Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Rezension: Ein Traum von einem Schiff – Eine Art Roman von Christoph Maria Herbst

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Als großer Fan von Das Traumschiff und als Fan von Christoph Maria Herbst, der insbesondere als Stromberg für Furore gesorgt hat, war es quasi eine Pflichtübung für mich, das Buch „Ein Traum von einem Schiff: Eine Art Roman“ zu lesen.

Das Buch aus dem Scherz- (sic!) Verlag ist schon vor seinem Erscheinen kontrovers diskutiert und in der Presse zerpflückt worden. Sicherlich war das nicht ganz ungeplant, denn eine bessere Publicity kann sich ein Autor kaum wünschen.

Der Autor beginnt die Erzählung mit dem Anruf seiner Agentin, die ihm von dem Angebot, Passagier der MS Deutschland zu werden, berichtet und geht weiter über das erste Treffen mit Produzent Wolfgang Rademann im Berliner Kempinski Hotel. Dabei lässt CMH ein mehr oder weniger gutes Haar an dem Produzenten des Straßenfegers.

Wolfgang Rademann wird respektvoll und bewundernd charakterisiert, wenn auch gelegentliche Seitenhiebe auf dessen Knoblauchsucht nicht ausbleiben. Am Ende hat ihn Rademacher überzeugt und er willigt in das Engagement auf dem Traumschiff ein.

Während des Flugs zum Schiff, als alle Passagiere schlafen, inspiziert Herbst die Schauspielerkolleginnen und -kollegen und beschreibt diese detailliert mit ihren Eigenarten und Macken – ohne dabei aber Namen zu nennen. Ausführlich geht er dabei auch auf eine Regie-Assistentin des ZDF ein, die ihn vor vielen Jahren mit ihren „mündlichen Fertigkeiten“ überzeugt hat und auch an Bord des Flugzeugs einige männliche Passagiere ein wenig besser zu kennen schien.

Plötzlich gibt es einen Bruch im Text des Buches. Denn nach der Ankunft in Panama berichtet Herbst plötzlich von seinen Erlebnissen in Prag bei den Dreharbeiten zu dem Film Hui Bui. Was diese langatmigen Ausführungen, die in einem Hinterhalt von einer „Verstehen Sie Spaß“-ähnlichen Show gipfelten, mit dem eigentlichen Thema zu tun hatten, bleibt mir auch heute noch schleierhaft. Laaaaaangweilig hoch drei.

Ähnlich langatmig erlebe ich das Kapitel „3. Januar 2010“, in der Herbst ausführlichst eine obskure (Alp-) Traumszene schildert, die an Langweiligkeit nicht zu übertrumpfen ist – und nur als Hörbuch zu ertragen ist, in dem CMH die Geschehnisse deutlich kurzweiliger vorträgt, als es der Text zulässt.

Am 4. Januar 2010 geht es endlich auf das Schiff, auf die MS Deutschland, die aus Herbst-Sicht von der Kamera ähnlich verzerrt dargestellt wird wie die gesamte Handlung an Deck. Das Warm Up der Schauspieler am 05.01.2010 wird bissig-zynisch in lautmalenden Worten beschrieben und dabei gleichzeitig die Riege der Darstellerinnen und Darsteller eindeutig zweideutig charakterisiert. Das alles liest sich kurzweilig und lässt auch das nötige Augenzwinkern nicht aus, mit dem sich Christoph Maria Herbst auch nicht selbst zu wichtig nimmt.

Nach einer Woche auf dem Traumschiff kreiert Christoph Maria Herbst eine neue Wortschöpfung und hält fest, dass MS Deutschland in Wahrheit für für Mumienschlepper Deutschland stehe. In diesem Zusammenhang wird dann die schwimmende Schwarzwaldklinik inspiziert. Neben einem vollständig ausgestatten Operationssaal findet der „häufig angetrunkene Bordarzt“ auch eine Dialysestation und einen eigens eingerichteten Kühlraum für die während der Überfahrt verblichenen Passagiere vor.

Während die Schilderung seiner Seekrankheit („Mittwoch, 13. Januar, 04:07 Uhr“) zur Mitte des Buches genauso unlustig daher kommt wie der Landgang bei einem italienischen Pizzabäcker („Ausgeschifft“), entlockte mir das folgende Kapitel („Nachmittags“) mehr als einen Lacher. Christoph Maria Herbst berichtet von der Begegnung mit einem chilenischen Bürger, der ihn mit „Bernd, Du alter Schlüpferstürmer! Wie stehen die Akten?“ während des Joggens begrüßt hat. Der Chilene kannte wirklich alle Zitate aus allen Stromberg-Staffeln und bewies sein komödiantisches Talent. Dass das Treffen eine ungeahnte Wendung nimmt, versteht sich beinahe von selbst.

Der Landgang in Chile steht ganz im Zeichen von Christine, der Regieassistentin, und Christoph Maria Herbst. Gemeinsam erkunden die beiden die chilenische Hauptstadt und kommen sich auch emotional wieder näher – allerdings mit unerwartetem Ausgang.

In der Folge hat das Buch wiederum Längen – insbesondere die Beschreibung seiner ersten
Ayurveda-Behandlung hat mich mehr gelangweilt als unterhalten. Am interessantesten an dem ganzen Kapitel ist noch der Titel: „Bora Bora, Mittwoch, 20. Januar. Wie… Penis?

Fast schon erleichtert bin ich, als ich bei dem Buch auf die Zielgerade einlaufe. Ähnlich schwerfällig wie die MS Deutschland haben sich die Seiten des Buches hingezogen und von Lesevergnügen war nur vereinzelt etwas zu bemerken. Der Medienhype, der insbesondere von den Boulevardblättern entfacht worden ist, war größer, als es dieses Werk verdient. Schade.

Mein Fazit: Das Buch ist ehrlich, zynisch, ironisch und böse – das steht außer Frage. Und wer einen Abenteuerroman oder Liebesroman vom Traumschiff erwartet, wird enttäuscht sein. Alle anderen, die Spaß an der Sprache und augenzwinkernden Berichten von Christoph Maria Herbst haben, werden zwar nicht enttäuscht, werden sich aber dennoch über manche Längen in dem Buch ärgern.

Übrigens: Was ich bei allem Spott und aller Häme von Herbst über Das Traumschiff und seine Akteure nicht verstehe: wieso zieht Herbst über wirklich alles und jeden her, wenn er sich doch freiwillig (!) für diese Kreuzfahrt nach Bora Bora entschieden hat? Eine gewisse Undankbarkeit kann ich dem Comedian in dieser Hinsicht nicht absprechen.

Neben dem Lesen des Buches habe ich auch das Hörbuch genossen. Das Hörbuch lebt von der Interpretation Christoph Maria Herbst, der aus der Buchvorlage ein hörenswertes Hörspiel konstruiert hat, das mir viele Lacher entlockt hat.

Autor: Marc

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