Ein Ostwestfale im Rheinland

Das Leben jenseits des Rheins in mehr oder weniger weisen Worten.

Twitter, Sucht und ich: Schmerzhafte Scheidung oder eine Beziehung auf Bewährung?

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Als ich am Montag morgen am Bahnhof auf die verspätete S-Bahn wartete, kam mir der Gedanke, meine twitter-Aktivitäten zu beenden. Es war einer der wenigen reflektierenden Momente in meinem Leben und ich stellte mir in diesem Kontext sehr viele Fragen:

Wieso mache ich das eigentlich? Wieso nerve ich meine Umwelt mit 140 Zeichen langen Sätzen, in denen ich mehr oder weniger sinnfreie Inhalte zum Besten gebe? Warum ziehe ich meinen Stolz aus einer bestimmten Anzahl an Followern, die sich im hohen dreistelligen Bereich bewegt? Wieso geht mir einer dabei ab, wenn ich mich auf 28 Listen in twitter wiederfinde?

Warum gehe ich das Risiko ein, mein Privatleben auf’s Spiel zu setzen, weil ich schon wieder einen tweet absetzen „musste“ und meine Angehörigen nur noch genervt sind? Warum quäle ich mein Umfeld mit verwackelten, unscharfen twitpics oder moby pictures, auf denen man Banalitäten aus meinem langweiligen Leben sieht? Wer schaut sich diese Fotos von Kaffeetassen, Hähnchenbuden, Notebooks, Staus auf Autobahnen, einfahrenden S-Bahnen, Aquarien-Schnappschüssen, Landschaften, Geocaching-Verstecken und ähnlichem denn an?

Wieviel Zeit könnte ich sparen, wenn ich twitter twitter sein lasse? Sollte ich nicht eine Selbsthilfegruppe, vergleichbar mit den Anonymen Alkoholikern, gründen, um meiner „tweet-addiction“ auf den Grund zu gehen? Wie fühlt sich ein „cold turkey“ auf twitter an? Wieviel Freiräume kann ich nutzen, wenn ich nicht mehr nervös auf den BlackBerry oder das Nokia Smartphone schaue?

Viele, viele Fragen gehen mir durch den Kopf. Wenige Antworten habe ich parat. Reiche ich für twitter die Scheidung ein oder leben wir auf Probe noch eine Zeitlang gemeinsam weiter?

Autor: Marc

Hallo, ich bin Marc. Schön, dass Du bei mir im Blog vorbeischaust. Hier mein Leben in weniger als 140 Zeichen: Google-Fan, Sony Xperia Z5 compact, ipad mini 2, BlackBerry Classic, Android, iPad 4, Social Media, nur der BVB, Reiseblogger, Vater, (Ehe-) Mann, Chef. Ich bin übrigens auch bei Facebook, Google+ und Twitter zu finden.

7 Kommentare

  1. Das mit dem Privatleben ist schon so eine Sache, da muss man sich echt öfter mal zügeln, aber gerade die Argumente, dass es langweilig und sinnlos sind, finde ich nicht haltbar. Es muss dir ja keiner folgen und da es trotzdem eine Menge Leute tun, kann es ja so schrecklich nicht sein 😉

  2. Wie heute schon auf Twitter bemerkt. Es gibt nicht nur schwarz und weiß…Aus Deinen Zeilen lese ich, dass Dir Anerkennung fehlt? Wie sah Dein Leben vor Twitter aus? Hast Du Freunde durch Twitter verloren? Wieviel Zeit nimmt für Dich Social Media ein: eher nebenbei oder nimmt Dir bloggen, twittern, facebook usw. Zeit?Ich hoffe, wir lesen uns im "Graubereich" weiter und hoffe, wir sehen uns auch mal im real life.LG tanja(vielweib)

