2012 fahren können ist schon hart. Gerade wenn es sich um so junge Spieler handelt wie Draxler oder auch ter Stegen. Da will ich sicher auch kein Torwart mehr sein.

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