Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Rezension: Auf die Länge kommt es an. von Florian Meimberg

| 1 Kommentar

Selten schaffen es Twitter-Nutzer, ein ganzes Buch mit ihren Tweets zu füllen. Zu banal, zu belanglos und zu unwichtig sind die geistigen Ergüsse der Nutzer des sozialen Mediums. Florian Meimberg hingegen hat es geschafft.

Tiny Tales CoverDer Untertitel seines Buches „Auf die Länge kommt es an.“ lautet „TINY TALES. Sehr kurze Geschichten.“ und weist auf den Ursprung des Buches hin. Unter dem Twitter-Account @tiny_tales veröffentlicht Florian Meimberg schon seit geraumer Zeit regelmäßig „Poesie als Espresso“, wie es die Zeitung Neue Westfälische aus Bielefeld im Oktober 2011 treffend beschrieben hat.

Der Ursprung der Geschichten in dem Band liegt also im Kurznachrichtendienst Twitter. Dort ist die Kommunikation auf knappe 140 Zeichen begrenzt.

Es gibt also keinen ellenlangen, abgeschlossenen Roman zu entdecken. Vielmehr gibt es kurze Geschichten, die in einem Bruchteil einer Minute gelesen sind. Doch die eigentliche Geschichte beginnt erst nach dem Lesen jeder einzelnen Tiny Tale.  Sind die Tweets auch rasant zu lesen, so beginnt das Nachdenken darüber erst im Anschluss.

Auf knapp 180 Seiten in 16 Kapiteln werden alle Bereiche des Lebens und seine Eigenarten gestreift. Es geht um Lüge und Chaos, Leben und Liebe, Angst und Hass, Überraschung und Wahrheit sowie Anfang und Ende. Meimberg hat für seine knackig-kurzen Geschichten übrigens den Grimme-Online-Award erhalten.

Meine ganz persönlichen Favoriten der kleinen Geschichten sind:

„Der Greis öffnete die Augen. Die Ärzte schwiegen gebannt. Dann murmelte der Alte den ersten Satz nach seinem Koma: ‚Mama Spielplatz'“ (aus: „Anfang“)

„Er sah Kevin-Prince Boateng fest in die Augen. ‚O.K., abgemacht. Aber nur der Knöchel!‘ Ballack seufzte. Verdammte Flugangst…“ (aus: „Lüge“)

„Der Direktor der First Federal Bank of Nigeria klappte sein Notebook zu. Er seufzte ratlos. Warum nur wollte niemand die 12,5 Mio. Dollar?“ (aus: „Irrtum“)

„Sie malte ein Minuszeichen vor die Umsatzprognose. Dann klappte sie das Flipchart wieder zu und schob ihren Putzwagen aus dem Konferenzraum.“ (aus: „Überraschung“)

„Der beißende Gestank raubte ihr die Sinne. Plötzlich durchschnitt ein feiner Lichtstrahl die Finsternis. ‚Na endlich!‘, keuchte Rotkäppchen.“ (aus: „Glück“).

„Der Orgasmus flutete durch seinen Körper, als das Handy klingelte. Er rollte sich von ihr ab und schielte auf das Display. ‚Für dich, Mama.'“ (aus: „Liebe“)

Mein Fazit

Ich folge dem Twitter-Account @tiny_tales seit seinen Anfängen und bin immer wieder auf’s Neue von den kleinen Geschichten begeistert, die mein Kopfkino einschalten und bereichern.

Mit dem Buch „Auf die Länge kommt es an.“ gibt es erstmals die Gelegenheit, eine große Auswahl der gesammelten Kleinode genüßlich zu genießen. Deshalb gibt es eine klare Kaufempfehlung von mir.

Autor: Marc

Hallo, ich bin Marc. Schön, dass Du bei mir im Blog vorbeischaust. Hier mein Leben in weniger als 140 Zeichen: Google-Fan, Sony Xperia Z5 compact, ipad mini 2, BlackBerry Classic, Android, iPad 4, Social Media, nur der BVB, Reiseblogger, Vater, (Ehe-) Mann, Chef. Ich bin übrigens auch bei Facebook, Google+ und Twitter zu finden.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Timehop: Reise in die persönliche Social Media-Vergangenheit > Social Media > Facebook, Foursquare, Instagram, Timehop, Twitter, Zeitreise

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.