Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Ein einfacher, aber bedeutender Fototipp – Wie ihr euren Omafotos zur Besonderheit verhelft

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Heute gibt es eine Premiere im Blog: der erste Gastbeitrag auf Ein Ostwestfale im Rheinland.

Und ich freue mich ganz besonders, dass ich mit Maja gleich zu Beginn einen Hochkaräter für einen Gastbeitrag gewinnen konnte. Ich bin im Rahmen einer Blogparade auf die Kölnerin aufmerksam geworden und war von Beginn an von ihrer Schreibe und den interessanten Themen in ihrem Blog begeistert.

Das passende Thema für den Gastbeitrag zu finden war ein leichtes. Ich fotografiere leidenschaftlich gern. Allerdings passt „knipsen“ anstelle von „fotografieren“ deutlich besser. Denn mehr als Schnappschüsse bekomme ich selten hin. Ich beneide Menschen, die eindrucksvolle Fotografien hinbekommen – so wie Maja. Und damit war das Thema schnell gefunden. Ich möchte, dass wir von ihren Tipps zur Fotografie profitieren können.

Jetzt aber genug der Vorrede, ich gebe ab an Maja:

Das sind wir zwei Pusteblumen-Insulaner

Das sind wir zwei Pusteblumenlandbürger

Hallo, ich heiße Maja, bin die Autorin von www.pusteblumenbaby.de, Mutter einer kleinen Piratin mit Nervensäge und notgedrunge Inhaberin geflochtener Stahlseilnerven. Ich möchte euch heute einen wichtigen Tipp geben, wie ihr schönere Fotos machen könnt. Ich hoffe, dass mein Tipp derart genial ist, dass ihr vielleicht auf dieser Grundlage zum Starfotografen werdet. Dann erinnert ihr euch vielleicht irgendwann mal an mich, wenn ihr die großen Stars vor der Linse habt. Und gebt mir aus Dank ein paar Groupies als Models für meine Fotos ab. Haha, aber jetzt mal ernsthaft: Ich bin zwar kein Profi, aber bei anderen Fotos fallen mir oftmals Dinge auf, die sie schnell hätten besser machen können. Oftmals sind es kleine Fehler, für die es nicht viel Übung gebraucht hätte, um diese abzustellen. Wenn euch meine Fotos gefallen, dann möchte ich euch mal erklären, wie ich diese mache. Dazu konzentriere ich mich heute mal auf die Frage der Kulisse.

Die Welt ist eine Kulisse

Ich hoffe ihr seit keine Fotophilosophen und versucht prinzipiell nur das Nichts zu fotografieren oder ganz nach Art von Marcel Duchamps einfach nur Luft oder Pissbecken in den Nahbereich eurer Linse zu bekommen. Falls ihr das nicht seid, dürfte euch klar sein:

Als allererstes suchen wir uns ein Motiv.

Soweit so klar. Welches Motiv aber nehmt ihr? Es sollte schließlich nicht irgendein Motiv sein. Es soll etwas besonderes sein. Etwas einzigartiges und so weiter. Zumeist aber ist das Einzigartige Frage des Arrangements. So ist es beispielsweise eine Kunst, Stillleben zu fotografieren. Hier müsst ihr sehr, sehr lange arrangieren bis alle Teile die richtige Form bekommen und alles in den entsprechenden Nahbereich kommt. So richtig kann ich das auch nicht, zumal ich keine professionelle Beleuchtung habe. Gleich aber welches Motiv ihr wählt, bei der verzweifelten Suche nach dem richtigen Motiv, passiert häufig ein Fehler. Ihr vergesst ganz, dass es nicht auf das Motiv ankommt, sondern auf das Gefühl. Ihr seid schließlich keine Gerichtsreporter, die nüchtern und sachlich die Leichen ein zweites mal tot blitzen. Ihr wollt ein Motiv, das vor allem in einem bestimmten Licht zur Geltung kommt. Hierfür gibt es zwei einfache Dinge, die sehr wichtig sind. Zum einen benötigt ihr lebendiges und natürliches Licht, das heißt: Geht raus, wenn die Abendsonne oder Morgensonne schöne Schatten werfen (dazu werde ich mal auf meinem Blog bei Gelegenheit mehr schreiben). Zum anderen aber (und das unterschätzen die meisten oftmals) ihr braucht ein Motiv für euer Motiv.

Was ist hierbei zu beachten? Klar, wenn ihr eine Horde Playmates habt (ich weiß, bei den männlichen Lesern springt gleich die Phantasielampe an) dann wird ein schlecht strukturierter Hintergrund, doch nicht die entsprechenden Konturen zur Geltung bringen. Es ist bei jedem Motiv daher wichtig wie ihr euer Motiv vor einem Hintergrund zum Einsatz bringt. Das heißt, Heidi Klum kann auch auf einem Baustellenklo erotisch oder interessant wirken, wenn ihr den Hintergrund schafft richtig zu strukturieren. Gleiches gilt gar für eure Oma (auch wenn die Interessantheit einer anderen Quelle entspringt). Wichtig ist nämlich nur eines: Der Hintergrund braucht eine flache, ebene und einheitliche Struktur um euer eigentliches Motiv zu betonen und nicht davon abzulenken. Zeigen wir das mal an einem Beispiel:

Ich habe das Foto von unten gemacht, deshalb ist oben rechts ein interessanter Fluchtpunkt entstanden.

