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Die Grundschule Amelunxen schließt 2014 für immer ihre Pforten

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Traurige Nachrichten aus meiner alten Heimat: die Gemeinschaftsgrundschule Amelunxen schließt im Sommer 2014 für immer ihre Pforten.

Es gibt Erlebnisse im Leben, die vergisst man niemals. Wie beispielsweise die Einschulung. Bei mir war es im August 1981, als ich im Alter von sechs Jahren und acht Monaten die ersten schulischen Schritte unternommen habe.

Wildbergschule Amelunxen Grundschule GGS Gemeinschaftsgrundschule Ostwestfalen Beverungen

Dass ich diese ersten Schritte sogar an einer Grundschule in meinem Heimatdorf Amelunxen, einem Ort mit weniger als 1.400 Einwohnern, unternehmen durfte, war unter anderem meinem Großvater zu verdanken. Denn er hatte Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre bereits für den Erhalt der kleinen Schule in Ostwestfalen erfolgreich gekämpft. Während die Schülerinnen und Schüler aus den umliegenden Dörfern jeden Morgen entweder nach Beverungen oder in die Kreisstadt Höxter fahren mussten, konnten meine Mitschüler und ich den kurzen Fußweg in die Schulstraße genießen.

Doch das ist jetzt Vergangenheit. Dreißig Jahre nach meiner Grundschul-Entlassung werden die letzten Kinder in Amelunxen ihre Grundschul-Laufbahn beenden und die Pforten der Schule für immer geschlossen:

Am 4. Juli 2014 ist der letzte Schultag in der Schule im Nethedorf. Hierbei wurde der Elternwille berücksichtigt. Die jetzige 2. Klasse kann in Amelunxen noch ihren Abschluss machen. Die jetzige erste Klasse wird dann nach Beverungen wechseln.

Allgemein herrschte Bedauern wegen dieser Entscheidung, die aufgrund der Landesgesetzlage so ausfallen musste.  Die Ratsfraktionen waren im Vorfeld durch die Bank gewillt, schon alleine wegen des hervorragenden Konzeptes, die kleine Grundschule zu erhalten (Quelle).

Ich bin insbesondere deshalb enttäuscht, weil die Schule schon seit einiger Zeit mit innovativen Konzepten auf sich aufmerksam gemacht hat, die sogar vom ehemaligen Bundesminister Klaus Töpfer goutiert worden sind. Leider blieben alle Bemühungen und Anstrengungen der aktiven Eltern und Förderer unbelohnt.

Eva Klare-Kurtenbach, die Vorsitzende des Fördervereins der Wildbergschule Amelunxen, hat in einem Leserbrief die Schulschließung bedauert:

Der Schulausschuss der Stadt Beverungen hat in seiner Abstimmung in der Sitzung am Montag die Schließung und den Auslauf der Amelunxer Grundschule bis zum Jahr 2014 auf den Weg gebracht, da aufgrund der nicht ausreichenden Anmeldungen zum nächsten Schuljahr keine neue Eingangsklasse gebildet werden kann.

Eine Entscheidung, die wir als Förderverein sehr bedauern und der wohl viele andere Entscheidungen an anderen Stellen vorausgegangen sind und die sicher für einige Verantwortliche überfällig war, damit in Amelunxen endlich Ruhe einkehrt.

Für uns als Förderverein, für die Eltern der Schulkinder und für die Ortschaft Amelunxen und für viele Mitbürger, die die vielen positiven Aktivitäten der letzten Monate verfolgt haben, ist es ein Beschluss, der wenig Raum gelassen hat für eine weitere Entwicklung des neuen Konzeptes.

Am Ende ist es somit natürlich der Elternwille, der über den Fortbestand dieser kleinen Schule entschieden hat, da wir mit einer nicht ausreichenden Zahl von Anmeldungen nicht den Vorgaben des Schulgesetzes entsprochen haben.

Es ist nicht nur für unsere jetzigen Kinder sehr schade, dass wir mit unserem Konzept in der kurzen Zeit nicht genug Eltern erreichen konnten, sondern auch für die Kinder, die sehr gern bei uns zur Schule gegangen wären.

Wir als Förderverein, der dieses neue Schulkonzept mit ins Leben gerufen und unterstützt hat, bedanken uns für die große Unterstützung, die wir von so vielen Seiten erfahren haben und auf die wir ganz sicher auch weiterhin im Sinne der Kinder zählen können.

Das Engagement der Eltern, Lehrer und Mitbürger für ihre Schule, die selbstverständliche Bereitstellung von Grund und Boden, die Zeit, die für den Aufbau der Projekte zur Verfügung stand, und die Begeisterung, mit der die Kinder all das angenommen und in ihren Lernprozess integriert haben, sind Erfahrungen, die den Kindern und uns niemand nehmen kann. Ein Miteinander, das sicher weder selbstverständlich noch alltäglich ist.

Vor allem konnten und können wir auch weiter den Kindern hier jeden Tag zeigen, dass Erwachsene manchmal nicht nur reden, sondern auch tatsächlich etwas für ihre Kinder in die Tat umsetzen.

Wir alle freuen uns miteinander auf die verbleibenden 2,5 Jahre, die wir hier noch mit den Kindern so gestalten werden, dass sie viele besondere Erfahrungen mit auf ihren Lebensweg nehmen können.

Die Besonderheit dieser Schule haben die Eltern mit ihrem Votum gezeigt: sie wollen ihre Kinder die maximal mögliche Zeit hier zur Schule gehen lassen, damit die Kinder möglichst lange in den Genuss unseres Schulkonzeptes kommen. Das zeigt das große Vertrauen der Eltern vor allem auch in die Arbeit der Schulleitung, des Lehrerkollegiums und des Betreuungsteams. Die Kinder sind hier nach wie vor in guten Händen.

Wir bedanken uns bei allen, die uns bei diesem Projekt so tatkräftig und optimistisch unterstützt haben. Gemeinsam werden wir bis 2014 im Sinne unserer Verantwortung, die wir für Kinder und unsere Schule übernommen haben, genauso weiterarbeiten.

Dass unsere Schule nicht nur gute Freunde braucht, sondern sie auch hat, durften wir an vielen Stellen in den letzten Monaten erfahren.

Autor: Marc

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