Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Zauberhafter Heilig Abend – leider nicht für alle Menschen

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Es ist Heilig Abend. Viele Kinder haben auf den 24. Dezember hingefiebert und waren heute Nachmittag in der Kirche, um die Krippenspiele und die Geburt Jesus Christus mitzuerleben. Nun sitzen diese Kinder unter dem Weihnachtsbaum und erfreuen sich an ihren Geschenken. Die Eltern erfreuen sich an der Freude ihrer Sprößlinge und haben auch endlich Gelegenheit, einmal tief durchzuatmen und den Stress der Vorweihnachtszeit abzulegen.


Auch bei uns ist die Bescherung in vollem Gange. Ich liebe diese über die Jahre gewachsenen Traditionen: mittags am Heilig Abend gibt es eine Suppe mit Einlage, die von meiner Mum gekocht worden ist. Anschließend kümmern wir uns um die Vorbereitung der Bescherung und die Kinder dürfen sich die Wartezeit auf das Christkind (bei uns kommt das Christkind und der Weihnachtsmann gilt als Helfer des Christkinds) mit Weihnachtsfilmen vertreiben.

Gegen halb vier machen wir uns auf den Weg in die Kirche, in der ab 16 Uhr der Familiengottesdienst mit dem Krippenspiel stattfindet. Während des Gottesdienstes spielt sich bei mir heftiges Kopfkino ab. Ich muss daran denken, als ich ein Kind war, wie aufgeregt ich schon auf dem Weg in die Kirche war und wie sich die ganze Aufregung gelöst hat, als daheim das Glöckchen erklang und die Bescherung eingeleitet hat. Beim letzten Lied, „Oh Du fröhliche“, wische ich mir regelmäßig eine Träne aus dem Augenwinkel, weil ich so ergriffen bin.

Leider geht es nicht allen Menschen so gut wie mir an diesem Heiligen Abend. Ich denke an Menschen, die ich in diesem Jahr kennen gelernt habe – persönlich und virtuell – und von denen ich weiß, dass sie nicht fröhlich sind. Ich denke an den Nachbarn aus meiner Straße, der im November seine Frau nach einem Krebsleiden beerdigen musste. Ich denke an den Twitter-Kontakt, dessen junge Freundin plötzlich aus dem Leben gerissen worden ist. Ich denke an einen BVB-Fan, der seit Monaten und Jahren auf der Suche nach einer festen Anstellung ist und immer nur enttäuscht worden ist.

Allen gemeinsam ist, dass sie trotzdem nicht aufgeben und sich nicht unterkriegen lassen. Ich wünsche ihnen Kraft und Geduld in dieser schwierigen Zeit. Und ich halte inne und denke an die Menschen, die keinen besinnlichen Weihnachtsabend verbringen können, weil

  • sie im Dienst für die Menschen unterwegs sind: Ärzte, Sanitäter, Polizisten, Feuerwehrmänner und -frauen, Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks, Busfahrer, Zugführer und Zugbegleiter, LKW-Fahrer, Sicherheitsdienste und viele andere Frauen und Männer, die ihren Dienst treu erfüllen müssen
  • sie nicht daheim im Kreis ihrer Lieben verbringen können und im Krankenhaus oder Hospiz liegen
  • sie nicht in der Stimmung sind und ihr Herz voller Trauer ist: weil der Partner sich von ihnen getrennt hat und sie das Fest der Liebe allein verbringen müssen, weil der Lebenspartner krank in der Klinik liegt, weil ein lieber Mensch verstorben ist oder weil es einfach niemanden mehr gibt, der für sie da ist
  • sie in diesem Jahr eine Krise nach der anderen erlebt haben und einfach keine Kraft mehr haben
  • sie im Gefängnis einsitzen und sich nach ihren Angehörigen sehnen
  • sie nichts mit Weihnachten und dem ganzen Brimborium anfangen können, das Fest nur als Konsumterror empfinden und einen Anti-Heilig-Abend zelebrieren.

Frohe Weihnachten für Euch und Eure Familien!

Autor: Marc

Hallo, ich bin Marc. Schön, dass Du bei mir im Blog vorbeischaust. Hier mein Leben in weniger als 140 Zeichen: Google-Fan, Sony Xperia Z5 compact, ipad mini 2, BlackBerry Classic, Android, iPad 4, Social Media, nur der BVB, Reiseblogger, Vater, (Ehe-) Mann, Chef. Ich bin übrigens auch bei Facebook, Google+ und Twitter zu finden.

4 Kommentare

  1. Lieber Marc,

    ich danke Dir für diesen wundervollen Blogeintrag.
    Er rührte mich zu Tränen.
    Ich las gerade deinen Beitrag, während ich auf dem Weg zum Grab meiner Mutter bin.
    Ich werde bei ihr Heiligabend verbringen. Eingedeckt mit einer Thermoskanne Glühwein.
    Ich nutze die Weihnachtstage nun, um mich richtig von mir zu verabschieden. Ich hatte seit April diesen Jahres nicht wirklich die Chance dazu.
    Ich habe mich dazu entschieden Weihnachten allein zu verbringen, um meine Gedanken zu ordnen und um meiner Mutter dieses Weihnachtsfest zu widmen.

    Ich danke Dir für deine emotionalen Worte und wünsche Dir und deiner Familie eine schöne Weihnachtszeit.

    Frohe Weihnachten,
    Martina

    • Liebe Martina,

      Deine Worte berühren mich auch.

      Ich wünsche Dir viel Kraft in den schweren Stunden, die für viele Menschen die schönsten Stunden des Jahres sind.

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