Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Rezension: Vorsicht vor Leuten von Ralf Husmann

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Ralf Husmann ist aus meiner Sicht ein unterschätzter Schriftsteller. Den meisten ist Husmann als Autor der legendären Figur Bernd Stromberg in der ProSieben-Serie Stromberg bekannnt, die inzwischen vier Staffeln umfasst und die in 2011 ihre fünfte Fortsetzung finden soll.

Darüber hinaus hat Ralf Husmann auch die Drehbücher zu Serien wie Dr. Psycho und „Der kleine Mann“ geschrieben. Die wenigsten aber wissen, dass Husmann auch Bestseller wie „Nicht mein Tag“ hat, den es sogar als Hörbuch mit Christoph Maria Herbst gibt.

In seinem neuesten Buch dreht sich die Geschichte um Lorenz Brahmkamp, der im fiktiven Osthofen wohnt, einem kleinen Örtchen im Ruhrgebiet, und sich mit kleinen und großen Lügen durch’s Leben schlägt. Die Unsitte, die Unwahrheit zu sagen, zieht sich seit der Kindheit wie ein roter Faden durch sein Leben und macht weder vor seinem Privatleben noch vor dem Beruflichen in seiner Funktion als Sachbearbeiter einer Behörde Halt.

Inzwischen hat auch seine Frau Katrin die ständigen Lügen satt und sich von Lorenz getrennt. Also fasst der Protagonist einen Plan: Katrin muss zu ihm zurückkehren. Dazu will er im ersten Schritt abnehmen, im zweiten Schritt seinen Job sichern und als letztes ehrlich werden.

Doch seine Pläne werden durchkreuzt, als Alexander Schönleben in Brahmkamps Leben tritt, der das pure Gegenteil von Lorenz‘ Lebensentwurf darstellt. Schönleben ist reich, erfolgreich, fit, beliebt und verfügt über ein ausgeprägtes Liebesleben. Durch einen mehr oder weniger dummen Zufall will es das Schicksal, dass sich das Leben der beiden Männer intensiv kreuzt – intensiver, als sich das beide jemals vorgestellt hätten…

Während der gesamten 280 Seiten des Romans habe ich mich öfters beim laut lachen erwischt. Das ist dem Schreibstil von Ralf Husmann und seinem knochentrockenen Humor zu verdanken, der ausgerechnet immer dann zuschlägt, wenn ich es als Leser am wenigsten erwartet hätte.

Die Hauptfiguren des Buches werden lebendig beschrieben und ziehen den Leser von Beginn an in seinen Bann. Es ist mir schwer gefallen, das Buch aus der Hand zu legen. Immer wieder habe ich mir spät in der Nacht gesagt „dieses Kapitel lese ich noch“, um dann festzustellen, dass die Uhr in der Zwischenzeit weit nach Mitternacht angezeigt hat.

Insbesondere die literarischen Kleinode sind es, die begeistern. Wenn Lorenz dichtet

Eine Rose ist eine Rose,
auch wenn ihre Lieblingsfarbe Blau ist.
Und es ist doch Quatsch mit Soße,
dass du nicht mehr meine Frau bist.

dann bleibt kein Auge trocken vor Tränen der Rührung.

Das Ende von „Vorsicht vor Leuten“ mag den einen oder anderen überraschen – für mich ist es nur die zwangsläufige Folge der Geschehnisse.

Mein Fazit: wer Stromberg liebt, wird auch an diesem Buch seine helle Freude haben. Zwar sind die Dialoge nicht so scharf wie bei dem Leiter der Schadensregulierung in der Capitol-Versicherung. Stattdessen weiß Ralf Husmanns feiner Humor und das Gespür für die Situationskomik zu begeistern. Und alle, die bisher weder Stromberg noch andere Fernsehformate von Husmann kennen, sollten Lorenz Brahmkamp und „Vorsicht vor Leuten“ eine Chance geben.

Wem das Lesen des Schmökers zu aufwendig ist, kann auch gern zum hörenswerten Hörbuch greifen, das ebenfalls im Handel erhältlich ist.

Autor: Marc

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4 Kommentare

  1. Das liest sich doch super, na da werde ich mal schön weiter lesen ääh hören!

  2. Habe mir das Hörbuch gegönnt und muss sagen, es hat sich gelohnt. Brahmkamp ist so eine Mischung aus Stromberg und Tommy Jauds Vollidiot – daher ist seine Art manchmal etwas vorhersehbar. Aber schön war es trotzdem. Hat mir eine lange Autobahnfahrt arg verkürzt.

  3. Ich bin 17 jahre alt und habe seit 5 Jahren kein Buch mehr gelesen. Nun dieses und ich hatte es in 2 Tagen durch, da es so witzig ist. Sehr zu empfehlen ;)!

  4. Ralf Husmann kann gar nix. Sorry, aber er hat Stromberg 1:1, bis ins letzte kleine Detail, von der damals schon mega-erfolgreichen Serie "The Office" von Ricky Gervais geklaut. Als er dann auf diesen mega-frechen, offensichtlichen Diebstahl angesprochen wurde, hat er erst noch behauptet, das würde nicht stimmen, aber heimlich hat er dann doch noch eine Lizenz von der BBC gekauft, also seine Schuld eindeutig eingestanden (nicht an die große Glocke gehängt). Sorry, aber solche Kopisten gehören eingesperrt, und ich werde alle Mittel nutzen, um die Wahrheit über diesen talentlosen Kopisten zu verbreiten.

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