  3. Da komme ich heute früher nach Hause und da trifft mich deine Nachricht "das Twittern einzustellen" wie eine der heutigen Herbstböen: heftig!Ich fände es sehr schade, wenn du diesen radikalen Schnitt tun würdest, denn ich lese deine Tweets sehr gerne und würde sie vermissen. Wobei ich ich auch sagen muß, daß ich deine Tweetfrequenz schon extrem hoch finde und mir schon immer überlegt habe, wie man nebem dem Kuchenbacken schnell noch alles life twittert? Ich kann mir vorstellen, daß das die Angehörigen manchmal/öfters nervt, wenn der Papa diese oder andere Situation schnell noch twittern muß.Ich weiß nicht, ob du dich von Anfang an tweed_addiction genannt hat, oder ob das erst im Laufe der Zeit gekommen ist.Meim Vorschlag wäre, die Followerzahl auf die Hälfte zu reduzieren und diese dafür vollständig lesen. Ich habe dir z. Bsp. in den letzten Tagen einige Fragen gestellt, auf die du nicht geantwortet hast. Vermutlich sind sie einfach untergegangen. Hier wäre weniger sicherlich mehr.Was mich auch ein bischen wundert ist, daß du in mindestens gefühlten 10 Tweets dein Aufhören ankündigst! Auch hier in meinen Augen etwas übertrieben.Sorry für meine offenen Worte, aber sie sind ehrlich gemeint und können auch gerne hinterfragt oder gelöscht werden!GrußNico!

  4. Wenn Twitter Dir mehr Zeit raubt, als es Nutzen für Dich stiftet, dann solltest Du sofort damit aufhören. Das wäre wie ein Investment, dass mehr kostet als es erwirtschaftet. Das würde auch niemand machen. Zumindest nicht, wenn er das vorher wusste.

  5. Twitter ist für mich eigentlich garnicht so sehr ein Personen- sondern ein Themennetzwerk. Ich finde Menschen über Themen (wie zB über Geocaching), und die die ich schätze versuche ich so schnell wie möglich privat zu treffen.Um die Followerzahl kümmere ich mich garnicht, nur um die Anzahl der Leute denen ich folge. Und es gibt durchaus Tage an denen ich garnicht tweete. Ich mache das einfach wie ich Lust dazu habe.Da es auch nur ein weiteres Kommunikationsmittel ist wie jedes andere auch denke ich nicht über's Aufhören nach. Ich werfe ja auch nicht mein Handy weg oder schreibe keine Briefe mehr. So ein Account kann aber ruhig mal brach liegen.Twitter ist das einzige Werkzeug in dem ich zu einem Thema voranrennen kann und schauen kann wer mir zu einem Thema nachläuft. Und so bilden sich einfach Gruppen die sich sonst nie privat getroffen hätten.Wichtig sind aber die Tweetups dafür, denn Social Networking Systems fühlen sich einfach nicht gut an wenn man sich nicht real trifft.Und auf Twitter ist das treffen viel wahrscheinlicher als in Facebook oder via Chats. Letztere finde ich übrigens seelisch mit am grausamsten. Deshalb benutze ich die garnicht mehr. Ich war danach mal einen zeitlang wirklich süchtig, im nachhinein war es einfach nicht mein Tool.Auf Twitter führt ich aber nicht verzichten wollen. Ich habe nie ein effizienteres Mittel zur Bildung von Interessengruppen gefunden… und nie eins dass den Kunden effizienter wieder zum König macht. Nirgendwo da draussen kann man meiner Meinung nach seine Persönlichkeit effizienter darstellen. Und keine Suchmaschine ist besser als meine Follower die mir wirklich kompetent auf eine Vielzahl von Fragen geantwortet haben. Und das ist toll.Übrigens: Ich würde Dich vermissen wenn Du nicht mehr da wärst dort. Ich brauche minimal ein halbes Dutzend Tweets am Tag. 🙂

  6. auch wenn der eigentliche post schon etwas her ist, musste ich ihn nach deinem hinweis von heute morgen noch einmal lesen.ganz so krass sehe ich es zwar nicht, aber in den letzten tagen sind mir ein paar dinge bewusst geworden: z.b. häuften sich in letzter zeit die fragen, ob ich iphone-/internet-/twitter-süchtig bin, da ich ständig das telefon in der hand habe.manchmal habe ich das gefühl dinge zu verpassen, wenn ich nicht "minütlich" die timeline kontrolliere.ich denke, dass ich versuchen werde, "bewusster" zu twittern und nicht ständig jeden "scheiß" per twitter zu kommentieren/dokumentieren. also zunächst mal meine twitter-time nur zu reduzieren.

  7. Twitter und Co. sind ernst zu nehmende Suchterkrankungen und schneiden einen immer mehr vom sozialen realen Leben ab.Beziehung gehen in die Brüche, Kinder werden vernachlässigt und alles was man noch tut ist dumm am Computer anderen mitzuteilen, was gerade bei einem so aktuell ist.BITTE lasst das mit den Social Networks sein!!! Das ist ein gut gemeinter Raat! Es ist gefährlich für euer weiteres Leben!

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