Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

McDonald’s: Schmelztiegel der Kulturen, sozialen Schichten und Menschen

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Es ist kurz vor sieben an einem Mittwoch Morgen. Ich habe mir eben einen kleinen Cappuccio bei Mc Donald’s für Euro 1,10 bestellt und sitze nun auf einem Hocker an einem Thekentisch aus dunklem Holz. Mein Schnellzug fährt erst in gut zwanzig Minuten ab und ich habe Zeit, ein wenig „people spotting“ zu betreiben.

Es macht mir Spaß und ist sehr aufschlussreich, die Menschen zu beobachten, die an diesem Morgen im Düsseldorfer Hauptbahnhof zu Mc Donald’s eilen. Es ist ein Querschnitt unseres Landes: bezogen auf die gesellschaftliche Schicht, auf die soziale Herkunft und auf die demographische Schichtung in unserem Deutschland.

Anzugträger verschlingen ihr Mc Toast und schütten sich eilig den Kaffee hinunter, während sie die Zeitung lesen und den BlackBerry bedienen. Ein älterer Afrikaner sitzt mit Sonnenbrille und Kopftuch allein an einem Tisch und trinkt seinen Kaffee. Junge Mädchen invasieren im Rudel den Tresen und geben ihre Frühstücksbestellung auf. Ein vermeintlich Obdachloser nutzt die Lounge-Couch, um sich an diesem kalten Morgen ein wenig aufzuwärmen. Reinigungskräfte nutzen ihre knapp bemessene Pause, um sich bei einem Snack zu stärken. Es gibt viel zu sehen am Morgen im Mc Donald’s Schnellrestaurant am Hauptbahnhof Düsseldorf.

Besonders berührt hat mich eine ältere Frau, die mit ihrer Tochter das Ladenlokal betritt. Die Frau hat ebenso einen Trolley im Schlepptau wie ihre Tochter. Die Tochter, sie mag Anfang vierzig sein, trägt einen Brustbeutel um den Hals. Der Beutel ist gelb mit drei schwarzen Punkten. Die Tochter trägt eine schwarz-weiß gemusterte Schirmmütze und eine Brille mit dicken, runden Gläsern. Sie scheint an dem Down-Syndrom zu leiden. „Leiden“ ist das falsche Wort, denn leidend sieht die Frau nicht aus. Ihre Mutter gibt ihr zu verstehen, dass sie sich hinsetzen möge. Währenddessen geht die Mutter, die ein hübsches Tuch um den Hals gebunden hat und einen eleganten Mantel trägt, an den Tresen und bestellt für sich und ihre Tochter einen kleinen Cappuccino. 

Ich sitze weiter vor meinem Heissgetränk und muss lange über die beiden Menschen nachdenken, die sich in nicht mal zwanzig Meter Entfernung von mir befinden. Ich bewundere diese Frau und Mutter. Ich habe großen Respekt vor ihrem Wirken und Tun. Sie hat sich sicherlich das gesamte Leben ihrer Tochter für sie eingesetzt und um sie gekümmert. Sie hat ihre Tochter aufwachsen sehen und gewusst, dass das ganze Leben gemeinsam verbracht werden wird. Mit nachdenklichem Gesicht verlasse ich Mc Donald’s und mache mich auf den Weg zu Gleis 16, um mit dem ICE nach Frankfurt zu reisen.

Autor: Marc

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