Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Rezension: Schoßgebete von Charlotte Roche

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Seitdem die ehemalige Viva-Moderatorin Charlotte Roche unter die Buchautoren gegangen ist, werden ihre Werke kontrovers diskutiert.

Das war bei ihrem Erstlingswerk „Feuchtgebiete“ im Jahr 2008 so und das ist bei ihrem aktuellen Buch „Schoßgebete“ nicht anders. Ich habe den ersten Roman nicht gelesen und kenne nur die zahlreichen Lobeshymnen und auch die Verrisse des Romans. Dennoch bin ich ganz unvoreingenommen an die Schoßgebete herangegangen.

Das Buch aus dem Piper Verlag handelt primär von Elizabeth, ihrem Mann Georg, ihrer Tochter Liza und ihrer Therapeutin. Nach den ersten knapp sechzig Seiten weiß ich als Leser, wie der Sex des Ehepaares abläuft – minutiös und detailliert geschildert -, kenne die sexuellen Vorlieben des Paares und habe einen Einblick bekommen, wie die therapeutischen Sitzungen ablaufen, mit der sie die Ereignisse der vergangenen Jahre in drei Terminen pro Woche aufarbeitet.

Das Geschehen zentriert sich darüber hinaus auf den tödlichen Unfall, bei dem sie drei ihrer Brüder bei einer Massenkarambolage in Belgien verloren hat. Sowohl der Unfall als auch die einschneidenden und lebensverändernden Erfahrungen nach dem dreifachen Todesfall werden eindringlich und detailliert geschildert. Die Beschreibungen zu ertragen war für mich nicht immer leicht. Im Gegenteil.

Insbesondere die Krankenbehandlung der Mutter haben mir viel abverlangt.
Dieses traumatische Ereignis scheint die Ursache für alle Probleme in der Zukunft der jungen Frau zu sein – ihre  psychischen Störungen werden mit einem Übermaß an Sex in allen Spielarten kompensiert.

Neben dem gemeinsamen Bordell-Besuch mit ihrem Mann, der ausführlich geschildert wird, rechnet die Protagonistin auch mit ihrer – vermeintlich – besten Freundin ab. Auffällig ist, dass sie viele negative Eigenschaften an ihr beschreibt, die sie selbst lebt und verkörpert. Das ist bemerkenswert und bestätigt die nicht wenigen Persönlichkeitsstörungen der 33-jährigen.

Wer sich fragt, welches Motiv von Charlotte Roche hinter dem Buch steckt, und welche Intention von der Autorin verfolgt wird, kann viele Antworten finden. Ich persönlich denke, dass das Buch, fiktive Teile hin oder her, sicherlich auch eine Schreibtherapie für Roche gewesen ist, um die schrecklichen Ereignisse am Vortag ihrer geplanten Hochzeit zu verarbeiten. Als Außenstehende können wir uns nur im Ansatz ausmalen, wie grausam und brutal die zwei Tage von Dienstag bis Mittwoch, die in dem Buch auf mehr als 280 Seiten beschrieben werden, für sie und ihr zukünftiges Leben gewesen sind.

Mein Fazit

Auch der zweite Roman von Charlotte Roche wird die Lesergemeinde spalten. Doch im Vergleich zu ihrem Debütroman kommen die „Schoßgebote“ deutlich entschärfter und bodenständiger daher.

Schon zu Beginn erklärt Roche die autobiographischen Züge des Buches. Sie nimmt sich aber auch die Freiheit, Fi(c)ktives (sic!) einzuflechten und damit die Grenzen zwischen real erlebtem und Fiktion verschwimmen zu lassen. Das ist eine der Stärken des Romans.

Ich bin in sexueller Hinsicht wahrlich kein Sensibelchen. Doch die eine oder andere detaillierte Beschreibung der sexuellen Vorlieben und Neigungen haben mich erstaunt. Wer sich hingegen nicht von den provokanten sexuellen Inhalten abschrecken lässt, lernt Teile der Persönlichkeit von Charlotte Roche kennen, die bisher nicht bekannt gewesen sind, und wird sich gut unterhalten fühlen.

Autor: Marc

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3 Kommentare

  1. Tolle Rezension – mir hat das Buch auch recht gut gefallen. Gleich neben diesem Buch lag in meiner Buchhandlung „Pornos machen traurig“ von Peter Redvoort: und hier wird der Fokus einmal auf die Männersexualität gelegt – und auch hier ziemlich offen und selbstkritisch – wäre auch eine Rezension wert!

    M.R.

  2. Pingback: Rezension: Pornos machen traurig von Peter Redvoort > Produkttest, Rezension > Biografie, BoD, Books on Demand, Buchbesprechung, Charlotte Roche, Lektüre, Peter Redvoort, Porno, Rezension, Sonia Rossi

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