Ich habe das Foto von unten gemacht, deshalb ist nach hinten eine interessante Fluchtperspektive entstanden. Eines aber erkennt ihr: Das Bild ist gut durchstrukturiert und ich nutze die Tiefe des Raumes bei gleichbleibender Struktur

Bei diesem Märchenschlossfoto habe ich eine beliebige Ecke im Park mit einem bisschen Mauerwerk gefunden. Ihr würdet euch wundern, wenn ihr diese Stelle im Original sehen könntet. Sagen wir es so, ihr würdet sie nicht wieder erkennen. Diese Ecke war nämlich überhaupt nicht so idyllisch, wie sie auf dem Foto aussieht. Auf der gegenüberliegenden Seite lag ziemlich viel Müll, dann hatten wir noch eine dreckige Laterne, die keinsfalls stylisch dreinschaute und ein einiges ausgefranstes Blattwerk zerstört die einheitliche Struktur, um das Gesicht meines Babys zu betonen. Dennoch erscheint die Ecke wie ein geheimer Platz mitten im dichten, grünen Märchenwald, so als wäre ein Schloss dahinter zugewuchert und als würde Dornröschen noch ein paar Jährchen dahin schlummern. Meine Pusteblumenprinzessin hatte also Platz im Märchen genommen. Stellt euch mal dort jetzt Heidi Klum, eure Oma oder euch selbst vor. Jedes Motiv würde durch das Hintergrundmotiv in anderer Form betont werden, aber letztlich doch in seiner Besonderheit zur Geltung kommen. Das Bild entwickelt Gefühl, aber wie? Nun ich hatte alles so platziert, dass eine Fluchtperspektive entstand und vor allem nach Einheit gesucht. Ihr seht im Hintergrund nur Mauerwerk und Blätter mehr nicht. Diese Stellen müsst ihr suchen und dann könnt ihr dorthin jedes Motiv hineinstellen.

Wenn ihr also nun mit eurem Bilderapparat unterwegs seid, dann schneidet gedanklich immer aus, was euch nicht gefällt und versucht die schönen einheitlichen Hintergründe zu finden, denn die gibt es so gut wie überall und sie sind eigentlich überhaupt nicht selten. Mal ein weiteres Beispiel:

Mein kleiner Hobbit erkundet die Landschaft

Mein kleiner Hobbit erkundet die Landschaft

Bei dem Waldpanorama habe ich ebenso Ausschau nach einem Motiv für das Motiv gehalten. Schließlich entdeckte ich in einem belebten Park eine Stelle, wo alle Bäume so aussahen, als ergäben sie zusammen einen Wald. Zudem ließ sich das Bild gut als Rahmen interpretieren. Vor allem aber entdeckte ich wieder die einheitliche Struktur. Ich ließ dann mein Baby etwas auf Erkundung gehen und wartete bis sie dir richtige Stelle erreichte.

Wenn ihr also durch die Straßen geht, dann aktiviert eure innere Linse und überlegt, welche Ecke zu einem guten Hintergrund für ein Motiv werden könnte. Welche Stelle sieht möglichst einheitlich aus, so dass ihr dort eure Oma vorsetzen könnt (wenn ihr Heidi Klum kennt, geht die natürlich auch). Nochmal: Ihr müsst gezielt nach schönen Orten und Plätzen Ausschau halten, die Einheit haben. Diese sind nicht unbedingt in der Karibik oder in Norwegen, sondern in Ausschnitten überall. Ich habe hier mal noch ein anderes Beispiel:

Das Licht macht aus diesem Bild ein interessantes Foto

Das Licht macht aus diesem Bild ein interessantes Foto, aber auch der Hintergrund ist strukturiert.

Bei diesem Bild seht ihr, wie ich einfach mit einem Kuscheltier bewaffnet, losgezogen bin und eine entsprechende Kulisse gesucht habe. Die Kulisse ist nicht spektakulär und wiederum würdet ihr überrascht sein, wie banal es dort in Hagen aussieht. Dennoch ist die Idee einfach. Hier müsst ihr allerdings auch wissen, dass ich im Sommer immer spontan losgehe, wenn das Licht gut strahlt. Dann weiß ich, dass das Licht durch die Bäume seine Schatten wirft und nochmals viele interessante Hintergrundmotive entwickelt. Dies liegt auch daran, weil Dunkelheit neben Sonnenlicht, immer einheitliche Struktur bewirkt und somit ein geeigneter Hintergrund entsteht. Diese Stellen suche ich mir dann aus, um mein Motiv zu platzieren. Denkt beim Knipsen zudem daran, dass ihr Zuhause noch einiges wegschneiden könnt, was unstrukturiert verbleibt. Macht daher viele Fotos.

Um allerdings großzügig schneiden zu können, braucht ihr eine Kamera, die die Bilder so groß wie möglich knipst. Neben diesem Tipp also ist eine bessere Digitalknipse unerlässlich. Ich teile tatsächlich die Auffassung, dass eine bessere Kamera bessere Fotos macht. Ich bin da nicht so arrogant und gebe offen zu, dass sich meine Bilder durch meine Spiegelreflex deutlich gesteigert haben. Wenn euch das mehr interessiert könnt ihr ja mal in den Vergleich zwischen meiner alten Kamera und meiner neuen Spiegelreflexkamera auf meinem Blog reinschnuppern.

Ich hoffe, ich habe euch ein wenig geholfen und vielleicht postet ihr mir mal, wenn euch aufgrund meines Tipps ein außerordentlich gutes Bild gelungen ist oder gebt mir auf euren Bild dafür Credit. Ich hoffe auch, dass ich euch nicht Sachen erzählt habe, die ihr alle schon wusstest, sondern dass dieser Artikel für euch wirklich hilfreich war. In diesem Sinne:

Alles Liebe aus dem Pusteblumenland

Maja Mummer

Autor: Marc

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